Griechenland-Risiko Credit Agricole besänftigt Anleger

Viele Griechenland-Anleihen, eine eigene griechische Tochter: Analysten befürchteten das Schlimmste für die Quartalszahlen der Credit Agricole.  Doch das Griechenland-Geschäft hat die zweitgrößte französische Bank weniger stark belastet als erwartet. Das schiebt den Kurs der Großbank an.
Schweizer Filiale der Credit Agricole: Das Griechenland-Problem der Bank ist weniger gravierend als befürchtet

Schweizer Filiale der Credit Agricole: Das Griechenland-Problem der Bank ist weniger gravierend als befürchtet

Foto: REUTERS

Ihr großes Engagement im hoch verschuldeten Griechenland hat die französische Bank Credit Agricole  im zweiten Quartal nicht so stark belastet wie befürchtet. Der Gewinn sei zwar um 11 Prozent auf 339 Millionen Euro gesunken, teilte das im EuroStoxx 50  notierte Institut am Donnerstag in Paris mit. Analysten hatten jedoch mit einem deutlich stärkeren Gewinneinbruch gerechnet. Die zweitgrößte französische Bank bezifferte die Belastungen aus den Abschreibungen auf die von ihr gehaltenen Griechenland-Anleihen und die Tochter Emporiki auf netto 640 Millionen Euro.

Anleger atmeten auf. Sie hatten weit größere Belastungen erwartet. Die Aktie der Bank, die neben Griechenland auch in Italien stark vertreten ist, hatte in diesem Monat wegen wachsender Sorgen vor einem Überschwappen der Schuldenkrise in Südeuropa auf die französischen Banken mehr als ein Drittel an Wert verloren hatte. Am Donnerstag legte das Papier bis zum Mittag mehr als 5 Prozent zu.

Keine Pläne für Kapitalerhöhung

Für Beruhigung an der Börse sorgte auch, dass Bankchef Jean-Paul Chiffret sein Ziel bekräftigte, im Jahr 2014 netto zwischen 6 und 7 Milliarden Euro verdienen zu wollen. Zudem betonte er, dass sein Haus keine Pläne für eine Kapitalerhöhung habe. Die harte Kernkapitalquote stieg von Ende März bis Ende Juli um 0,2 Punkte auf 8,9 Prozent. Zudem erklärte das Unternehmen, kaum von US-Geldmarktfonds abhängig zu sein, die derzeit viel Kapital von europäischen Banken abziehen.

Abgesehen von den Schwierigkeiten in Griechenland lief das operative Geschäft der Bank zwischen April und Juni gut. Die Erträge legten sogar um 1,1 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro zu. Dies ist nach Angaben der Bank der höchste Quartalswert seit dem Börsengang im Dezember 2001. Im Investmentbanking gab es wie bei vielen Konkurrenten Rückgänge, im Privatkundengeschäft ging es dagegen nach oben. Die Credit Agricole gehört mehrheitlich 39 französischen Genossenschaftsbanken.

Weniger Abschreibungen als die Konkurrenten

Auf ihre griechischen Staatsanleihen schrieb das Institut 202 Millionen Euro vor Steuern ab. Konkurrent BNP Paribas  hatte den Wert der von ihr gehaltenen Staatspapiere um 534 Millionen Euro nach unten korrigiert, die Societe Generale um 395 Millionen Euro. Europaweit die höchsten Abschreibungen hat bislang die Commerzbank vorgenommen - 760 Millionen Euro.

Bei Credit Agricole kam als zusätzliche Belastung die verlustreiche Bank Emporiki hinzu. Auf den Firmenwert schrieb sie nun 359 Millionen Euro ab. Vor fünf Jahren hatten die Franzosen die Mehrheit des Instituts übernommen - für damals 2,2 Milliarden Euro. Sie kontrollieren 96 Prozent der Anteile und wollen nun die verbliebenen Streubesitz-Aktionäre hinausdrängen. Dafür zahlen sie 1,76 Euro je Aktie - das liegt 93 Prozent unter dem Preis von 2006.

wed/dpa-afx/rtr
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