Nach Handelsskandal UBS-Chef Grübel gibt auf

Oswald Grübel tritt als Chef der Schweizer Großbank UBS zurück. Der 67 Jahre alte Bankenveteran zog am Samstag die Konsequenzen aus dem milliardenschweren Handelsskandal der vergangenen Woche. Europa-Chef Sergio Ermotti springt ein, bis ein Nachfolger gefunden ist.
Abgang mit Makel: Oswald Grübel hat die UBS wieder profitabel gemacht, doch auch riskante Spekulationen der Investmentsparte weiter zugelassen

Abgang mit Makel: Oswald Grübel hat die UBS wieder profitabel gemacht, doch auch riskante Spekulationen der Investmentsparte weiter zugelassen

Foto: CHRISTIAN HARTMANN/ REUTERS

Zürich - Er habe den Entschluss nicht leichten Herzens gefasst, schrieb Grübel in einem internen Memo an die Mitarbeiter. Der Verlust von 2,3 Milliarden Dollar, den ein Händler in London der Bank eingebrockt hatte, habe weltweit Schockwellen ausgelöst, auch in der Politik, erklärte er.

Der UBS-Verwaltungsrat, der bis Freitag in Singapur getagt hatte, wollte Grübel noch von seinem Entschluss abbringen, erklärte UBS-Präsident Kaspar Villiger am Samstag in einer Telefonkonferenz in Zürich. Aber "Oswald Grübel betrachtet es als seine Pflicht für den kürzlichen Vorfall im Zusammenhang mit dem unautorisierten Handel die Verantwortung zu übernehmen". Der Verwaltungsrat wollte ihn mindestens bis 2012 halten.

Grübel war das wohl nicht genug. Aber er schlief noch eine Nacht darüber: Am Samstagvormittag teilte er dem Verwaltungsrat dann in einer Telefonkonferenz seinen Entschluss mit. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll Europa-Chef Sergio Ermotti einspringen und die Bank vorübergehend leiten.

Kein Goldener Handschlag für Grübel

Der 51 Jahre alte Tessiner war im Frühjahr zur UBS  gekommen. Davor war er die Nummer zwei bei Unicredit  gewesen, wo er es nach dem Rücktritt des damaligen Vorstands-Chef Alessandro Profumo nicht an die Sitze schaffte. Ermotti sei auch ein starker Kandidat für die endgültige Grübel-Nachfolge, sagte Villiger weiter. Der Banker kennt sich in der Vermögensverwaltung wie auch im Investmentbanking aus, das er bei Merrill Lynch gelernt hat. Dort war er 18 Jahre lang, bevor er 2005 zu Unicredit wechselte.

UBS will aber auch Kandidaten von außerhalb anschauen. Dabei ist nach Villigers Worten auch der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber eingebunden, der 2012 in den UBS-Verwaltungsrat gewählt und 2013 zu dessen Präsidenten ernannt werden soll. Der immer wieder ins Gespräch gebrachte Risikovorstand der Deutschen Bank , Hugo Bänziger, dürfte nach Ansicht gut informierter Kreise kein Interesse an dem UBS-Chefposten haben.

Eine Abgangsentschädigung erhält Grübel nicht. Er hatte bei UBS bisher auf einen Bonus verzichtet und sich mit seinem Grundgehalt von rund drei Millionen Franken begnügt, das er bei seinem Amtsantritt im Februar 2009 ausgehandelt hatte. Damals stand die Bank am Rande des Abgrunds und holte Grübel aus dem Ruhestand als Sanierer.

Investmentbanking wird zurechtgestutzt

UBS-Händler hatten mit amerikanischen Ramsch-Hypotheken einen Verlust von rund 50 Milliarden Dollar produziert. Zudem kam UBS wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung unter Druck der amerikanischen Behörden. Reiche Kunden verloren das Vertrauen und ergriffen scharenweise die Flucht. Grübel gelang es, die Kunden weitgehend wieder zurückzuholen und die Bank in die Gewinnzone zu führen. Schmerzlich für Grübel, und mit ein Grund für seinen Bonusverzicht war, dass der Aktienkurs der UBS sich nicht von der Stelle bewegte.

Der neue Mann am Steuer der UBS wird sich vor allem um das Investmentbanking kümmern müssen. Dort hat der Handelsskandal den Zwang zu dem schon ins Auge gefassten Umbau beschleunigt. Schärfere Eigenkapitalregeln und die im Gefolge der Euro-Schuldenkrise schwachen Kapitalmärkte drückten auf die Gewinne. Die 18.000 Personen umfassende Sparte wird hinter dem Vermögensverwaltungsgeschäft nur noch die zweite Geige spielen.

Im Eigenhandel ins Risiko zu gehen und auf hohe Gewinne zu setzen, soll nach den Worten von Ermotti der Vergangenheit angehören. Die Bank werde nicht mehr überall an der Spitze mitspielen. Als Richtschnur habe zu gelten, welche Leistungen reiche Kunden in der Vermögensverwaltung wollen. "In Zukunft wird die Investment Bank weniger komplex sein, weniger Risiken eingehen und weniger Kapital beanspruchen" erklärte Villiger. Die Investmentbank ganz zu verkaufen, wäre keine gute Idee, sagte er.

Weitere Einzelheiten sollen, wie schon Grübel das in Aussicht gestellt hatte, auf dem Investorentag am 17. November dargestellt werden. Investmentbank-Chef Carsten Kengeter stand nicht in der Schusslinie. Nachdem der Handelsskandal in der vergangenen Woche aufgeflogen war, habe Kengeter bei der Schadensbegrenzung einen exzellenten Job gemacht, sagte Villiger. Anderenfalls wäre der Schaden vielleicht so groß geworden wie vor drei Jahren bei Société Générale , der ein Händler ein Minus von 4,9 Milliarden Euro eingebrockt hatte.

Kengeter wird aber nicht um einen Arbeitsplatzabbau in seinem Bereich herumkommen. Geplant war bereits, dass vom konzernweit vorgesehenen Abbau von 3500 der insgesamt gut 65.000 Stellen rund 45 Prozent auf das Investmentbanking entfielen. Jetzt könnten es mehr, aber nicht dramatisch mehr werden, sagte Interims-Chef Ermotti.

Albert Schmieder, rtr
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