Ulric Papendick

Kommentar Was für ein Desaster für die UBS

Ulric Papendick
Von Ulric Papendick
Es ist ein Déjà-vu-Erlebnis: Die UBS ist wieder Opfer von Fehlspekulationen. Dabei hätte man meinen sollen, die Bank lernt aus ihrer Historie. Jetzt stellt sich die Frage, wer dieser Bank noch sein Geld anvertrauen will.
Marcel Ospel: Schweizer Großbank UBS wieder Opfer von fehlgeschlagenen Wertpapiergeschäften

Marcel Ospel: Schweizer Großbank UBS wieder Opfer von fehlgeschlagenen Wertpapiergeschäften

Foto: AFP

Hamburg - Als Marcel Ospel, langjähriger Vorstandschef und Verwaltungsratspräsident der UBS , Ende 2007 erklären sollte, warum seine Bank mehr als 16 Milliarden Franken mit zweifelhaften US-Hypothekenpapieren verloren hatte, suchte und fand er die Schuld rasch im Versagen einiger weniger: "Eine kleine Gruppe von Leuten in einem einzigen Team" hätte die unglaublichen Verluste eingefahren, verteidigte sich Ospel gegenüber seinen Aktionären. Sprich: Gegen solche schwarzen Schafe sei man nie gefeit.

Man sollte glauben, die Bank habe aus ihrer Historie gelernt. Doch nun ist es wieder passiert: Ein einziger Händler hat dem Institut einen Milliardenschaden eingebrockt. Weder die ausgefeilten internen Kontrollsysteme der Bank noch seine Kollegen oder Vorgesetzten sollen bemerkt haben, wie der 31-jährige Investmentbanker das Geld der Züricher Großbank verzockte.

Für die UBS und ihren Chef Oswald Grübel ist dieser neuerliche Beleg dafür, dass die Schweizer die Risiken des Investmentbankings offenkundig nicht zur Genüge beherrschen, ein Desaster. Schließlich wirbt die UBS als weltgrößter Vermögensverwalter mehr als jedes andere Geldinstitut um das Geld anderer Leute. Und das gerade auch im Ausland, wo die Bank lange Zeit geradezu als Synonym für die stabile, sturmerprobte Schweiz gehandelt wurde.

Vieles von diesem einst exzellenten Ruf war bereits in der Finanzkrise kaputt gegangen; den Rest machte der jahrelange Streit mit den US-Finanzbehörden um steuerflüchtige UBS-Kunden zunichte. Nur mit äußerster Anstrengung war es Grübel gelungen, der Bank wieder ein gewisses Maß an Respekt zu verschaffen. Und immerhin: In diesem Jahr flossen der UBS wieder mehr neue Kundengelder zu, als abgezogen wurden - das erste Mal seit Jahren.

Gut möglich, dass diese mühsam erreichte Wende nun wieder passé ist. Denn welcher Kunde will sein Geld einer Bank anvertrauen, die es zulässt, dass einzelne Mitarbeiter Milliardenbeträge verzocken? Für die UBS ist dieses Debakel deshalb weit mehr als ein monetärer Quartals- oder Jahresverlust. Es rührt an ihren Grundfesten.

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