Mittwoch, 17. Juli 2019

Sparkassenchef Gerlachs Rückzug sorgt für Streit

Vermisst eine "Diskussion über Konzepte": Der Chef des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe, Rolf Gerlach, zieht seine Bewerbung als Sparkassenchef zurück

Das Rennen um den Spitzenposten der deutschen Sparkassen ist zugunsten des CSU-Politikers Georg Fahrenschon entschieden. Sein Konkurrent Rolf Gerlach, der Chef des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe, zog seine Bewerbung für das Amt zurück. Er spricht enttäuscht von einer "Vorfestlegung" und vermisst eine "Diskussion über Konzepte".

Berlin - Mit dem Rückzug Gerlachs ist der Weg für den ehemaligen bayerischen Finanzminister Fahrenschon frei. Am 30. November wählt eine Mitgliederversammlung der Sparkassen in Berlin den Nachfolger des DSGV-Präsidenten Heinrich Haasis für eine sechsjährige Amtszeit.

Der designierte Sparkassenchef Fahrenschon dürfte in seinen ersten Amtswochen auch damit beschäftigt sein, die Wogen zu glätten, für die der Brief seines Konkurrenten Rolf Gerlach innerhalb des Verbandes gesorgt hat.

Gerlach (58) sah offenkundig keine Chance mehr, sich in der Abstimmung gegen den 43 Jahre alten Fahrenschon durchzusetzen. Anders als vom DSGV-Vorstand beschlossen, habe "eine Gruppe von Regionalverbandspräsidenten" bereits eine Vorfestlegung getroffen, hieß es in der Mitteilung des Verbandes Westfalen-Lippe. Eine sinnvolle Erörterung über Inhalte sei damit nicht mehr möglich.

"Für mich bedeutet Wahl immer Auswahl, an deren Ende eine Entscheidung steht", schreibt Gerlach tief enttäuscht in einem Brief an die Mitglieder des Sparkassenverbandes. Er nehme zur Kenntnis, dass sich "eine Gruppe von DGSV-Mitgliedern schon vor diesem internen Prozess festgelegt hat, obwohl weder die Girozentralleiter noch die Landesobleute noch die Verbandsvorsteher sich in ihren Gremien abschließend beraten konnten".

Leider komme es "somit auch zu keiner Diskussion über Konzepte", schiebt Gerlach in seinem Schreiben nach. Für "an fachlichen Inhalten interessierte Mitglieder des DSGV" füge er deshalb ein Positionspapier bei.

Haasis bezeichnet Gerlachs Rückzug als "honorig"

In den vergangenen Tagen war die Unterstützung Fahrenschons durch die süddeutschen Verbände deutlich geworden. Dennoch galt als offen, wer am Ende die Mehrheit auf sich vereinigen würde, da DSGV-Vize Gerlach auch eine Reihe von Fürsprechern in der Sparkassenorganisation hatte.

In der Wahlversammlung gibt es 24 Stimmberechtigte - die elf regionalen Sparkassenverbände, die zehn Landesbanken und Girozentralen sowie die drei kommunalen Spitzenverbände. Gerlach ließ mitteilen, es sei ihm das wichtigste Anliegen, dass die Sparkassen als starke Einheit wahrgenommen würden. Um das zu gewährleisten, habe die öffentliche Diskussion über Kandidaten, deren Chancen und über Lagerbildungen, "die aus politischen Wahlkämpfen bekannt sind", beendet werden müssen.

Haasis bezeichnete den Rückzieher Gerlachs als "honorig". Er habe damit ein Signal zur Geschlossenheit gegeben. Fahrenschon hatte sein Ministeramt bereits am Donnerstag voriger Woche aufgegeben.

Der DSGV-Präsident gehört zu den einflussreichsten Posten der Kreditwirtschaft. Die DSGV-Gruppe umfasst rund 600 Institute, 429 davon sind Sparkassen. Hinzu kommen die Landesbanken, Landesbausparkassen, die Deka-Bank sowie Versicherer und Leasinggesellschaften. In den Sparkassen sind nach Verbandsangaben rund 250.000 Mitarbeiter tätig.

la/dpa-afx

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