Griechenland-Schulden Auch deutsche Banken wollen helfen

Deutsche Banken und Versicherer sind offenbar bereit, bis zu sieben Milliarden Euro zur Streckung griechischer Schulden beizutragen. Vorbild der Neuordnung der Schulden könnte das französische Modell sein. Von zentraler Bedeutung wird sein, wie sich Ratingagenturen und die EZB dabei verhalten.
Bankenviertel Frankfurt: Deutsche Kreditinstitute sind mit Milliarden in griechischen Anleihen investiert

Bankenviertel Frankfurt: Deutsche Kreditinstitute sind mit Milliarden in griechischen Anleihen investiert

Foto: A3471 Boris Roessler/ dpa

Berlin - Die deutschen Banken sprechen derzeit mit der Bundesregierung über verschiedene Modelle für eine Beteiligung an der Griechenland-Hilfe. Dazu gehöre auch das französische Modell, sagte ein Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd. In Regierungskreisen hieß es, für diesen Donnerstag sei dazu ein Treffen in Berlin anberaumt.

Deutsche Banken und Versicherer sind nach früheren Angaben mit zehn bis 18 Milliarden Euro in Griechenland engagiert. Eine endgültige Lösung für die freiwillige Gläubigerbeteiligung wird bis zum Sondertreffen der Euro-Finanzminister an diesem Sonntag angestrebt. Dort sollen auch die Eckpunkte des zweiten Hilfspakets für Griechenland beschlossen werden.

Die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires berichtete am Mittwoch unter Berufung auf den Vertreter einer Eurozonen-Regierung, die deutschen Banken seien prinzipiell bereit, sieben Milliarden Euro zur Streckung der griechischen Staatsschulden beizutragen. Eine andere Quelle berichtete einschränkend, einige deutsche Institute verlangten noch weitere Informationen über eine Schuldenrestrukturierung nach dem von Frankreich vorgeschlagenen Modell.

Voraussetzung einer deutschen Beteiligung an einer solchen Lösung ist den Angaben zufolge, dass Ratingagenturen den vorgeschlagenen Umtausch fällig werdender Anleihen in neue Papiere mit längerer Laufzeit nicht als Zahlungsausfall bewerteten. Die Ratingagentur Fitch hat am Mittwoch wiederholt, dass sie die Umwandlung fälliger griechischer Staatsanleihen in neue Papiere mit längerer Laufzeit sehr wahrscheinlich als Zahlungsausfall bewerten würde.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte gedroht, im Falle eines von Ratingagenturen festgestellten Zahlungsausfalls griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheit in Refinanzierungsgeschäften zu akzeptieren. Damit wären vor allem griechische Institute von ihrer letzten Refinanzierungsquelle abgeschnitten.

Französisches Modell geht von 30 Milliarden Euro netto für Griechenland aus

Das französische Modell sieht vor, dass 50 Prozent der auslaufenden griechischen Schulden wieder in griechische Papiere angelegt werden, die dann auf 30 Jahre laufen sollen. Zusätzlich sollen 20 Prozent in einen hoch bewerteten Fonds eingezahlt werden, aus dem keine Zinsen ausgezahlt werden. Die Zinsen sollen in dem Fonds angespart werden. Dieser Fonds soll die 50 Prozent der auslaufenden und wieder angelegten Schuldpapiere absichern.

Das französische Modell nimmt nach jüngsten Meldungen an, dass der Athener Regierung von Juli 2011 bis Juli 2014 netto 30 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. Das geht aus einem Papier des französischen Bankenverbandes hervor, das der Nachrichtenagentur dapd am Mittwoch vorlag.

Insgesamt würden bis Mitte 2014 geschätzt 85,5 Milliarden Euro griechischer Anleihen fällig. Davon halte die Europäische Zentralbank 25 Milliarden Euro, schrieb die Fédération Bancaire Française. Die Banken hielten 60,5 Milliarden Euro. 80 Prozent dieser Summe, das heißt bis zu 50 Milliarden Euro, könnten in den komplizierten Mechanismus für die Griechenland-Hilfe eingebracht werden, der am Ende der griechischen Regierung netto 30 Milliarden bringen werde.

rei/dapd/dow jones

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.