Quartalszahlen UBS erzielt trotz Zockerskandal Milliardengewinn

Das ist Schweizer Gründlichkeit: Die Großbank UBS weist im dritten Quartal einen Milliardengewinn aus - obwohl die Bank mit einem Handelsskandal in London kämpft und die Finanzmärkte von Juli bis September eher schwach waren. Profitiert hat die UBS von einem Spezialeffekt.
Schlüssel zum Erfolg: Ein bilanztechnischer Spezialeffekt bügelt bei der UBS die Verluste aus dem Handelsskandal aus

Schlüssel zum Erfolg: Ein bilanztechnischer Spezialeffekt bügelt bei der UBS die Verluste aus dem Handelsskandal aus

Foto: AP

Zürich - Der Reingewinn kletterte leicht auf 1,018 Milliarden Franken von 1,015 Milliarden im Quartal davor, wie die Bank am Dienstag mitteilte. Vor einem Jahr hatte die Bank noch einen Gewinn von 1,66 Milliarden Franken eingefahren. Analysten hatten lediglich mit einem Gewinn von 276 Millionen Franken gerechnet - die Bank selbst hatte Anfang Oktober einen "moderaten" Quartalsgewinn in Aussicht gestellt.

Begünstigt wurde die Gewinnentwicklung von einem Buchgewinn von 1,765 Milliarden Franken, der sich aus einem bilanztechnischen Spezialeffekt ergab. Der Verlust aus dem Handelsskandal in London fiel mit umgerechnet 1,8 Milliarden Franken etwas geringer aus als die Bank zunächst befürchtet hatte. Der Buchgewinn basiert auf der Neubewertung der eigenen Verbindlichkeiten nach dem sogenannten Fair-Value-Prinzip. Das half zuletzt auch den US-Großbanken JP Morgan, Morgan Stanley  und Citigroup  ihre Quartalsabschlüsse aufzupolieren.

Der Mitte September ans Licht gekommene Handelsverlust hinterließ im Vermögensverwaltungsgeschäft keine Spuren. UBS  konnte bei reichen Kunden neues Geld über netto 7,8 Milliarden Franken einsammeln. Im Quartal davor waren der Bank 8,2 Milliarden Franken zugeflossen. Der Londoner Skandal trieb die Investment Bank in die roten Zahlen. Dort fiel ein Vorsteuerverlust von 650 Millionen Franken an.

UBS gibt Mängel bei interner Kontrolle zu

Für den Handelsskandals bei der UBS sind laut einer Untersuchung der Schweizer Großbank Mängel beim Controlling mitverantwortlich. Im Aktienhandel habe die interne Kontrolle nicht richtig gegriffen, wenn Handels- und Abrechnungstag mehr als 15 Tage auseinander lagen oder wenn Transaktionen annulliert, umgebucht oder angepasst wurden, teilte die Bank am Dienstag mit.

Auch die Kontrollprozesse zur Abstimmung zwischen den Bereichen Aktien, Anleihen, Devisen und Rohstoffe hätten nicht richtig funktioniert. Diese Kontrollen sollen eigentlich sicherstellen, dass interne Transaktionen gültig und in den eigenen Büchern und Aufzeichnungen korrekt erfasst sind. "Wir haben Maßnahmen ergriffen und ergreifen weitere, um diese Kontrollmängel zu beheben", hieß es in der Mitteilung, die auf einem der US-Börsenaufsicht (SEC) vorgelegten Dokument beruht. Die Überprüfung des Kontrollsystems dauere an, erklärte die UBS weiter. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Untersuchung ausgeweitet werde und zusätzliche Korrekturmaßnahmen nach sich ziehe.

Die UBS rechnet mit anhaltend unsicheren Märkten. Solange sich bei der Staatschuldenkrise in der Eurozone und bei der US-Konjunktur nichts ändere, erholten sich das Marktumfeld und die Handelsaktivitäten kaum maßgeblich, erklärte die Bank heute. Das behindere das Wachstum der Erträge und die Zuflüsse von neuem Geld im Vermögensverwaltungsgeschäft.

In der Investmentbanking-Sparte will UBS die Komplexität des Geschäfts zurückfahren und die Kapitaleffizienz steigern. Damit will die Bank sicherstellen, "dass wir für unsere Aktionäre nachhaltigere Erträge erzielen", wie es weiter hieß. "Wir arbeiten daran, die Pläne zur Umsetzung der kundenfokussierten Strategie der Investment Bank zu finalisieren," erklärte Konzernchef Sergio Ermotti. "Ich bin für die Zukunft unseres Geschäfts sehr zuversichtlich", fügte er hinzu.

wed/dpa-afx/rtr
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