Donnerstag, 20. Juni 2019

Schwächezeichen US-Banker legen sich Sparfesseln an

US-Banken in der Klemme: Wackelkredite und Börsenturbulenzen drücken den Gewinn
REUTERS

Am Tag nach der Beichte ist klar: Amerikas Banker haben die Bilanzregeln bis zur verbotenen Linie ausgenutzt, um im dritten Quartal ein passables Ergebnis zu präsentieren. Geholfen hat auch eisernes Sparen. Doch Banker und ihre Aktionäre wissen, dass der Gegenwind bald noch stärker wird.

New York - Amerikas Banken haben ein schwieriges drittes Quartal hinter sich. Sie haben es mit erlaubten Bilanzkniffen schöngerechnet, während sie sparen, Jobs streichen, schwache Wertpapiergeschäfte verkraften und zunehmend unter einer niedrigen Zinsmarge leiden. Geholfen haben jedoch expandierende Ausleihungen, vor allem an große Firmen sowie eine reduzierte Vorsorge für Wackelkredite. Doch eines wissen die Banken und ihre Aktionäre: Dank wachsender Regulierung, verschärften Kapitalvorschriften, der schwächeren Konjunktur und drohenden Schuldenschnitten in Europa wird der Gegenwind in den kommenden Monaten noch deutlich schärfer werden.

Eisernes Sparen, mehr Fokus auf die Kerngeschäfte und weniger Risiko im Eigenhandel müssen dann mehr zu den Quartalsergebnissen beitragen als kosmetische Eingriffe in die Geschäftsberichte. Es deutet sich auch eine Serie von Asset-Verkäufen an. Die aber werden auf einen Markt stoßen, dessen Aufnahmefähigkeit begrenzt ist. Jede der großen US-Banken, die am Montag und Dienstag das Ergebnis vom dritten Quartal präsentierte, illustrierte auf eine bestimmte Weise eine der großen Herausforderungen der Branche:

Die Bank of America (BofA) beispielsweise, der Finanzdienstleister für etwa die Hälfte aller amerikanischen Haushalte, erweist sich nicht nur als gutes Beispiel für findige Bilanzierungen, sondern auch als brauchbares Konjunkturbarometer. Denn das in Charlotte, North Carolina, angesiedelte Geldhaus weist zwar für das Quartal per Ende September 6,2 Milliarden Dollar Gewinn aus. Davon aber stammen 4,5 Milliarden - also knapp 73 Prozent - aus einem erlaubten Kunstgriff, der auch anderen US-Banken diesmal sehr half: Schuldpapiere, die an Wert verloren haben, dürfen mit Gewinn verbucht werden, weil sie theoretisch zu einem günstigeren Kurs zurückgekauft werden können.

Zugleich hat die Bank of America Börsen-Chart zeigen im dritten Quartal noch eine Kapitalspritze aus dem Verkauf ihres Anteils an der China Construction Bank eingestrichen, die sie dringend brauchte, um den Verlust von 2,2 Milliarden Dollar im Private-Equity-Geschäft zu verkraften. Hier schlug das schwache Abschneiden der Merrill-Lynch-Division zu Buche, die in den Vorquartalen noch wie ein sprudelnder Geldautomat fungiert hatte.

Citigroup als Spiegelbild der Gesamtmisere

Auch die schwache US-Konjunktur lässt sich wunderbar an der BofA-Bilanz ablesen: Das Hypothekengeschäft des Geldhauses mit Privatkunden ging wegen des miserablen Immobilienmarktes - trotz rekordniedriger Zinsen - um 22 Prozent zurück. Zugleich brach das Geschäft mit Kreditkarten, in dem die BofA einer der größten Anbieter ist, um 16 Prozent ein, weil sich Amerikas private Haushalte schrittweise von ihren hohen Schulden trennen und mit Krediten vorsichtiger geworden sind.

Dass dies so ist, zeigt eine andere Zahl aus der BofA-Bilanz. Weil der Anteil der Amerikaner, die ihre Schulden zeitig begleichen, erstmals wieder zunimmt, musste das Geldhaus diesmal zwei Milliarden Dollar weniger Vorsorge für Wackelkredite betreiben als im Vorjahresquartal. Dass die Amerikaner bei der Entschuldung vorankommen, ist langfristig eine gute Nachricht, kurzfristig drückt es den Konsum und schwächt die rezessionsbedrohte Konjunktur. BofA-Chef Brian Moynihan unterzieht das Sorgenkind unter den US-Banken dann derzeit auch einer "strategischen Transformation", in deren Verlauf 30.000 Jobs gestrichen und bis zum Jahr 2014 jährlich fünf Milliarden Dollar gespart werden sollen.

Die Bilanz der Citigroup liest sich derweil wie ein Kaleidoskop aller Herausforderungen, mit denen sich US-Banken - aber auch die europäischen Institute - konfrontiert sehen. Die Bank hat zwar mit 3,8 Milliarden Dollar Quartalsgewinn - ihr siebter in Folge - die Erwartungen der Analysten übertroffen. Doch in einem Zeitalter sorgsam gepflegter öffentlicher Meinungen und Einschätzungen ist das heute kein großes Kunststück mehr. Die Hälfte des Gewinns kam hier von den genannten Bilanzeffekten. Weitere 1,4 Milliarden Dollar wurden durch die Reduzierung der Vorsorge für Wackelkredite freigeschaufelt. Doch Citi-Chef Vikram Pandit, war ehrlich, als er bei der Präsentation der Zahlen am Montag sagte: "Die Citigroup Börsen-Chart zeigen navigiert weiterhin in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld".

Im Klartext: Die Bank kommt dank steigender Kosten, kleinerer Margen im Kreditgeschäft und dem Rückgang vieler Gebühren im Kundengeschäft unter Druck. Die Kosten stiegen im Quartal um 9 Prozent, weil der Dollar schwach war und außerdem im Marketing und mit neuen Zweigstellen mehr Aufwand betrieben wurde. Laut "Wall Street Journal" will die Bank Assets im Umfang von 289 Milliarden Dollar verkaufen, doch sie tut sich enorm schwer, Käufer zu finden. Ein Problem, das in den kommenden Wochen und Monaten viele Banken belasten wird - vor allem in Europa, wo Verlusten aus der möglichen Griechenland-Pleite vorgebaut werden muss.

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