Deutsche Bank Ackermann zieht Parallelen zu 2008

Die Kursstürze von Banken und Finanzwerten erinnern Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann an den Herbst 2008, als die Finanzkrise eskalierte. Die jüngsten Marktentwicklungen seien "eine Mahnung, dass die bisherigen Reformschritte nicht ausreichen", sagte Ackermann.
Josef Ackermann: "Den Aufgaben als Diener der realen Wirtschaft gerecht werden"

Josef Ackermann: "Den Aufgaben als Diener der realen Wirtschaft gerecht werden"

Foto: ALEX DOMANSKI/ REUTERS

Frankfurt am Main - Die heftigen Kursstürze von Banken und Finanzwerten erinnern Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann an den Herbst 2008. Damals war die Weltwirtschaft nach dem Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers in eine tiefe Rezession gestürzt. "Seit Jahresbeginn haben manche europäische Banken sogar ein Drittel und mehr ihrer Marktkapitalisierung eingebüßt", sagte Ackermann bei der "Handelsblatt"-Tagung "Banken im Umbruch" in Frankfurt.

"Wir müssen nach meiner Überzeugung unsere gesamte Tätigkeit in allen Bereichen noch einmal gründlich daraufhin überprüfen, ob wir damit unseren genuinen Aufgaben als Diener der realen Wirtschaft gerecht werden", fügte Ackermann hinzu. Seit der ersten Phase der Finanzkrise 2007/2008 habe die Branche zwar die gröbsten Übertreibungen beseitigt. "Wir müssen uns aber die Frage stellen, ob dies ausreicht."

Ackermann forderte, die Banken müssten selbst mehr tun. Auch um zu vermeiden, "dass die Antworten am Ende durch die Politik gegeben werden und wenig zielführend sind." Kritiker werfen der Branche unter anderem vor, mit komplizierten und intransparenten Produkten die Krise mitverursacht zu haben.

Ackermann sieht in den aktuellen Turbulenzen an den Märkten einen Beleg für weitere Maßnahmen im Finanzsektor. "Die jüngsten Marktentwicklungen und die Reaktionen von Politik und Öffentlichkeit darauf sind eine Mahnung, dass die bisherigen Reformschritte nicht ausreichen, um das nötige Vertrauen in unsere Branche zu gewährleisten", sagte er. Von der Politik forderte er, die angekündigten Sparankündigungen zügig umzusetzen. Dies seien wichtige Voraussetzungen, dass die derzeitige Finanzkirse nicht noch weiter eskaliert.

Die Banken seien von den Auswirkungen der Schuldenkrise in vielfältiger Weise betroffen, etwa durch ihr Engagement in den Schuldenländern. Die Aussichten für Europas Banken insgesamt seien im Heimatmarkt nicht gerade rosig.

"Ähnliche Muster wie im Spätsommer 2008"

Drei Jahre nach dem Beinahe-Kollaps des Finanzsystems befinden sich die Banken nach Einschätzung des Wirtschaftsprofessors Stephan Paul erneut in einer sehr ersten Situation. Die Lage sei aber nicht hoffnungslos. "Es sind zwar ähnliche Muster wie im Spätsommer 2008 zu erkennen, aber die Ausschläge sind längst nicht so stark wie damals. Zudem sind die Akteure besser vorbereitet als vor drei Jahren", sagte Paul, der an der Ruhr-Universität Bochum Wirtschaftswissenschaften lehrt, der Finanz-Nachrichtenagentur dpa. So sei die Koordinierung der einzelnen Staaten besser als damals, zudem gebe es teilweise schon Gesetze, um Banken wenigstens vorübergehend aus dem Verkehr zu nehmen. "Die Verantwortlichen haben zumindest etwas aus den Fehlern im September 2008 gelernt."

Paul ist daher zuversichtlich, dass sich die Ereignisse des Jahres 2008 in diesem Herbst nicht wiederholen. Damals hatten sich die Banken wegen der unüberschaubaren Risiken vor allem bei strukturierten Wertpapieren gegenseitig nicht mehr über den Weg getraut und kein Geld mehr untereinander verliehen. Letztendlich führte dies zur Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und der existenziellen Schieflage vieler Großbanken wie der Citigroup , der Commerzbank oder der UBS . Sie mussten allesamt mit Milliardenbeträgen vom Staat vor dem Untergang gerettet werden. Einige Institute wie die Hypo Real Estate (HRE) oder die Royal Bank of Scotland (RBS) mussten gar verstaatlicht werden und sind es zum Teil immer noch.

Bankenexperte: "Noch ein weiter Weg bis zu einer guten Aufsicht des Sektors"

Nach Einschätzung von Paul ist bei der staatlichen Aufsicht immer noch viel zu tun. "Es ist noch ein weiter Weg bis zu einer guten und sinnvollen Aufsicht des Bankensektors", sagte der Experte, der die in diesem Jahr zum zweiten Mal die Veranstaltung "Banken im Umbruch" moderiert. Mit Basel III seien zwar die ersten Regeln für strengere Kapitalvorschriften geschaffen worden, aber diese seien auch noch nicht endgültig verabschiedet.

"Die Erfahrung bei der Umsetzung der Basel-II-Regeln zeigt, dass hier oft noch in letzter Minute etwas geändert wird oder einzelne Länder ausscheren." Bei Basel II waren es die Vereinigten Staaten, die dann doch nicht mitmachten.

Paul sieht die Aufsicht in den Vereinigten Staaten auch jetzt wieder im Hintertreffen. "Während Europa im Zeitplan liegt, sieht dies in den USA ganz anders aus", sagte er. Aber auch die Bankenaufsicht hierzulande hat seiner Einschätzung nach grobe strukturelle Fehler.

So sei nicht nachzuvollziehen, warum die Aufsicht der Kreditinstitute weiter in den Händen der Bafin und der Bundesbank und damit bei zwei verschiedenen Behörden liege. "Wie massiv muss die Krise noch werden, bis Deutschland diesen Sonderweg beendet?" Die aktuelle Bundesregierung hatte sich eigentlich zum Ziel gesetzt, die Bankenaufsicht unter dem Dach der Bundesbank zusammenzuführen, scheiterte aber vor allem Widerstand der Bafin.

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la/dpa-afx
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