Ausblick Deutsche Bank bleibt auf Rekordkurs

Die Deutsche Bank lässt sich auf dem Weg zum angekündigten Rekordergebnis nicht von Schuldenkrise und internem Machtkampf stoppen. Analysten trauen dem Geldhaus, das am Dienstag seine Zahlen für das zweite Quartal bekannt gibt, einen weiteren Gewinnsprung zu.
Ehrgeizig: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann will in diesem Jahr ein Vorsteuerergebnis in Höhe von 10 Milliarden Euro präsentieren

Ehrgeizig: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann will in diesem Jahr ein Vorsteuerergebnis in Höhe von 10 Milliarden Euro präsentieren

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

Frankfurt am Main - Sowohl im Investmentbanking als auch im Privatkundengeschäft dürfte die Deutsche Bank weiter zugelegt haben, während wegen der Beteiligung an der Griechenland-Rettung Belastungen drohen.

Die befragten Analysten rechnen damit, dass der deutsche Branchenprimus mit seinen für diesen Dienstag (26. Juli) geplanten Zahlen erneut die meisten europäischen Konkurrenten in den Schatten stellt. In diesem Jahr will Bankchef Josef Ackermann das sogenannte operative Vorsteuerergebnis auf 10 Milliarden Euro steigern.

Die elf von der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX befragten Analysten erwarten, dass das Institut seine Erträge im zweiten Quartal um gut 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 8,8 Milliarden Euro gesteigert hat. Vor Steuern dürfte die Deutsche Bank knapp 2 Milliarden Euro verdient haben - ein Zuwachs von gut einem Viertel. Davon bleiben den Schätzungen zufolge rund 1,3 Milliarden Euro unter dem Strich übrig, rund 8 Prozent mehr als vor einem Jahr. "Wir würden uns nicht wundern, wenn die Ergebnisse sogar noch besser ausfallen", sagte Dirk Becker vom Analysehaus Kepler. Im traditionell stärkeren Auftaktquartal hatte die Bank knapp 2,1 Milliarden Euro verdient.

Gewinnsteigerung von rund 8 Prozent erwartet

Einen kräftigen Gewinnsprung erwarten die Experten erneut im Privatkundensegement. Dabei profitiert das Institut von der Mehrheitsübernahme der Postbank . Der Ausbau des Privatkundengeschäfts ist eines der wichtigsten Vorhaben Ackermanns zum Karriereende bei der Deutschen Bank. Damit will er die Abhängigkeit vom unsicheren Investmentbanking reduzieren, wozu der Handel mit Devisen, Rohstoffen und Aktien zählt.

Dort laufen die Geschäfte für die Deutsche Bank derzeit ebenfalls gut. Seit der Finanzkrise nimmt das Institut der internationalen Konkurrenz regelmäßig Marktanteile ab. Analysten rechnen mit weiteren Zuwächsen. Dagegen hatten großen Konkurrenten in den USA wie Goldman Sachs und JPMorgan angesichts der Verunsicherung an den Märkten wegen der Schuldenkrise in Europa deutliche Ertragseinbußen hinnehmen müssen.

Beteiligung an Hilfe für Griechenland

Gespannt warten Analysten darauf, wie sich das in der vergangenen Woche vereinbarte Rettungspaket für Griechenland auf die Deutsche Bank  auswirkt. Die Finanzbranche will im ersten Schritt rund 50 Milliarden Euro dazu beitragen, in dem sie griechische Staatsanleihen in neue Bonds mit längeren Laufzeiten tauscht und dafür Abschläge in Kauf nimmt.

Dass die Deutsche Bank sich an diesem freiwilligen Schritt beteiligt, gilt als sicher, schließlich hat Ackermann als Chef des internationalen Finanzverbandes IIF an der Lösung für das griechische Problem selbst mitgewirkt. Es wird damit gerechnet, dass die Deutsche Bank die Wertveränderungen der von ihr gehaltenen griechischen Anleihen schon in die neuesten Zahlen einarbeitet.

Ende 2010 kamen die Frankfurter einschließlich der konsolidierten Postbank auf ein Nettokreditengagement gegenüber Griechenland von 1,6 Milliarden Euro. Davon könnte die Bank nach Schätzungen der Analysten von Sanford C. Bernstein rund 300 Millionen Euro abschreiben. Sollte die Bank allerdings ihre Bestände bereits zuvor an deren Marktwert angepasst haben, könnte es sogar Aufwertungen und damit einen zusätzlichen Gewinn geben, schätzt Analyst Konrad Becker von der Privatbank Merck Finck.

Im Laufe des Tages könnte zudem eine Entscheidung in der seit Wochen anhaltenden Diskussion um die Nachfolge von Vorstandschef Ackermann fallen. Dann trifft sich der Aufsichtsrat, um die Personalie zu besprechen. Es wird erwartet, dass im kommenden Jahr eine Doppelspitze Ackermann ablöst.

Als Favoriten gelten der oberste Investmentbanker Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen. Ackermann, dessen Vertrag 2013 ausläuft, soll dann auch auf Wunsch eines Großteils der Arbeitnehmervertreter an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln. Dafür müsste allerdings dessen Intimfeind Clemens Börsig den Platz räumen. Ob dieser dazu bereit ist, gilt noch als offen.

la/dpa-afx
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