Stellenabbau Schonfrist für deutsche Banker

Während amerikanische, angelsächsische und Schweizer Großbanken Tausende Stellen streichen, beteuern deutsche Finanzinstitute, dass hierzulande keine Entlassungen anstehen. Branchenexperten glauben jedoch nicht daran - für eine längere Eiszeit sind viele Investmentbanker zu teuer.
Frankfurter Bankenviertel: Hohe Fixgehälter, sinkende Umsätze

Frankfurter Bankenviertel: Hohe Fixgehälter, sinkende Umsätze

Foto: Frank_May/ picture-alliance / dpa/dpaweb

Frankfurt am Main - Man nannte sie die Regenmacher: Die Stars in den Investmentbanking-Abteilungen der internationalen Großbanken sorgten bis zur Finanzkrise für einen üppigen Geldregen, der die Kassen ihrer Arbeitgeber füllte. Als Lohn winkten hohe Bonuszahlungen. Einen Knick bekam das Selbstbewusstsein der Investmentbanker, als mit Beginn der Finanzkrise eine Entlassungswelle rollte und tausende der bonusverwöhnten Finanzstars ihre Jobs verloren.

Doch schon 2010 schienen die schlechten Zeiten überwunden: Die Investment-Abteilungen vieler Banken stellten wieder ein. Die Schweizer Großbank UBS  stockte 2010 ihre Investmentbankabteilung um mehr als 1000 Stellen auf. Auch die Konkurrenten Credit Suisse, Morgan Stanley, Bank of America und Goldman Sachs  fuhren ihre Mannschaften wieder hoch.

Jetzt ist die Sonderkonjunktur für die Banker erneut vorbei: Die Unsicherheit bei den Investoren ist wegen der Schuldenkrisen so groß, dass selbst die hoch geloben Investmentbanker den Märkten kaum mehr als ein leichtes Tröpfeln entlocken. Die Banken müssen sparen. Und fangen bei ihren Großverdienern an.

Schweizer Banken haben es derzeit besonders schwer, weil sie Geschäfte oft in Dollar und Euro abwickeln, aber einen Großteil ihrer Gehälter in Franken auszahlen müssen. Der starke Franken frisst Gewinne auf: Bei der Credit Suisse  brach der Vorsteuergewinn im Investmentbanking im zweiten Quartal um rund 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein - jetzt müssen rund 2000 Banker gehen. Auch die UBS schwächelt und kündigt einen massiven Stellenabbau an. Von 5000 Entlassungen ist die Rede.

Eine Großbank nach der anderen meldet inzwischen Kündigungen im großen Stil: Europas größte Bank HSBC streicht weltweit rund 30.000 Stellen. Bei der Royal Bank of Scotland  müssen wohl 2000 Banker gehen. Goldman Sachs entlässt 1000 Mitarbeiter, Morgan Stanley 300. Und das ist noch nicht das Ende.

"Es ist wieder schwierig geworden, Geld zu verdienen"

"Die gesamte Branche muss Stellen abbauen", sagt Christian Groh, auf die Finanzbranche spezialisierter Headhunter bei Heidrick & Struggles. Die Probleme der Banken seien nicht hausgemacht, sondern strukturell bedingt: "Seit dem zweiten Quartal ist es für die Banken wieder extrem schwierig geworden, Geld zu verdienen."

Dass es so kommen würde, war abzusehen: Bereits im März legten die Unternehmensberatung Oliver Wyman und die Investmentbank Morgan Stanley eine Analyse vor, nach der die größten internationalen Banken bis 2012 mindestens 20.000 Stellen abbauen müssten.

Die Gründe: Banken müssen wegen der verschärften Regulierung in den Ausbau ihrer Risikomanagement- und Compliance-Abteilungen investieren. Außerdem steigen die Personalkosten, weil die Banken die Fixgehälter ihrer Angestellten seit der Finanzkrise nach oben schraubten. Was eigentlich dazu dienen sollte, horrende Bonuszahlungen zu reduzieren, entwickelt sich nun zum Bumerang: Trotz schlechter Geschäfte kassieren die Banker hohe Fixgehälter.

Während die Märkte immer volatiler werden, sind die Gehälter immer starrer geworden. Wollen die Banken Personalkosten sparen, bleiben nur Entlassungen. Morgan Stanley und Oliver Wyman ziehen daraus den Schluss, dass Banken ihre Kostenbasis um 6 bis 8 Prozent reduzieren müssen, wenn sie weiterhin profitabel arbeiten wollen. Die aktuelle Entlassungswelle in der Branche erscheint vor diesem Hintergrund fast zwangsläufig.

Commerzbank hat Abbau im Investmentbanking bereits hinter sich

Umso erstaunlicher, dass bei den Investmentbanken hierzulande noch keine Entlassungen angekündigt wurden. Bei der Deutschen Bank  heißt es auf Anfrage, es sei kein Stellenabbau geplant - man fühle sich im Gegenteil gut aufgestellt.

Die Hypovereinsbank will zwar bis 2015 rund 700 Stellen abbauen, allerdings seien nur Stabsabteilungen betroffen. Für das erste Halbjahr konnte die Tochter der Unicredit , deren Investmentbanking seit der HVB-Übernahme in München angesiedelt ist, "trotz zunehmend schlechteren Marktbedingungen" das Vorsteuerergebnis steigern - auch Corporate- und Investment-Banking trugen zu dem Gewinnplus bei. "Für das zweite Halbjahr erwarten wir allerdings ein noch volatileres Marktumfeld sowie eine nachlassende Wachstumsdynamik, auch wenn Deutschland mit seiner robusten Wirtschaft von diesem Trend nur schwächer betroffen sein wird", kündigt Theodor Weimer, Sprecher des Vorstands der HypoVereinsbank, an.

Auch die Commerzbank  plant keine Stellenkürzungen: Die Bank hatte allerdings bereits im Rahmen der Fusion mit der Dresdner Bank die Zahl der Stellen im Investmentbanking von 3600 auf 1800 halbiert.

Einstellungsstopp statt Kündigungen

Personalberater Groh glaubt dennoch nicht, dass die Entlassungswelle deutsche Banker verschonen wird: "Es ist ein offenes Geheimnis in der Branche, dass etwa die Deutsche Bank seit Juli einen Einstellungsstopp verhängt hat", sagt der Headhunter. Manche Bank käme vielleicht mit einem Einstellungsstopp über die Runden, doch die meisten Institute würden Mitarbeiter entlassen müssen.

Auch wenn es bis jetzt noch keine offiziellen Ankündigungen gebe: "Personelle Anpassungen werden sich auch in deutschen Banken nicht umgehen lassen", meint Groh. Wenn das Investmentbanking weiter schwächelt, könnten auch deutsche Regenmacher also bald Schwierigkeiten bekommen.

"Die Banken haben mittlerweile sehr professionelle Treasury-Abteilungen, die genau die Eigenkapital-Rendite der einzelnen Abteilungen berechnen", sagt Groh. Wer die schwächste Performance liefert, findet sich auf der Streichliste ganz oben.

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