Griechenland-Krise BNP schreibt 500 Millionen Euro ab

Griechenlands Schuldenprobleme schlagen sich in der Bilanz der französischen Bank BNP Paribas nieder. Das Institut muss eine halbe Milliarde Euro auf seine Hellas-Papiere abschreiben - deutlich mehr als die Deutsche Bank. Auf Massenentlassungen will Bankchef Baudouin Prot jedoch verzichten.
Probleme mit Griechenland: BNP Paribas muss mehr als 500 Millionen Euro abschreiben

Probleme mit Griechenland: BNP Paribas muss mehr als 500 Millionen Euro abschreiben

Foto: CHARLES PLATIAU/ Reuters

Paris - Der Beitrag zur Rettung Griechenlands aus der Schuldenkrise kostet die französische Großbank BNP Paribas mehr als eine halbe Milliarde Euro. Die Bank schrieb im zweiten Quartal 534 Millionen Euro auf einen Teil ihrer griechischen Staatsanleihen ab. Mit fast fünf Milliarden Euro ist sie unter den Banken des Landes der größte Gläubiger des südeuropäischen Schuldenstaats.

Von der Beteiligung privater Kreditgeber an dem geplanten Schuldenschnitt sind aber nur jene 2,3 Milliarden Euro betroffen, die bis Ende 2020 fällig sind. Darauf werden 21 Prozent abgeschrieben. BNP Paribas  hatte sich neben der Deutschen Bank am stärksten an den Verhandlungen über Griechenland beteiligt.

Der scheidende BNP-Chef Baudouin Prot zeigte sich zuversichtlich, dass ausreichend Banken und Versicherer teilnähmen, um die geforderte private Beteiligung bewerkstelligen zu können: "Es gibt schon eine ganze Menge großer Finanzinstitute, die ihre Staatsanleihen umtauschen werden."

Das große Engagement von BNP in Italien mache ihm keine Sorgen, sagte Prot. Die Beteiligung Privater an der Rettung Griechenlands sei eine einmalige Sache. BNP gehört in Italien die Bank BNL.

Die Deutschen Bank  hatte im zweiten Quartal 155 Millionen Euro auf ihre griechischen Staatspapiere abgeschrieben. Für die Commerzbank , bei der insgesamt drei Milliarden Euro davon in den Büchern liegen, erwarten Analysten eine Belastung von 600 bis 800 Millionen Euro.

Verbesserte Kernkapitalquote

Beim Nettogewinn trat BNP Paribas zwischen April und Juni mit 2,13 Milliarden Euro auf der Stelle und verfehlte die von der Agentur Thomson Reuters gesammelten Analystenschätzungen um 100 Millionen. Das ließ die BNP-Aktien zunächst um 2,3 Prozent auf den tiefsten Stand seit 13 Monaten fallen, später lagen sie aber wieder im Plus.

Die Einnahmen blieben mit 10,9 Milliarden Euro ebenfalls hinter den Erwartungen zurück. Die harte Kernkapitalquote verbesserte sich aber im Jahresvergleich auf 9,6 von 8,4 Prozent.

Das Firmenkundengeschäft und das Investmentbanking seien unbefriedigend gewesen, erklärten Analysten der Bank Espirito Santo. Das Geschäft in den Mittelmeeranrainerstaaten von der Türkei bis Tunesien laufe schlechter als gedacht. Mediobanca führte das Minus beim Ergebnis auf die aus dem Ruder gelaufenen Kosten in Frankreich, Italien und den Benelux-Staaten zurück.

Im Investmentbanking steigerte BNP Paribas die Erlöse um 5,7 Prozent, obwohl den Instituten im zweiten Quartal der Wind ins Gesicht blies. Im Anleihengeschäft fielen die Erlöse mit 12 Prozent weniger stark als bei den meisten Rivalen.

Massenentlassungen hält Prot nicht für notwendig. "Wir haben in den letzten Quartalen nicht wie andere Banken wie verrückt Leute angeheuert - deshalb mussten wir jetzt auch nicht auf die Bremse treten", sagte er Reuters Insider TV. HSBC  hatte den Abbau von 30.000 Stellen angekündigt, Barclays  will 3000 Arbeitsplätze streichen. In Frankreich sind die Hürden für Entlassungen allerdings höher.

nis/rtr
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