Verkauf der BHF-Bank Deutsche Bank verhandelt mit Finanzinvestor RHJ

Die Deutsche Bank unternimmt einen weiteren Versuch zum Verkauf der BHF-Bank. Derzeit werde mit dem belgischen Finanzinvestor RHJ International (RHJI) exklusiv verhandelt. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann kann offenbar mit einem Verkaufserlös von etwa 500 Millionen Euro rechnen.
Bald neuer Eigentümer: Deutsche Bank sucht Käufer für BHF-Bank

Bald neuer Eigentümer: Deutsche Bank sucht Käufer für BHF-Bank

Foto: BHF-BANK

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank bekommt die BHF-Bank offenbar doch noch los. Der ehemalige Credit-Suisse- und Dresdner-Bank-Vorstand Leonhard Fischer will mit dem Frankfurter Institut wieder einen Fuß in den deutschen Bankenmarkt bekommen. Der von dem Banker geführte Finanzinvestor RHJ und die Deutsche Bank bestätigten am Donnerstag exklusive Gespräche über die BHF-Bank.

Für RHJ wäre es der größte Zukauf nach der Neuausrichtung auf die Finanzbranche. Finanzkreisen zufolge ist ein Kaufpreis von rund einer halben Milliarde Euro im Gespräch. Daher will RHJ noch einen zweiten Investor ins Boot holen. Die Verhandlungen könnten sich aber noch einige Wochen hinziehen.

Bei der BHF-Bank wird nun aufgeatmet. Die 1500 Mitarbeiter mussten fürchten, dass das traditionsreiche Institut abgewickelt und allenfalls teilweise in die Deutsche Bank integriert werden würde. "Hier herrscht Zuversicht. Das ist eine gute Perspektive", sagte ein BHF-Mitarbeiter, der ungenannt bleiben wollte. Der Verkauf der mit Sal. Oppenheim übernommenen BHF-Bank an die liechtensteinische Fürstenbank LGT war im April in letzter Minute überraschend am Widerstand der Bankenaufsicht BaFin gescheitert. Sie hatte der LGT ihre Rolle in Steueraffären nicht verziehen. Danach sondierte die Deutsche Bank in aller Stille das Interesse anderer Bieter.

An der ersten Runde hatte sich RHJ gar nicht beteiligt. RHJ erklärte, die BHF-Bank solle nicht zerschlagen und als eigenständige Marke innerhalb der Banktochter Kleinwort Benson weitergeführt werden. Der ehemalige Londoner Vermögensverwalter Kleinwort Benson, der lange zur Dresdner Bank gehört hatte, war 2009 von Fischer übernommen worden. Er dient als Nukleus für das Bankgeschäft des Finanzinvestors. RHJ gehören inzwischen auch Institute in Irland und auf den Kanalinseln, in Deutschland ist die Private-Equity-Firma bislang nur mit 27,8 Prozent an der kleinen Quirin Bank beteiligt, die auf Honorarberatung setzt.

Schritt in ds Investmentbanking

Für Fischer, der die Verhandlungen persönlich führt, wäre der Kauf ein spektakuläres Comeback am Frankfurter Bankplatz, wo er immer wieder als Kandidat für vakante Spitzenposten gehandelt wird. Schlagzeilen machte er zuletzt vor zwei Jahren, als er im Bieterkampf um Opel den Kürzeren zog. Mit der BHF-Bank würde RHJ sich erstmals auch ins Geschäft mit dem Mittelstand und das Investmentbanking vorwagen. "Das bringt das Geschäftsmodell auf eine neue Stufe", hieß es in Kreisen des Bieters. Bisher betreut Kleinwort Benson nach einer Studie von KBC Securities rund zehn Milliarden Euro an Vermögen, die BHF-Bank kommt allein auf rund 40 Milliarden. Der Kurs der RHJ-Aktie legte in Brüssel um 2,1 Prozent zu.

Anders als LGT will Kleinwort Benson die BHF-Bank als Ganzes weiterführen. Die Liechtensteiner hatten sich nur für die Vermögensverwaltung interessiert, der Eigenhandel und der größte Teil des Kreditbuchs sollten nach Vorstellungen der LGT bei der Deutschen Bank bleiben. Deshalb biete Kleinwort Benson mit rund 500 Millionen Euro auch etwas mehr als LGT zuletzt auf den Tisch legen wollte, sagten zwei Insider. Die Summe liegt freilich unter dem Buchwert der BHF-Bank, die zuletzt noch mit rund 650 Millionen Euro bei der Deutschen Bank bilanziert worden war. Im vergangenen Jahr hat das Institut nach einer Studie von Merrill Lynch rund 40 Millionen Euro Verlust geschrieben.

Bei der unter der Ägide von Sal. Oppenheim vernachlässigten Bank sind größere Investitionen vor allem in die Informationstechnik nötig. Zugleich gilt der Verwaltungsapparat als aufgebläht.

kst/rtr
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