Gribkowsky-Prozess Auftritt Zeuge Ecclestone

Tag acht im Prozess gegen BayernLB-Ex-Vorstand Gerhard Gribkowsky. Auftritt: Formel 1-Boss Bernie Ecclestone. Der gibt zu, Gribkowsky 20 Millionen Dollar gezahlt zu haben. Angeblicher Grund: Er habe sich bedroht gefühlt und den aufdringlichen Banker loswerden wollen.  
Von Cornelia Knust
"Ich hatte dieses Gefühl": Formel 1-Boss Ecclestone vor dem Münchener Gericht

"Ich hatte dieses Gefühl": Formel 1-Boss Ecclestone vor dem Münchener Gericht

Foto: DPA

München - Richter Peter Noll verliert keine Zeit. Nachdem die Anwälte des angeklagten Gerhard Gribkowsky mit ihren Befangenheitsanträgen dafür gesorgt haben, dass man auf den Zeugen den halben Tag lang warten musste, kommt der Vorsitzende gleich zur Sache. Hat Bernhard Ecclestone, trotz seiner 81 Jahre noch immer Chef der Formel 1, dem Ex-Vorstand der BayernLB Gribkowsky Geld gezahlt und wenn ja warum?

Ecclestone räumt die Zahlung sofort ein, bestätigt später auch die Höhe von rund 20 Millionen Dollar. Doch zunächst mal wird es mühsam. Noll fragt von allen Seiten und in allen Variationen nach der Grundlage für diese Zahlungen. Doch "Bernie" Ecclestone zieht sich zurück auf seine feine englische Art und bleibt ungenau.

Er, Ecclestone, habe das Gefühl gehabt, dass Gribkowsky ihn indirekt unter Druck setzen wollte, indem er anzweifelte, dass tatsächlich Ecclestones Ehefrau Begründerin des so genannten Bambino-Trusts gewesen sei und nicht Ecclestone selbst. Dieser Trust hielt bis zum Verkauf der gesamten Formel 1 an den Finanzinvestor CVC 25 Prozent der Formel 1-Anteile. Zuvor hatten die Anteile Ecclestone gehört. Hätten die britischen Steuerbehörden die Stiftungskonstruktion angezweifelt, hätte Ecclestone enorme Steuern nachzahlen müssen, und zwar nach eigener Aussage rund zwei Milliarden Pfund.

Gribkowsky habe ihm zwar nie explizit gedroht, und er, Ecclestone, habe ihn auch nie gebeten etwas zu unterlassen, doch er habe diese stillschweigende Bedrohung durch den Banker gespürt: "Ich weiß nicht, was er dachte. Aber ich hatte dieses Gefühl". Immer wieder sei Gribkowsky ihn angegangen, habe ihn beraten, habe für ihn arbeiten wollen, habe ihn als Investor für gemeinsame Projekte gesehen. Doch er, Ecclestone habe das nicht gewollt, habe aber, Brite der er sei, niemald direkt "nein" gesagt, sondern immer "Lass uns drüber nachdenken".

"Ich hoffte, dass ihm klar war, wofür das Geld gedacht war"

Er habe aber Angst gehabt, dass Gribkowsky, der wie so viele in die "Falle der Welt der Formel 1" und ihrer "Sichtbarkeit" geraten sei, durch diese ablehnende Haltung verstimmt sein und Rache üben könnte. Er Ecclestone habe deshalb diese Zahlung geleistet und gemeint, dass er dann hinterher mit Gribkowsky über den offiziellen Zweck sprechen würde. Ecclestone: "Ich hoffte, dass ihm klar war, wofür das Geld gedacht war". Den Vertrag dazu habe der Bambino-Trust gemacht; er habe ihn nicht gelesen.

Richter Noll brauchte nach dieser Aussage erstmal eine Pause. Noch am Morgen hatte er ausdrücklich Ecclestones "großes Entgegenkommen" gelobt und sich verstimmt gezeigt, dass die Anwälte mit ihren Anträgen die Zeugenvernehmung bis 13 Uhr verzögerten.

Der Chef der Fomel 1 ist schließlich eigens für zwei Tage nach München gekommen, um in der Sache Gribkowsky (Untreue, Bestechlichkeit) auszusagen. Laut Ecclestones Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft dachte man fast, die Anklage müsste noch um einen Anklagepunkt erweitert werden: Erpressung.

Demnach hat Gribkowsky, der für den Verkauf der Formel 1-Anteile seiner Bank an den Finanzinvestor CVC zuständig war, angeblich nicht nur Ecclestone und seiner Familienstiftung eine hübsche Provision verpasst, sondern sich einen Teil davon selbst gesichert, indem er Ecclestone mit der Steuersache erpresst hat. Doch in seiner Zeugenaussage bestreitet der Brite jede explizite Drohung durch den Angeklagten. Gleichzeitig erklärt er die Zahlungen so, dass sie in keinem Zusammenhang mit dem Verkauf der Formel1-Anteile an CVC stehen. Genau das ist der Duktus der Verteidigung.

Wollten Gribkowskys Anwälte Ecclestone demütigen?

Umso merkwürdiger, dass die Verteidiger des Angeklagten heute mit ihren Anträgen eine Aussage Ecclestones augenscheinlich verhindern oder zumindest verschleppen wollten. Oder ging es nur um eine weitere Demütigung für den kleinen großen Mann, der "ungern verliert", wie es Ex-Mercedes-Vorstand Jürgen Hubbert am Montag in seiner Zeugenvernehmung sagte? Denn Wartenmüssen ist ja eine Demütigung.

Gribkowskys Anwalt Dirk Petri schien es darauf anzulegen. Denn er verlas gleich am Morgen einen längeren Antrag, wonach sein Mandant die drei Richter der Befangenheit verdächtigte. Dass sie bestimmte englische Urkunden nicht hätten übersetzen lassen, das habe Methode. Sie seien nicht gewillt, sich mit unbekannten Argumenten auseinanderzusetzen und sich ein eigenes unabhängiges Bild zu machen.

Die Staatsanwaltschaft schlug erstmals einen strengen Ton an. Es gebe keinerlei Grund für ein Misstrauen in die Unparteilichkeit der Richter. Es gebe einen dicken Sonderband "Übersetzungen", in dem viele wichtige Dokumente ins Deutsche übertragen seien. Der Vorsitzende habe auch mehrfach angeboten, weitere Schriftsstücke übersetzten zu lassen, sofern sei in den Prozess eingeführt werden sollten. Einen Anspruch auf vollständige Übersetzung aller Akten gebe es laut Bundesgerichtshof nicht.

Befangenheitsantrag wirkt etwas gewollt

Staatsanwältin Michaela Welnhofer äußerte den Verdacht, die Verteidigung wolle den Prozess über Gebühr verzögern und komme damit ihrer Fürsorgepflicht gegenüber dem ja seit Januar inhaftierten Angeklagten nicht nach. Ihr Kollege Martin Bauer setzte sogar noch nach. Er habe den Eindruck, die Verteidigung sei sich der Bedeutung ihres Mandats nicht bewusst. Er wertete den Befangenheitsantrag als "akute Panikattacke" der Verteidigung.

Tatsächlich wirkte der Antrag der Verteidigung, über den in den nächsten Tagen jetzt eine andere Kammer des Gerichts entscheiden muss, etwas gewollt. Er bezog sich auf die Befragung des Zeugen Hubbert, der aus einer Übereinkunft in englischer Sprache aus dem Dezember 2003 zitiert hatte, in der sich Autohersteller, Teams, Ecclestone und die an der Formel 1 beteiligten Banken (darunter die Bayern LB) formal auf eine gerechtere Aufteilung der Gewinne aus den Autorennen geeinigt hatten.

Dieses "Memorandum of Understanding" spielte aber bald danach überhaupt keine Rolle mehr, da Ecclestone sich einer Umsetzung verweigerte. Die Hersteller begannen daraufhin, ein Konzept für einen eigenen Rennbetrieb auszuarbeiten, das allerdings nie umgesetzt wurde. Nur deshalb erzielte der Verkauf der Formel 1-Anteile an CVC einen vergleichsweise hohen Preis. Andernfalls wären sie wertlos geworden.

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