Rückversicherer Münchener Rück plant Schuldenschnitt für Griechen

Lieber ein starker Schuldenschnitt für die Hellenen als weiterwursteln wie bisher: Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück will auf einen Großteil seiner Forderungen gegenüber Griechenland verzichten. Das sei ein realistischer Weg, um die gegenwärtige Krise der Euro-Länder zu lösen.
Skulptur "Walking Man" vor der Firmenzentrale der Münchener Rück: Der Versicherer will Griechenland und die Eurozone mit einem Schuldenerlass wieder zum Laufen bringen

Skulptur "Walking Man" vor der Firmenzentrale der Münchener Rück: Der Versicherer will Griechenland und die Eurozone mit einem Schuldenerlass wieder zum Laufen bringen

Foto: Uwe Lein/ AP

München Die Münchener Rück  ist bereit, auf einen Großteil ihrer Forderungen gegenüber Griechenland zu verzichten, um das schuldengeplagte Land zu retten. Ein starker Schuldenschnitt sei ein realistischer Weg zur Lösung der gegenwärtigen Krise in der -Zone, sagte Ludger Arnoldussen, Vorstand beim weltgrößten Rückversicherer, heute bei einem Branchentreffen in Baden-Baden. Nötig sei eine Lösung, die auch halte und nicht auf Kosten von Inflation gehe.

Der Dax-Konzern hatte zuletzt bereits angedeutet, dass die griechischen Staatsanleihen im Portfolio auch im dritten Quartal 2011 wieder zu Abschreibungen geführt hätten. Details sollen Anfang November veröffentlicht werden. Das Niveau aus dem zweiten Quartal werde allerdings nicht wieder erreicht, hieß es. Von April bis Juni hatten sich die Wertberichtigungen auf 703 Millionen Euro summiert, wovon ergebniswirksam 125 Millionen hängen blieben und den Überschuss drückten.

Bis Mittwoch soll der Weg aus der Euro-Krise stehen. Der Rettungsplan für Griechenland wird dabei einen hohen Forderungsverzicht privater Gläubiger beinhalten. Zudem wird er verstärkte Einsatzmöglichkeiten des Rettungsfonds EFSF und Vereinbarungen zu noch engerer Abstimmung in der Wirtschaftspolitik umfassen. Diplomaten zufolge werden zudem die 60 größten Banken Europas verpflichtet, ihr Eigenkapital um gut 100 Milliarden Euro zu erhöhen, damit diese einen stärkeren Schuldenschnitt für Griechenland überstehen können.

Münchener-Rück-Vorstand Arnoldussen sagte, es sei Aufgabe der Politik, für Stabilität an den Finanzmärkten zu sorgen. "Es geht darum, die Finanzmärkte besser zu regulieren." Solvency II sei daher der richtige Weg. Die neuen, strengeren Kapitalvorschriften für Versicherer sollen europaweit ab 2013 gelten.

Neue Belastungen durch Fluten in Thailand

Das operative Geschäft der Rückversicherer wird dieses Jahr durch rekordverdächtige Belastungen aus Naturkatastrophen erschwert, weswegen die Münchener Rück im ersten Halbjahr auch rote Zahlen schrieb. Trotzdem ist die Branche nur bedingt in der Lage, Preiserhöhungen durchzusetzen. "Wir sehen eine generelle Stabilisierung der Preise und in einer Reihe von Segmenten auch härtere Märkte", sagte Arnoldussen. In sogenannten harten Märkten können Rückversicherer höhere Preise bei ihren Kunden, den normalen Versicherern, durchsetzen.

Nach den verheerenden Erdbeben in Japan und Neuseeland, Überschwemmungen in Australien sowie unzähligen Stürmen in den USA hatte der Dax-Konzern zumindest in den betroffenen Regionen zuletzt mehr Geld für seine Policen einsammeln können. In Australien und Neuseeland verteuerten sich Naturkatastrophen-Deckungen um durchschnittlich 40 bis 50 Prozent, in den USA und Lateinamerika waren es zehn Prozent. "Im Rest des Portfolios blieben die Preise stabil." Dieser Trend werde sich auch im Januar fortsetzen, ergänzte Arnoldussen.

Zum Jahreswechsel werden traditionell die Konditionen des Großteils der Verträge im Schaden/Unfall-Bereich neu ausgehandelt. Dabei sind die Preise in den vergangenen Jahren immer wieder gefallen. Der Broker Guy Carpenter betonte, wegen des harten Wettbewerbs der Rückversicherer und ihrer noch immer guten Kapitalausstattung mit weitgehend stabilen Preisen zu rechnen.

Hauptargument für höhere Raten sind aus Sicht der Münchener Rück die Naturkatastrophenlasten, schließlich wird 2011 für den Konzern das schadenträchtigste Jahr aller Zeiten. Aktuell könnten weitere Belastungen durch das Erdbeben in der Türkei und die Fluten in Thailand entstehen. In der Türkei sei es noch zu früh für eine Schätzung, Thailand werde wahrscheinlich volkswirtschaftliche Schäden von einer Milliarde Dollar verkraften müssen, so die Münchener Rück.

wed/rtr
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