Kräftiger Einschnitt UBS entlässt Investmentbanker

Ungewöhnliche Lage für die einstigen Hätschelkinder: Insbesondere die Investmentbanker der Großbank UBS müssen mit Kündigungen rechnen, weil das Schweizer Geldhaus zuletzt einen Gewinneinbruch hinnehmen musste. Insgesamt sind 3500 Stellen bedroht.
UBS in New York: Investmentbanking von Stellenstreichungen betroffen

UBS in New York: Investmentbanking von Stellenstreichungen betroffen

Foto: A2800 epa Justin Lane/ dpa

Zürich - Die Schweizer Großbank UBS  will 3500 Stellen streichen. Das sind rund 5 Prozent der gesamten Belegschaft. Die meisten Arbeitsplätze sollen dabei im zuletzt schwachen Investmentbanking gestrichen werden, die Kostenbasis des Unternehmens so bis Ende 2013 um rund zwei Milliarden Franken (rund 1,77 Milliarden Euro) sinken. Das hat die Bank am Dienstag mitgeteilt - und damit das Ende Juli angekündigte Sparprogramm konkretisiert.

Unter dem Strich liegen die angepeilten Einsparungen am oberen Rand der Ende Juli genannten Spanne von anderthalb bis zwei Milliarden Franken. 2010 lagen die Personalaufwendungen der UBS bei knapp 17 Milliarden Franken. Die Bank rechnet damit, dass der Stellenabbau rund 550 Millionen Franken kosten wird. 450 Millionen davon sollen in der zweiten Jahreshälfte anfallen.

Die UBS musste im zweiten Quartal einen herben Rückschlag hinnehmen, nachdem sie sich gerade erst von den Folgen der Finanzkrise etwas aufgerappelt hatte. Die Großbank, an deren Verwaltungsratsspitze ab 2013 der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber stehen soll, verabschiedete sich nach einem schwachen Quartal von ihren mittelfristigen Zielen. Die UBS hält die 2009 veröffentlichten mittelfristigen Ziele kaum noch für erreichbar. Damals hatte Bankchef Oswald Grübel vollmundig angekündigt, spätestens im Jahr 2014 rund 15 Milliarden Franken vor Steuern (knapp 13 Milliarden Euro) verdienen zu wollen.

Dies hatten allerdings viele Experten bereits vor der Mitteilung im Juli für überzogen gehalten, zumal die UBS in den Jahren 2007 bis 2008 Verluste von knapp 28 Milliarden Franken angehäuft hatte, vom Staat gerettet werden musste und zudem das Vertrauen vieler Kunden wegen Streitigkeiten mit den US-Steuerbehörden verspielte. Jetzt kommen auch noch der starke Franken und strengere Auflagen für die Großbanken hinzu. In den ersten sechs Monaten sank der Gewinn vor Steuern aus dem operativen Geschäft unter anderem deshalb fast um ein Drittel auf 3,9 Milliarden Franken (3,35 Milliarden Euro).

Großbanken streichen Tausende von Stellen

Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen kündigte Finanzvorstand Tom Naratil noch an, dass die Details des Sparprogramms im Herbst veröffentlicht werden sollen. Jetzt allerdings preschte er vor. Mit rund 45 Prozent der 3500 gestrichenen Stellen ist das Investmentbanking am stärksten betroffen. Auf das Geschäft in der Schweiz sowie der Vermögensverwaltung außerhalb Amerikas entfallen ebenfalls 45 Prozent. Der Stellenabbau soll durch Entlassungen und natürliche Fluktuation erreicht werden.

Neben der UBS streichen derzeit viele Großbanken Tausende von Stellen. Die britische HSBC  hatte zu Monatsbeginn angekündigt, 30.000 Jobs bis 2013 zu streichen, bei Lloyds sollen es 15.000 Arbeitsplätze bis 2014 sein. Bei der seit langem schwächelnden Bank of America sollen einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge alleine in diesem Quartal 3500 Stellen wegfallen. Dem geplanten Konzernumbau könnten danach mehrere tausend weitere Stellen zum Opfer fallen. Eine Quelle der Zeitung erwartet mindestens 10.000 wegfallende Jobs. Das wären 3,5 Prozent der Mitarbeiter.

Der UBS-Erzrivale Credit Suisse hatte zuletzt ebenfalls weniger als erhofft verdient und ebenso wie die US-Großbanken Wells Fargo  und Goldman Sachs  angekündigt, die Kosten deutlich senken zu wollen. Grund für diese Welle ist die sinkende Rentabilität der Banken. Das liegt unter anderem an der strengeren Regulierung und den härteren Kapitalanforderungen nach der Finanzkrise. Zudem vergeht vielen Anlegern angesichts der anhaltenden Unsicherheiten auf den Kapitalmärkten die Lust am Investieren, was besonders das Investmentbanking zu spüren bekommt. Bei der Deutschen Bank  ist hingegen von Stellenstreichungen keine Rede.

kst/rtr/dpa-afx
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