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Mitgefangen: Italiens Topbanken unter Druck

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Italienische Banken Der Stress geht weiter

In der Finanzkrise galten italienische Banken als vorbildlich robust - weil sie ihr Geld nicht in Schrottpapiere, sondern Staatsanleihen gesteckt hatten. Auch deshalb haben Unicredit, Intesa und Co. den Bankenstresstest offenbar klar bestanden. Doch ausgerechnet ihr Erfolgsrezept stellt die Institute jetzt vor große Probleme.

Hamburg - An den albernen Bemerkungen von Ministerpräsident Silvio Berlusconi haben sich in Italien bisher meist nur Opposition und linksgerichtete Medien gestört. Mal beklagt der Regierungschef sich beim US-Präsidenten darüber, dass er zu Hause von der Justiz verfolgt werde, mal lässt er frauenfeindliche Sprüche fallen - doch die Wirtschaftsführer des Landes schüttelten höchstens sanft den Kopf.

Berlusconis jüngste unbedachte Äußerung indes löste einem Sturm an den Finanzmärkten aus, der auch die italienischen Banken voll erfasste. Das Sparpaket werde sicher nicht so drakonisch ausfallen, wie von Finanzminister Giulio Tremonti geplant, versuchte der Premier die Öffentlichkeit Ende vergangener Woche zu besänftigen. Doch damit bestätigte er nur die Einschätzung von Ratingagenturen und Analysten, dass Italien es gar nicht so recht ernst meine mit dem Sparen - und das bei einem Schuldenstand von 120 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Prompt gab es an der Mailänder Börse den nächsten Dämpfer für die einheimischen Banken, denn sie sind aufs Engste verflochten mit diesen Papieren. Zwar haben sie den aktuellen europaweiten Stresstest laut Notenbankbankchef Mario Draghi offenbar überstanden. Doch die Staatsanleihen in ihren Bilanzen bereiten Analysten und Ratingagenturen zunehmend Sorge. Die Aktienkurse der großen Institute verloren in den vergangenen drei Monaten im Schnitt etwa ein Drittel ihres Wertes.

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"Der allergrößte Teil des momentanen Drucks auf die italienischen Banktitel ist der Unsicherheit über die Staatsanleihen geschuldet", sagt WestLB-Analyst Christoph Boßmann. Anleihen im Wert von mehr als 50 Milliarden Euro hielt Intesa zuletzt in den Büchern. Unicredit  bezifferte das Engagement im vergangenen Jahr auf 38 Milliarden Euro.

Das Engagement passte lange gut zur soliden Ausrichtung der Institute. Während der Finanzkrise mussten sich die Banken kaum mit den toxischen Papieren herumschlagen, die die Banken in Deutschland, Großbritannien und anderen EU-Staaten an den Rand des Abgrunds trieben. Bei den anschließenden Stresstests schlug sich der hohe Anteil als sicher geltender Staatspapiere in relativ hohen Kernkapitalquoten nieder.

Die italienischen Banken waren sicher, alles richtig gemacht zu haben, doch nun wird die Haushaltkrise zu ihrem Problem. Dass sie im großen Stil investiert haben, könne man ihnen "nicht als Zockerei auslegen", sagt Boßmann.

Mitgefangen, mitgehangen - vergleichsweise unverschuldet geraten die italienischen Geldhäuser momentan in eine bedrohliche Lage, die sich im ungünstigen Fall zu einer Bankenkrise, Teil 2 ausweiten könnte, bei denen ausgerechnet Staatsanleihen die neuen Schrottpapiere sind.

Bereits Ende Juni hatte die Ratingagentur Moody's die Ratings von 16 führenden italienischen Banken unter besondere Beobachtung gestellt, was zu einem schlagartigen Kursrutsch bei Intesa , Unicredit und Co. führte. Es sei zweifelhaft, ob die Regierung ihr Sparpaket wie geplant durchbringe, begründete die Agentur ihren Schritt. Bereits zuvor hatte sie deshalb den Ausblick für das Länderrating Italiens gesenkt. Das verteuert die Refinanzierungskosten der italienischen Banken, weshalb sie niedrigere Zinsergebnisse einfahren.

Analyst: "Aktionäre haben sicher keine Lust, mehr Kapital zu zeichnen"

Die Nähe zum Heimatmarkt erweist sich für die italienischen Banken inzwischen aus einem weiteren Grund als problematisch. Das operative Geschäft leidet darunter, dass die Wirtschaft nach der Finanzkrise nicht in Schwung gekommen ist. Das Wachstum im laufenden Jahr dürfte mehreren Prognosen zufolge bei gerade einem Prozent liegen.

Wer wie Intesa etwa zu 80 Prozent oder Unicredit zu 50 Prozent in Italien engagiert ist, spürt das in den Margen. Den zuletzt um 800 Millionen auf 2,5 Milliarden Euro gesunkenen Jahresgewinn von Unicredit erklärt Moody's auch mit dem anhaltend hohen Niveau von Problemkrediten in den Büchern. Ein Anstieg der Profitabilität sei beispielsweise bei Unicredit kurzfristig nicht zu erwarten, befinden auch die Societé-Générale-Analysten Carlo Tommaselli und Alan Webborn.

Während die italienischen Banken immer noch kräftig für Kreditausfälle vorsorgen müssen, haben beispielsweise die deutschen Institute ihre Rückstellungen zuletzt drastisch heruntergefahren. Immerhin hat sich die Lage bei den Italienern im ersten Quartal 2011 leicht entspannt.

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Dennoch sind die Institute darum bemüht, ihre Kapitalbasis zu stärken, um sich vor weiteren Schocks zu schützen. So platzierte Intesa im Juni erfolgreich eine Kapitalerhöhung von fünf Milliarden Euro, um die Kernkapitalquote auf etwa 10 Prozent zu erhöhen - ein weithin gefordertes Ziel für die Geldhäuser. Auch die Banken Monte dei Paschi di Siena und die Ubi Volksbank trieben zuletzt neue Gelder von ihren Investoren ein.

Unicredit hinkte zuletzt noch etwas hinterher, nachdem das Unternehmen sich bereits vor anderthalb Jahren vier Milliarden Euro besorgt hatte. Die Kernkapitalquote liegt bei gut 9 Prozent, in der aktuellen Lage wäre ein höherer Wert jedoch wünschenswert.

Eine Kapitalerhöhung dürfte nach den jüngsten Kursstürzen und den Warnungen der Ratingagenturen aber auf wenig Gegenliebe stoßen. "Die Aktionäre haben sicher keine große Lust, noch einmal Kapital zu zeichnen", sagt Analyst Boßmann. Eine Alternative sei aber kaum in Sicht. "Aus dem laufenden Geschäft können die Institute ihre Lage kaum verbessern."

Boßmann rechnet damit, dass Unicredit-Chef Federico Ghizzoni im Herbst vorprescht. An anderer Stelle ist von einem Emissionsvolumen von sechs Milliarden Euro die Rede.

Um dazu überhaupt Gelegenheit zu haben, muss der Markt jedoch wieder mehr Vertrauen in Italien und seine Regierung bekommen. Der glücklose Ministerpräsident Berlusconi scheint die Zeichen der Zeit inzwischen erkannt zu haben und bekannte sich ausdrücklich zu den geplanten Sparmaßnahmen. Die Kurse der italienischen Banken zogen am Mittwoch wieder an.

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