Hypo Real Estate Hoher Preis für das Überleben

Manuela Better kann aufatmen. Während EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia die mangelnde Kooperationsbereitschaft der BayernLB-Eigentümer rügt, hat die Chefin der HRE ihre Brüsseler Hängepartie hinter sich.
Von Cornelia Knust
16 Monate im Ausnahmezustand: Manuela Better behält ihre Bank

16 Monate im Ausnahmezustand: Manuela Better behält ihre Bank

Foto: MICHAELA REHLE/ REUTERS

München - Für die zierliche Frau ist es wohl ein bitterer Sieg. Manuela Better, Vorstandsvorsitzende der Hypo Real Estate (HRE), hat die Zerschlagung der Skandalbank zwar verhindert. Die HRE darf stark verkleinert und unter anderem Namen (Deutsche Pfandbriefbank AG, kurz PBB) weiterleben, und sie muss auf ihr zweites Standbein, das Staatsfinanzierungsgeschäft, nicht komplett verzichten.

Dass die Bank ihre Bilanzsumme laut EU-Vorgabe nochmals von jetzt 102 auf 63 Milliarden Euro verkleinern muss, ist allerdings schmerzhaft und dürfte viele Mitarbeiter dazu bewegen, die Bank zu verlassen. Vor der Finanzkrise war man einmal bei 420 Milliarden Euro. Aus Kreisen der Bank verlautete jedoch, mit Hilfe von Neugeschäft wolle man bis 2013 ungefähr bei 100 Milliarden Euro Bilanzsumme herauskommen.

Better formulierte in einer ersten Reaktion: "Die Vorgaben gehen sehr weit, bieten aber noch ausreichend Potential, um mit der neu ausgerichteten pbb Deutsche Pfandbriefbank an den Kredit- und Kapitalmärkten erfolgreich zu sein".

Es hätte schließlich noch schlimmer kommen können. Dass die Eigentumsverhältnisse klar sind (die Bank ist seit Herbst 2009 komplett verstaatlicht) und ein Teil der Vorgaben schon erfüllt ist, scheint die Entscheidung der EU-Wettbewerbskommission erleichtert zu haben.

Kopfschütteln über die Bayern LB

Im Gegensatz dazu verwies Almunia auf der heutigen Pressekonferenz auf die unbefriedigenden Gespräche mit den Eigentümern der Bayern LB, gegen die ebenfalls ein Beihilfeverfahren läuft. Offenbar bereitet vor allem der Beitrag der bayerischen Sparkassen zum Rettungspaket noch Kopfzerbrechen. Auch das Geschäftsmodell der Bank scheint noch nicht schlüssig.

Diese Probleme immerhin hatte die HRE nicht. Wohltuend war wohl auch das zurückhaltende Auftreten der Chefin. Sie hat seit Amtsantritt im März 2010 nur ein einziges Interview gegeben. Auch auf der Bilanzpressekonferenz im März dieses Jahres war sie spröde und kontrolliert, las ihre Rede monoton ab, enthielt sich eisern jeder Spekulation, verwies Detailfragen an ihren Finanzvorstand Alexander von Uslar. So boten sich keinerlei Angriffsflächen.

Better ist die erste Frau an der Spitze einer deutschen Bank, macht davon aber nicht das geringste Aufheben. 1960 in München geboren, begann sie ihre Karriere mit einer Lehre als Bankkauffrau und studierte danach Betriebswirtschaft. 1988 ging sie als Trainee zur Bayerischen Vereinsbank, die in den 90er Jahren die Hypobank übernahm und als Hypo-Vereinsbank (HVB) inzwischen zur italienischen Unicredit  gehört. Die HVB gliederte 2004 ihr Immobiliengeschäft in die HRE aus und brachte sie an die Börse.

Im Zuge der Finanzkrise 2008 kollabierte die HRE mit ihrem Neuerwerb Depfa aufgrund überzogener Fristentransformation; Bankchef Georg Funke war draußen; die Bank wurde vom Bankenrettungsfonds aufgefangen und 2009 per Enteignung komplett verstaatlicht. Better, obwohl zuvor im Haus unter anderem auch für die Risikopolitik zuständig, "überlebte" den Umbau: zunächst unter dem von der Deutschen Bank  entsandten Chef Axel Wieandt, dann ganz plötzlich als seine Nachfolgerin an der Spitze.

Karge Zeiten in Unterschleißheim

Rätselhaft bleibt, was sie dazu bewogen hat. Fühlte sie sich verantwortlich? Glaubte sie etwas wieder gut machen zu müssen? Oder war es eine einmalige Chance für eine Frau in der Welt der damals ziemlich kleinlauten männlichen Bankmanager?

Sie hat ihre Mannschaft jedenfalls halbwegs bei der Stange gehalten, hat die Auslagerung aller unerwünschten Aktiva in eine staatliche Bad Bank (die FMS Wertmanagement) gestemmt, hat bei der Pfandbriefbank zumindest so viel Aktivität entfaltet, dass diese Kernbank keine Verluste mehr macht.

Deshalb ist die PBB, die längst nicht mehr im feinen Münchner Lehel, sondern in der Tristesse von Unterschleißheim gleich neben der S-Bahn residiert, allerdings immer noch kein Traumarbeitgeber - ganz im Gegenteil.

Trotzdem kann Better sich mit ihrer Truppe die Stabilisierung und Restrukturierung der Bank zurechnen, die sich über die Ausgabe von Pfandbriefen wieder einigermaßen refinanzieren kann. Die Aufregung über die Milliardensummen, die die Rettung der HRE den deutschen Steuerzahler gekostet hat, legt sich allmählich.

Die Rechnung wird erst in 15 Jahren geschrieben

Die PBB braucht keine Liquiditätshilfen mehr, hat für die staatlichen Garantien ordentlich bezahlt und rechnet sich sogar Chancen auf eine Privatisierung aus. Ab 2014 werde man diese angehen, sagte Christoph Pleister, Chef der deutschen Behörde zur Stabilisierung der Finanzmärkte FMSA, kürzlich in einem Interview. Ob er die sechs Milliarden Euro staatliche Kapitalspitze an die Bank wieder herausbekommt, erscheint allerdings mehr als fraglich.

Völlig offen ist auch, was die FMS Wertmanagement als Bad Bank von den ihr übertragenen Wertpapieren noch wird zu Geld machen können; ihr sind weitere 3,8 Milliarden Euro staatliches Eigenkapital zugeflossen. Im Herbst 2010 hat sie HRE-Aktiva von 173 Milliarden Euro übernommen. Sie hat den Vorteil, dass sie als Anstalt des öffentlichen Rechts alle Zeit der Welt für die Verwertung hat und auch nichts wertberichtigen muss.

Die Stunde der Wahrheit schlägt laut Pleister allerdings erst in den Jahren 2025 und 2030, wenn die meisten dieser zweifelhaften Papiere fällig werden. Außerdem bahnt sich gerade eine neue Finanzkrise im Euro-Raum an, an der die FMS, die in Griechenland stark exponiert ist, nicht spurlos vorbeikommen dürfte. Die FMS sollte sogar jüngst nach dem Willen von Finanzminister Wolfgang Schäuble für die Griechenlandrettung auf die 2 Milliarden Euro Beitrag der privaten Finanzwirtschaft rund 1,2 Milliarden Euro drauflegen. Doch dieser Plan ist wohl schon wieder Makulatur.

Mit Griechenland-Risiken muss sich Frau Better nicht mehr plagen, nur noch mit der Finanzierung langweiliger Bürotürme und Einkaufszentren in ganz Europa. Auch staatliche Infrastrukturprojekte darf sie weiter finanzieren - mehr nicht. Die zurückhaltende Managerin wird die Schrumpfkur vermutlich klaglos abarbeiten. Vielleicht kommt irgendwann die Stunde des Dankes und der Anerkennung.

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