700 Millionen Euro Verlust Commerzbank vor Radikalkur

Die Commerzbank schreibt erneut Anlagen in Griechenland ab und stürzt tiefer in die Verlustzone. Die teilverstaatlichte Bank steht vor einer Radikalkur: Beteiligungen werden überprüft, die Kreditvergabe eingeschränkt. Der Steuerzahler dürfte auch 2011 keine Zinsen für die restlichen Staatshilfen sehen.
Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Das Institut benötigt dringend frisches Geld, will den Staat aber nicht erneut anzapfen

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Das Institut benötigt dringend frisches Geld, will den Staat aber nicht erneut anzapfen

Foto: Arne Dedert/ dpa

Frankfurt am Main - Die Commerzbank wird aller Voraussicht nach auch in diesem Jahr die laufenden Zinsen auf ihre restlichen Staatshilfen nicht zahlen. "Wir gehen derzeit nicht davon aus, dass wir in diesem Jahr nach deutschem Bilanzrecht Gewinn schreiben werden", sagte Finanzvorstand Eric Strutz am Freitag in einer Analystenkonferenz.

Bei der teilverstaatlichten Bank schlagen sich nicht nur 1,56 Milliarden Euro an Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen nieder, sondern auch eine mehr als eine Milliarde Euro hohe Abstandszahlung für die vorzeitige Rückzahlung des Großteils der Stillen Einlage. Dem Steuerzahler entgehen damit rund 170 Millionen Euro.

Die Commerzbank  hatte schon 2009 und 2010 die ursprünglich 16 Milliarden Euro schwere Stille Einlage nicht bedient, weil sie nach HGB rote Zahlen schrieb, und damit öffentliche Kritik auf sich gezogen. Mit dem HGB-Verlust drohen auch die Gläubiger von Hybrid-Anleihen leer auszugehen, wie Strutz sagte.

Der Ausfall der Zinsen wirkt sich auch auf den Vorstand der Commerzbank aus: Die Gehälter von Vorstandschef Martin Blessing und seinen Kollegen sind vom Aufsichtsrat so lange auf 500.000 Euro im Jahr gedeckelt wie die Staatshilfen nicht vollständig verzinst werden.

Verlustreiche Sparten werden eingedampft

Die Commerzbank will ihre verlustreichen Sparten drastisch eindampfen. Der Immobilien- und Staatsfinanzierer Eurohypo soll das Neugeschäft zeitweise ganz einstellen, das Kreditneugeschäft ohne Bezug zu Deutschland und Polen will die Bank zeitweise einstellen, teilte sie am Freitag in Frankfurt mit. Außer dem Internet-Broker Comdirect und der florierenden BRE Bank in Polen stehen alle Beteiligungen auf dem Prüfstand, teilte die Bank am Freitag mit.

Damit sollen die Risiken in der Bilanz um weitere 30 Milliarden Euro gesenkt werden, damit die Bank bis dahin die fehlenden 2,9 Milliarden Euro Eigenkapital wettmachen kann. Sie hatte im Frühjahr einen Großteil ihrer mehr als 18 Milliarden Euro Staatshilfen zurückgezahlt.

"Jetzt beschleunigen wir die Risikoreduzierung noch einmal", sagte Strutz. "Das wird aber nicht zu Lasten der deutschen Wirtschaft gehen." Die EU-Regulierer wollen, dass Europas Banken in den kommenden acht Monaten eine harte Kernkapitalquote von 9 Prozent aufbauen, um auch einem Übergreifen der Griechenland-Krise auf andere Euro-Länder zu widerstehen.

Bereits im dritten Quartal hat die Commerzbank ein Fünftel ihrer europäische Staatsanleihen verkauft oder abgeschrieben. Und der Abbau solle in den kommenden Monaten weitergehen, hieß es im Quartalsbericht. Allein Wertberichtigungen auf ihre griechischen Papiere kosteten sie weitere 798 Millionen Euro. Sie stehen nun noch mit 48 Prozent des ursprünglichen Wertes in der Bilanz.

Nettoverlust im Quartal von rund 700 Millionen Euro

Das Volumen der Staatsfinanzierung in den angezählten Peripherieländern Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien (PIIGS) belief sich Ende September noch auf 13 Milliarden Euro. Das waren gut 20 Prozent weniger als zu Jahresbeginn, Wertberichtigungen eingeschlossen.

Die Abschreibungen zogen die Commerzbank tief in die roten Zahlen. Mit 687 Millionen Euro fiel der Nettoverlust im dritten Quartal um beinahe 100 Millionen Euro höher aus als von Analysten im Durchschnitt erwartet, obwohl die Abschreibungen auf faule Kredite um ein Drittel zurückgingen. Vor einem Jahr hatte die Bank noch 113 Millionen Euro verdient.

Nicht unerwartet gab Bankchef Blessing das Ziel auf, 2012 auf einen operativen Gewinn von vier Milliarden Euro zu kommen. Blessing sagte, er fühle sich dem nach der Fusion mit der Dresdner Bank ausgegebenen Ziel verpflichtet, die Bank werde es aber "aufgrund der Marktgegebenheiten noch nicht im nächsten Jahr erreichen können".

rei/reuters