Gewinnziele in Gefahr Commerzbank ächzt unter Griechenland-Abschreibung

Das Kerngeschäft der Commerzbank verlief im ersten Halbjahr so gut wie lange nicht mehr. Doch Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen führten im zweiten Quartal zu einem hohen Gewinneinbruch. Überraschend teilte das Institut zudem das Ausscheiden von Finanzchef Eric Strutz mit
Commerzbank in Frankfurt: Das Institut muss künftig ohne seinen Finanzchef auskommen

Commerzbank in Frankfurt: Das Institut muss künftig ohne seinen Finanzchef auskommen

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Die von den Schuldenkrisen ausgelösten Marktturbulenzen überdecken die operativen Fortschritte der teilverstaatlichten Commerzbank. Abschreibungen in Höhe von 760 Millionen Euro auf griechische Staatsanleihen führten im zweiten Quartal zu einem herben Gewinneinbruch, wie die Commerzbank mitteilte. Zudem sieht Deutschlands Nummer zwei ihre Gewinnziele in Gefahr.

Der Überschuss sank von 352 Millionen Euro vor einem Jahr auf 24 Millionen Euro im zweiten Quartal. Dabei kam der Bank die Beteiligung am Rettungspaket für Griechenland teuer zu stehen. Die Commerzbank  berichtigte dabei den Wert aller von ihr gehaltenen griechischen Staatsanleihen - also auch die Papiere mit einer Laufzeit über das Jahr 2020 hinaus, für die die Regelungen des im Juli beschlossenen Rettungspakets nicht gelten. Die europäische Finanzbranche will nach eigenen Angaben bis 2020 bis zu 135 Milliarden Euro zur Griechenland-Rettung beitragen, in dem sie griechische Staatsanleihen in neue Papiere mit längeren Laufzeiten tauscht und dafür Abschläge in Kauf nimmt.

In der sogenannten Kernbank - dazu zählt das Privatkundengeschäft, die Mittelstandsbank, die Osteuropaaktivitäten und das Investmentbanking - kam die Commerzbank gut voran und erwirtschafte in allen Bereichen Gewinnzuwächse. Damit stellte sie viele europäische Konkurrenten in den Schatten, die im zweiten Quartal vor allem im Investmentbanking Rückgänge hinnehmen mussten. Im Privatkundengeschäft machen sich inzwischen Kostenvorteile aus dem Zusammenschluss mit der Dresdner Bank immer mehr bemerkbar. Zudem gingen die Rückstellungen für faule Kredite zurück.

Gewinnziele in Gefahr

Trotzdem sind die Zweifel an den Gewinnaussichten gewachsen. "Die im Jahr 2009 beschlossenen Ziele stehen weiterhin unter dem Vorbehalt stabiler Märkte, die wir wegen der Staatsschuldenkrise derzeit nur bedingt sehen", sagte Vorstandschef Martin Blessing. In diesem Jahr wollte die Commerzbank bislang einen operativen Gewinn "signifikant" über dem Vorjahreswert von 1,4 Milliarden Euro erwirtschaften. 2012 sollte dieser Wert dann über die Marke von vier Milliarden Euro klettern.

Für die Kernbank sieht der im Frühjahr 2012 aus dem Amt scheidende Finanzvorstand Eric Strutz noch keine "signifikanten Auswirkungen" durch die Schuldenkrisen. "Sie sollte daher mit einem operativen Ergebnis abschließen, das deutlich über dem Niveau des Jahres 2010 liegt." Die Ergebnisentwicklung des Gesamtkonzerns - zudem etwa noch die verlustreiche Immobilienfinanzierer Eurohypo, ein Schiffsfianzierer und eine bankeigene Bad Bank gehören - werde aber entscheidend davon abhängen, dass die eingeleiteten Reformschritte zur Lösung der europäischen Staatsschuldenkrise umgesetzt werden und die aktuelle Situation nicht weiter eskaliert.

Finanzchef Strutz verlässt das Unternehmen

Strutz selbst hatte am Vortag den Aufsichtsrat darüber informiert, dass er seinen Ende März 2012 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wolle. Dies werten Beobachter als schweren Schlag für die Bank. Der 46 Jahre alte Finanzexperte hatte zusammen mit Blessing das Institut in den vergangenen Jahren durch viele Probleme gelotst und es neu aufgestellt. Zuletzt managte er die riesige Kapitalerhöhung von elf Milliarden Euro, mit der die Commerzbank einen Großteil der in der Finanzkrise erhaltenen Staatshilfen abbaute. Strutz führte für seinen Abschied private Gründe an.

An der Börse ging es für die Commerzbank-Aktie in einem freundlichen Umfeld kräftig nach oben. Kurz nach Handelsbeginn gehörte sie mit einem Plus von knapp 7 Prozent auf 2,27 Euro zu den besten Werten im Dax. Allerdings gehörte das Papier im bisherigen Jahresverlauf unter anderem wegen der Kapitalerhöhung zu den größten Verlierern innerhalb des deutschen Leitindex. In den vergangenen Tagen brach die Aktie noch einmal um mehr als ein Viertel auf nur noch knapp über zwei Euro ein. Vor der Finanzkrise notierte die Aktie im Mai 2007 noch bei gut 30 Euro. Seit der Finanzkrise ist der Staat mit etwas mehr als 25 Prozent an der Bank beteiligt.

mg/dpa-afx
Mehr lesen über