Gribkowsky-Prozess Ein Koffer mit 20 Millionen Dollar

Die erste Zeugenvernehmung im Prozess gegen den früheren Bankvorstand Gerhard Gribkowsky zeichnet das Bild eines harten Hundes und gewieften Verhandlers. Aber auch das eines eitlen Mannes, der den Formel 1-Deal für die BayernLB in einem rätselhaften Alleingang vollendete.
Von Cornelia Knust
Foto: Alexandra Beier/ Getty Images

München - Es soll ein Abendessen in London gewesen sein, an einem Sonntag irgendwann 2004 oder 2005. Gerhard Gribkowsky, damals Risikovorstand der Bayern LB, speiste mit dem Team seiner Bank, das die Anteile an der Formel1-Gesellschaft Speed versilbern sollte, die der Bank als Sicherheit aus einem Kredit der insolventen Kirch-Gruppe zugefallen waren. Auch englische Anwälte waren dabei. Man steckte mitten in Verhandlungen und Gerichtsverfahren, mit denen man Formel1-Chef Bernhard Ecclestone endlich zur Raison bringen wollte, der die Interessen der Bank ständig durchkreuzte.

Bei diesem Essen soll Gribkowsky gesagt haben, er habe fast das Gefühl, Ecclestone wolle ihn zu seinem Nachfolger aufbauen. Das berichtete heute der erste Zeuge im Münchner Strafprozess gegen den Banker, der wegen Untreue und Bestechlichkeit angeklagt ist.

Der Zeuge ist Mitarbeiter der BayernLB. Er persönlich habe das Gefühl gehabt, Gribkowsky habe es ernsthaft als Option betrachtet, "in diesem Umfeld zu arbeiten", also in der Formel1, sagte der Zeuge.

Richtig sprachlos habe ihn bei diesem Essen aber eine weitere kurze Bemerkung Gribkowskys gemacht, wonach Ecclestone ihm bei einem Formel1-Rennen einmal einen Koffer mit 20 Millionen Dollar hingestellt habe, einfach so. Auf die Frage der mit ihm Speisenden, wie er denn dann mit diesem Koffer verfahren sei, habe Gribkowsky geantwortet, er habe ihn nicht genommen. Er hätte den Vorfall der Compliance-Abteilung der BayernLB gemeldet, also den Hütern sauberer Unternehmensführung. Der Zeuge sagte: "Das erschien uns schon allen ein bisschen fabelhaft".

"Jetzt fliegt er"

In der Befragung durch den Vorsitzenden Richter Peter Noll am Landgericht München schilderte der Zeuge chronologisch das Wirken des Risikovorstands ab Frühjahr 2003. Gribkowsky habe sich sehr schnell ganz auf das Thema Formel 1 konzentriert, so dass sich die Mitarbeiter fragten, wann er seine übrige Arbeit erledigte. Sie sahen das zunächst positiv. "Er war, was uns fehlte", sagte der Zeuge und lobte die Aktivität und Entscheidungsstärke Gribkowskys in dieser Sache.

Während die amerikanischen Banken Lehman und JP Morgan, die ebenfalls kleinere Beteiligungen an der Speed hielten, gegen Ecclestone nicht aufmuckten, zog Gribkowsky mutig in England vor Gericht, verhandelte lässig mit Vorsitzenden von Autokonzernen und Chefs von Formel 1-Teams, ja wagte gar Ecclestone zu drohen, man könne auch mit einem anderen CEO arbeiten. "Jetzt fliegt er, jetzt schmeiß ich ihn raus", soll er einmal gegenüber seinen Mitarbeitern geäußert haben, als er wieder einmal Grund hatte, sich über den gewieften Formel1-Boss zu ärgern.

Doch je näher die Einigung mit Ecclestone rückte, desto mehr wurde Gribkowsky offenbar zum Einzelkämpfer. Er nahm sein Team nicht mehr mit zu Terminen, er informierte seine Mitarbeiter nur noch sporadisch und nur, wenn er sie gerade brauchte. "Wir fühlten uns abgehängt, wir waren nur noch Zulieferer für Bestellungen", sagte der Zeuge.

"Nicht mit den Clowns"

Gribkowsky habe seine Leute beruhigt: "Ihr könnt sicher sein, dass Ihr 95 Prozent von dem wisst, was ich weiß". Und er habe argumentiert, Ecclestone wolle nur noch im kleinen Kreis sprechen. Der Zeuge sagte aus eigener Anschauung, der Formel1-Chef habe "gerne nur mit Principals zu tun gehabt, nicht mit den Clowns, wie er uns einmal genannt hat".

Im September 2005, kurz nach der Einigung mit Ecclestone über all die Streitfragen, habe Gribkowsky den Zeugen ins Vorstandsbüro gerufen und ihn über das glänzende Kaufangebot des Investores CVC Capital Partners für die Speed-Anteile informiert. Dass Ecclestone, der den Investor beigebracht habe, eine Vermittlungsprovision von 5 Prozent wolle, habe er dem Zeugen auch einfach nur mitgeteilt und seine gleich vorgetragenen Bedenken in den Wind geschlagen.

"Ich persönlich habe nie geglaubt, dass diese Provision ein Dealbreaker ist", sagte der Zeuge und nahm damit Bezug auf eine Formulierung Gribkowskys. "Ecclestone war schließlich keine dritte Partei. Sein Family Trust hat auch verkauft und - seine Welt blieb heil".

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