Staatsanleihen Euro-Schuldenkrise holt Commerzbank ein

Mit einer Kapitalerhöhung hat die Commerzbank die Fesseln der Staatsbeteiligung abgeschüttelt. Griechische Staatsanleihen dürften der Bank jedoch das Quartal vermiesen. Eine hohe Abschreibung soll das Hellas-Problem lösen - doch das dürfte aus mehreren Gründen schwierig werden.
Rasch wegputzen, bitte: Eine großzügige Abschreibung auf griechische Staatsanleihen soll die Hellas-Risiken der Commerzbank eindämmen

Rasch wegputzen, bitte: Eine großzügige Abschreibung auf griechische Staatsanleihen soll die Hellas-Risiken der Commerzbank eindämmen

Foto: dapd

Hamburg - Für Commerzbank-Chef Martin Blessing gleicht dieses Jahr einer Achterbahnfahrt. Im Januar konnte er einen Milliarden-Jahresgewinn vorweisen. Die Anleger straften ihn trotzdem an der Börse ab. Im April kündigte er gutgelaunt die größte Kapitalerhöhung in der deutschen Unternehmensgeschichte an. Bis Mitte Juni erhielt die Bank so über 11 Milliarden Euro frisches Kapital, mit dem Blessing den Großteil der insgesamt 16,2 Milliarden Euro Staatshilfen zurückzahlen konnte. Doch im Zuge der Kapitalerhöhung sackte der Aktienkurs der Commerzbank  noch einmal deutlich ab.

Für das zweite Quartal 2011 war Blessing zunächst operativ gut auf Kurs, Analysten hoben ihre Kursziele an. Doch vor Bekanntgabe der Bilanz für das zweite Quartal am Mittwoch dieser Woche (10. August) geriet die Aktie der Commerzbank  erneut zum Spielball der Spekulanten: Denn nun macht Blessing die Griechenland-Krise den nächsten Strich durch die Rechnung.

Die Commerzbank hält ein Portfolio von 2,9 Milliarden Euro in griechischen Staatsanleihen, das größte Paket unter Deutschlands Banken. Das hat sie ihrer Tochter Eurohypo zu verdanken, die als Immobilien- und Staatsfinanzierer besonders viele Anleihen gekauft hatte. Mehreren Berichten zufolge will die Commerzbank nun im zweiten Quartal 700 Millionen Euro auf die Papiere abschreiben.

Das dürfte den Quartalsgewinn der zweitgrößten deutschen Bank auf wenige Millionen Euro reduzieren. Im ersten Quartal hatte die Commerzbank noch Rückenwind von den Märkten gespürt und 1,1 Milliarden Euro vor Steuern verdient.

Die Märkte reagierten harsch auf die Gerüchte: In der vergangenen Woche sank der Kurs der Commerzbank-Aktie inmitten der allgemeinen Verkaufspanik zeitweise auf 2,16 Euro und lag damit unterhalb des Preises von 2,18 Euro, zu dem die Commerzbank im Frühjahr ihre neuen Papiere der Kapitalerhöhung ausgegeben hatte. Nun liegt der Kurs zwar wieder über dem Ausgabepreis. Doch die Erholung des Commerzbank-Aktienkurses, die Analysten nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung vorausgesagt hatten, lässt auf sich warten.

Commerzbank schreibt mehr ab als gefordert

Die Commerzbank plant offenbar eine Abschreibung von rund 25 Prozent ihres Engagements in griechischen Staatsanleihen. Das ist ein höherer Wert, als das Hilfspaket für Griechenland eigentlich vorsieht. Am 21. Juli hatten die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone vereinbart, dass auch private Gläubiger freiwillig auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten sollen - und zwar in Form einer Verlängerung der Laufzeiten plus einer damit einhergehenden Wertberichtigung.

Die Commerzbank hat von Anfang an eine Teilnahme an dieser Umschuldung zugesagt. Dabei sollen ein Teil der griechischen Anleihen in neue Papiere mit längerer Laufzeit getauscht werden, die wiederum teils besichert sind. Der internationale Bankenverband IIF hat für diesen Umtausch vier Modelle ausgearbeitet, die eines gemeinsam haben: Die beteiligten Banken und Versicherungen verabschieden sich von 21 Prozent ihres Geldes.

Genau an diesen Prozentwert gehalten hat sich bisher die Deutsche Bank . Sie hat insgesamt 155 Millionen abgeschrieben. Doch die Commerzbank will offenbar großzügiger sein. Der größte Teil der griechischen Papiere der Commerzbank - zumeist langlaufende Anleihen mit einer Restlaufzeit von mindestens 15 Jahren - liegt im Bankbuch, wo sie bisher noch zu Buchwerten angesetzt werden konnten. Nach der Umschuldung Griechenlands fordern die Wirtschaftsprüfer aber Abschreibungen. Französische Banken hatten nur die Staatsanleihen wertberichtigt, die bis Ende 2020 fällig werden. Die Begrenzung auf bestimmte Laufzeiten ist bei den Prüfern aber umstritten.

Deutschlands zweitgrößtes Geldinstitut hat den Kreisen zufolge daher auch länger laufende Papiere in die Wertkorrektur einbezogen - und deshalb in Teilen noch mehr abgeschrieben. Bislang schweigt die Commerzbank zu den Abschreibungsgerüchten. Am 10. August veröffentlicht die Bank ihre Zahlen für das zweite Quartal und damit auch die Höhe einer möglichen Wertberichtigung.

Banken zaudern bei Beteiligung an Griechenland-Sanierung

Blessing ist viel daran gelegen, die Griechenland-Krise möglichst schnell hinter sich bringen will. Gelingt es ihm, die gesamten Belastungen aus der Griechen-Krise bereits 2011 zu verbuchen, ist auch sein Gewinnziel von vier Milliarden Euro für das nächste Jahr nicht in Gefahr. Für dieses Jahr hat sich die Commerzbank nur auf eine Steigerung des Gewinns festgelegt - wie hoch diese ausfallen wird, ließ Blessing bislang immer offen.

Dass die Bank mit einem höheren Ausfall auf die griechischen Papiere rechnet, hatte sich aber bereits Mitte Juli abgezeichnet. Damals wagte sich Blessing für einen Bankchef ungewöhnlich weit vor. In einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schlug er damals vor, dass alle Gläubiger auf 30 Prozent ihrer Forderungen in Griechenland verzichten sollten. Im Klartext: Seine Bank wäre zu einem höheren Opfer bereit gewesen.

Doch das schnelle Abhaken der Hellas-Risiken könnte schwierig werden. Zwar ist der vorgeschlagene Forderungsverzicht im zweiten Griechenland-Hilfspaket für Banken und Versicherungen leicht zu verschmerzen. Doch bislang ist noch unklar, wie viele private Gläubiger sich tatsächlich freiwillig daran beteiligen.

Damit die Umschuldung Griechenlands ein Erfolg wird, müssen 90 Prozent der Gläubiger mitmachen - ansonsten droht ein drittes Hilfspaket mit noch härteren Einbußen für die Gläubiger.

Tausch der Anleihen lohnt sich nicht für alle

Doch Wirtschaftsprüfer warnen bereits, dass diese hohe Beteiligung schwierig zu erreichen sein wird. Denn der Tausch lohnt sich längst nicht für alle Investoren. Tauschen werden wohl all jene, die mit langlaufenden Staatsanleihen Verluste erlitten haben. Die Kurse von Anleihen mit langen Restlaufzeiten brachen im Zuge der Krise auf bis zu 40 Prozent des jeweiligen Nennwerts ein. Für sie lohnt es sich, auf nur 21 Prozent des Wertes zu verzichten.

Anleger mit kurzlaufenden Papieren profitieren hingegen kaum von dem Tausch. So notieren etwa griechische Anleihen, die in zwei Jahren auslaufen, derzeit über 80 Prozent ihres Nennwerts. Ein Schnitt von 21 Prozent ist da ein schlechtes Geschäft. International hat der IIF zwar bereits 30 Banken und Versicherungen für den Umtausch ins Boot geholt. Frankreichs Großbank BNP schrieb wegen der Griechenland-Krise bereits mehr als 500 Millionen ab. In Deutschland haben sich neben der Commerzbank auch noch die Deutsche Bank, die Versicherer Allianz  und Munich Re  ihre freiwillige Beteiligung am Griechen-Hilfspaket zugesichert.

Doch die kreditwirtschaftlichen Verbände, die kleinere Banken vertreten, haben sich hierzulande noch nicht einmal zu Empfehlungen an ihre Mitglieder durchgerungen.

Vermutlich versucht die Commerzbank mit der höheren Abschreibung, einen Teil dieses Risikos auch gleich mit aufzufangen. Ob Blessing damit die Märkte beruhigen kann, ist unsicher. Denn diese reagieren zurzeit sehr nervös, wie die jüngsten Quartalszahlen der Allianz-Versicherung zeigten. Die Griechen-Anleihen haben der Allianz-Versicherung jedenfalls das zweite Quartal verdorben. Die Abschreibungen auf die Hellas-Bonds drückten den Gewinn und ließ den Aktienkurs im Frühhandel um 4,2 Prozent abstürzen. Bis zum Nachmittag erholte sich der Kurs zwar, aber eine freundliche Marktreaktion sieht anders aus.

Blessings größte Baustelle im Rampenlicht

Mit der Commerzbank-Abschreibung rückt auch wieder die größte Baustelle des Konzerns in den Vordergrund: Die defizitäre Tochter Eurohypo, bei der die Staatsanleihen liegen. Auf EU-Geheiß muss der Immobilien- und Staatsfinanzierer bis Ende 2014 verkauft werden - angesichts der riesigen Bilanzsumme und anhaltender Verluste ein beinahe aussichtsloses Unterfangen, sagen Branchenkenner. Eurohypo-Vorstandschef Frank Pörschke hatte in der vergangenen Woche das Handtuch geworfen. Eigentlich wollte er auf einer Pressekonferenz Mitte August die Fortschritte bei der Sanierung vorstellen - doch die wurde nach dem Rücktritt abgesagt.

Mit den Wertkorrekturen gilt als fraglich, ob die Eurohypo wie erhofft ihren Vorsteuerverlust von 785 Millionen Euro 2010 in diesem Jahr reduzieren kann. Kreisen zufolge kam sie in der Immobilienfinanzierung gerade wieder auf die Beine, weil die Konzentration auf lukrative Kernmärkte langsam Früchte trägt.

Doch die Euro-Schuldenkrise verhagelt das Geschäft in der Staatsfinanzierung, aus der sich die Eurohypo auf mittlere Sicht ohnehin zurückziehen will. Aber bis es soweit ist, treffen etwa die Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen ins Mark.

Commerzbank fürchtet die Ansteckungsgefahr der Griechen-Krise

Commerzbank-Chef Martin Blessing dürfte also erneut eine schwierige Woche ins Haus stehen. Sein forsches Vorgehen in der Griechenland-Krise soll wohl auch verhindern, dass sich die Schuldenkrise auf weitere Euro-Länder ausbreitet. Im ersten Quartal standen bei der Commerzbank Italien-Anleihen in Höhe von 9,4 Milliarden Euro und Spanien-Anleihen in Höhe von 3,0 Milliarden Euro in den Büchern.

Den Banken-Stresstests zufolge hat sich diese Höhe im zweiten Quartal kaum geändert. Laut einem Bericht des "Handelsblatts" sind fast alle dieser Anleihen so gebucht, dass sie für einen Verkauf nicht zur Verfügung stehen. Damit drohen der Bank keine Verluste, solange die Länder nicht umschulden. Die Commerzbank kann also nur hoffen, dass das möglichst lange so bleibt.

mit Material von dpa/rtr