Schuldenkrise Banken-Abschreibungen in der Kritik

Einzelne Finanzkonzerne reagierten unangemessen auf den griechischen Schuldenschnitt, kritisiert das maßgebliche Bilanzierungsgremium IASB. Die Banken schrieben zu wenig ab, so der Tenor in dem Schreiben. Dies alarmiert die europäische Aufsicht.
Griechenland vor dem Schuldenschnitt: Banken haben ihre Forderungen gegenüber dem griechischen Staat in der Bilanz wertberichtigt

Griechenland vor dem Schuldenschnitt: Banken haben ihre Forderungen gegenüber dem griechischen Staat in der Bilanz wertberichtigt

Foto: Hannibal Hanschke/ dpa

Frankfurt am Main/London - Zahlreiche europäische Banken haben einem Zeitungsbericht zufolge nach Ansicht ihrer Regelsetzer zu wenig auf ihre griechischen Staatsanleihen abgeschrieben. Die "Financial Times" berichtete, das International Accounting Standards Board (IASB) habe dies in einem vertraulichen Brief an die europäische Marktaufsicht ESMA kritisiert.

Europäische Banken und Versicherer hatten die Anleihen in ihren Büchern im zweiten Quartal zwischen 21 und mehr als 50 Prozent wertberichtigt. "Das macht uns große Sorgen", zitierte die Zeitung IASB-Chairman Hans Hoogervorst aus dem Schreiben. Das Vorgehen des Bilanzierungsgremiums sei bisher einmalig, berichtete die Wirtschaftszeitung. IASB und ESMA hätten sich nicht dazu äußern wollen.

Konkrete Banken seien in dem Schreiben nicht genannt, hieß es in dem Bericht. Die Kritik ziele aber unter anderem auf die französische Bank BNP Paribas und den Versicherer CNP Assurances ab. BNP  hatte nur 21 Prozent auf die Papiere abgeschrieben, und zwar nur auf solche, deren Laufzeit nicht über 2020 hinausgeht.

In Deutschland hatte das Institut der Wirtschaftsprüfer (IdW) eine Abschreibung von mindestens 21 Prozent verlangt, den Instituten aber die Wahl gelassen, die Staatsanleihen auf den - niedrigeren - Marktwert abzuschreiben. Die Deutsche Bank  hatte sich für 21 Prozent entschieden, während die Commerzbank  höhere Wertberichtigungen vornahm. Die Versicherer Allianz  und Münchener Rück schrieben bis zu 50 Prozent ab. Sie können die Belastungen zum Teil auf die Versicherten abwälzen.

rei/reuters
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