Fotostrecke

Deutsche Bank: Vorstände und Aufsichtsräte

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Frankfurt vs. London Ackermann stutzt Jain zurecht

Vor seinem Abschied als Deutsche-Bank-Chef zeigt Josef Ackermann Stärke. Dass das von Anshu Jain geleitete Investmentbanking schwächelt, kommt Ackermann zupass: als Beleg dafür, dass die von ihm verfolgte Zwei-Säulen-Strategie richtig ist. Noch ist der Machtkampf nicht abgeschlossen.

Hamburg - Noch hat Anshu Jain zu den Geschäftszahlen der Deutschen Bank nichts zu sagen. Bevor er im kommenden Frühjahr als Co-Chef an die Konzernspitze tritt, sieht der Leiter des Investmentbankings von London aus zu, wie die Frankfurter Zentrale die Weichen für den Wechsel stellt. Und das dürfte ihm nicht gefallen.

Bis zum Frühjahr werde in der Investmentsparte jeder zehnte Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz verloren haben, erklärt Finanzvorstand Stefan Krause, und kündigt weiteres Sparen an: "Wir passen die Plattform an und werden das auch weiterhin tun, wenn sich am Umfeld nichts ändert."

Bereits Anfang Oktober hatte Bankchef Josef Ackermann auf einer Analystenkonferenz ausgerechnet in London verkündet, sich von 500 weiteren Investmentbankern trennen zu wollen.

Im Vergleich zu manchen anderen Großbanken, die wie HSBC  oder Bank of America  bis zu 30.000 Jobs streichen, fällt die Kürzung bei der Deutschen Bank kaum auf. Doch genau das scheint Ackermanns Botschaft zu sein: Das Investmentbanking der Deutschen Bank  steht dank klugen Risikomanagements besser da als die Konkurrenz, innerhalb des Konzerns verblasst der Glanz der Londoner Zocker aber.

Glanz der Investmentbanker verblasst

Die Sparte verdient mit knapp schwarzen Zahlen gerade noch gut genug, um nicht Ackermanns Schlussbilanz zu verderben. Manche Analysten hatten mit einem Verlust gerechnet - und das von vornherein zu ehrgeizige Konzernziel eines Nettogewinns von zehn Milliarden Euro in diesem Jahr hat der Chef selbst zurückgenommen.

Außerdem war es auch Ackermann, der die aktuelle Marktsituation öffentlich mit der von 2008, dem Jahr der Lehman-Pleite, verglich. Vor dieser Folie erscheint es noch ganz passabel, wenn die Erträge um mehr als ein Drittel einbrechen.

Das spekulative Geschäft läuft aber schlecht genug, um Anshu Jains Nimbus als einzigem Geldbringer für den Konzern zu beschädigen und Ackermann im Licht eines weisen Strategen erscheinen zu lassen, der auch nach seinem Rückzug vom Chefsessel die Linie der Bank bestimmen soll, am besten als Aufsichtsratschef.

Auf dem Weg zu diesem Ziel stößt der Schweizer auf ungewohnten Widerstand. Unter Verweis auf das nötige "Maximum an Klarheit" in der Führungsstruktur sagte er jüngst eine für November am Genfer See geplante Managertagung der Bank ab. Wie die Bank sich nun in den letzten Monaten der Ära Ackermann positioniert, liefert also auch Signale für den laufenden internen Machtkampf.

Laut Ackermann war die Bank "noch nie besser aufgestellt"

"Unsere Strategie für einen ausgeglichenen Ertragsmix durch den Ausbau unserer zum klassischen Bankgeschäft zählenden Geschäftsfelder hat sich ausgezahlt", kommentiert Ackermann die Bilanz des Sommerquartals in seinem Brief an die Aktionäre. Und die "Neukalibrierung" des Investmentbanking habe "das Risikoprofil der Deutschen Bank deutlich verbessert".

Erstmals hat die Sparte Privat- und Geschäftskunden, von Ackermann während der Krise zur zweiten strategischen Säule der Bank erkoren und mit Zukäufen wie der Postbank  oder Sal. Oppenheim vor allem im Inland gestärkt, am meisten zum Konzerngewinn beigetragen - und das, obwohl diesmal hier die größte Last der Abschreibungen auf griechische Anleihen zu Buche schlug. Das Investmentbanking, das jahrelang fast allein den Erfolg der Bank trug, liefert trotz guter Ergebnisse aus Währungs- und Rohstoffgeschäften fast null ab.

Die Eigenkapitalrendite von 7 Prozent ist weit vom Ziel entfernt, und trotzdem zeigt sich der Bankchef zufrieden. Ackermann und sein Finanzmann Krause präsentieren eine Bank, die solide und ausbalanciert erscheint. "In puncto Kapital, Liquidität und Refinanzierungsstruktur", doziert Ackermann, "war die Deutsche Bank noch nie besser aufgestellt als heute."

Deutsche Bank wird wichtiger für Deutschland

Krause rechnet vor, dass man nur planmäßig Risikopositionen abbauen müsse, so etwa 30 Milliarden Euro bis Anfang 2013, um das neue Ziel der Europäischen Bankenaufsicht einer Kernkapitalquote von 9 Prozent zu halten. "Deshalb sind wir so gewiss, dass wir keine öffentlichen Gelder brauchen." Ackermann begrüßt sogar die schärferen Kapitalanforderungen, vor deren Folgen er in seiner Funktion als Branchenlobbyist noch gewarnt hatte. Es trifft ja die anderen, die Deutsche Bank steht gut da.

Trotz des Sparkurses im Investmentbanking wächst und wächst die Bank, ist mit einer Bilanzsumme von 2,3 Billionen Euro sogar wieder größer als vor der Krise - too big to fail, eine praktisch unangreifbare Position. Deutschland mag für die Deutsche Bank wieder wichtiger geworden sein. Vor allem aber ist die Deutsche Bank wichtiger für Deutschland geworden.

Gut möglich, dass Ackermann selbst davon überzeugt ist, diese Bank sei gar nicht besser zu führen, als er das getan hat. Er will dafür sorgen, dass es auch keiner versucht.

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.