Starkes Handelsgeschäft Morgan Stanley zeigt sich robust

Buchungseffekte und ein starkes Handelsgeschäft haben Morgan Stanley im Sommer die Bilanz gerettet. Damit hebt sich die US-Investmentbank von Wettbewerber Goldman Sachs ab - und von den Pleitegerüchten, die zuletzt kursierten.
Morgan-Stanley-Zentrale in New York: Die eigenen Schulden abgeschrieben

Morgan-Stanley-Zentrale in New York: Die eigenen Schulden abgeschrieben

Foto: MARIO TAMA/ AFP

New York - Unter dem Strich verdiente das Institut im dritten Quartal knapp 2,2 Milliarden US-Dollar (1,6 Milliarden Euro), wie es am Mittwoch in New York mitteilte. Vor einem Jahr hatte die Bank 91 Millionen Dollar Verlust verbucht. Der jetzige Gewinn übertraf die Erwartungen von Analysten. Alleine die Neubewertung der eigenen Verbindlichkeiten brachte einen positiven Ertrag von 3,4 Milliarden Dollar.

Zudem hat sich das Handelsgeschäft des weltgrößten Brokers angesichts der Turbulenzen an den Kapitalmärkten auf fast fünf Milliarden Dollar mehr als verdreifacht. Dagegen brach das Neugeschäft mit Aktien- und Anleiheemissionen um 29 Prozent ein. Herbe Einbrüche gab es dagegen bei den eigenen Investments. Insgesamt legten die Erträge um 46 Prozent auf fast 10 Milliarden Dollar zu und sorgte damit für eine positive Überraschung. Die Aktie legte vorbörslich zu. "Morgan Stanley  ist effektiv durch die turbulenten Märkte gesteuert", sagte Vorstandschef James Gorman.

Pro Aktie belief sich der Gewinn auf 1,15 Dollar, ohne die Neubewertung der Schulden wären es nur drei Cent gewesen. Möglich wird der Effekt ausgerechnet, weil das Institut wegen der schlechteren Lage der Branche für aufgenommenes Geld inzwischen höhere Risikoaufschläge bezahlen muss als noch vor einigen Monaten. Damit sind die eigenen Verbindlichkeiten am Markt weniger wert. Zum Bilanzstichtag hat die Morgan Stanley wie zuvor schon die Bank of America (Kurswerte anzeigen), JPMorgan Chase (Kurswerte anzeigen), die Citigroup (Kurswerte anzeigen) und die Schweizer Großbank UBS  die schon länger bestehenden Kredite zu den aktuellen Bedingungen bewertet. Den Vorteil der alten Kreditkonditionen gegenüber den neuen schrieben sie sich nun als Gewinne gut.

Konkurrent Goldman Sachs  hatte angesichts der Euro-Schuldenkrise am Vortag für das dritte Quartal einen Verlust gemeldet - den zweiten überhaupt erst seit dem Börsengang 1999. Auch JPMorgan, die Citigroup und die Bank of America bekamen die Krise in ihrem Investmentbanking deutlich zu spüren - ihnen halfen allerdings ein stabiles Privatkundegeschäft sowie Sondereffekte noch zu satten Gewinnen.

Zuletzt war Morgan Stanley in Verruf geraten. In New York häuften sich die Gerüchte, wonach das Institut auch wegen seiner starken Verflechtungen in Frankreich und dem allgemein schwachen Geschäft für Investmentbanken in Liquiditätsprobleme geraten könnte. Sorgen vor einem zweiten Fall Lehman - die Investmentbank war 2008 pleite gegangen und hatte dadurch die weltweite Finanzkrise ausgelöst - wurden bereits wach. Morgan-Stanley-Chef Gorman sah sich sogar schon dazu genötigt, in einer E-Mail an die Mitarbeiter zu beruhigen. An der Börse hat die Aktie von Morgan Stanley in diesem Jahr fast 40 Prozent an Wert verloren.

ak/dpa-afx
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