HGAA-Debakel BayernLB verklagt Ex-Vorstände

Die BayernLB will ihren kompletten ehemaligen Vorstand auf Schadensersatz verklagen. Die Landesbank wirft den Managern grobe Pflichtverletzung im Zusammenhang mit dem milliardenschweren Kauf der österreichischen HGAA vor. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor bereits Anklage erhoben.
BayernLB-Zentrale in München: Rund 200 Millionen Euro Schadensersatz will die Bank von den Ex-Vorständen

BayernLB-Zentrale in München: Rund 200 Millionen Euro Schadensersatz will die Bank von den Ex-Vorständen

Foto: Andreas Gebert/ dpa

München - Die Bayerische Landesbank verklagt ihren kompletten früheren Vorstand auf Schadenersatz wegen des verlustreichen Kaufs der österreichischen Hypo Group Alpe Adria (HGAA). Das entschied der BayernLB-Verwaltungsrat unter Vorsitz von Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) am Montag, wie die Bank am Dienstag mitteilte.

Die BayernLB hatte die HGAA 2007 gekauft, obwohl damals schon bekannt war, dass die Bank Probleme hatte. Die Landesbank wirft den damals verantwortlichen Managern deshalb Pflichtverletzungen vor. Im Dezember 2009 gab die BayernLB die HGAA an Österreich zurück, wo sie notverstaatlicht wurde. Den Freistaat Bayern als Haupteigentümer der Bank hat das HGAA-Desaster mehr als 3,7 Milliarden Euro gekostet.

Die Schadenersatzklagen sollen sich auf insgesamt 200 Millionen Euro belaufen und noch in diesem Monat beim Landgericht München eingereicht werden. Mehrere Ex-Manager, unter ihnen der ehemalige Vorstandsvorsitzende Werner Schmidt, hatten sich geweigert, die Ende Juni auslaufende Verjährungsfrist zu verlängern. Fahrenschon hatte bereits angekündigt, rechtzeitig Klagen einzureichen, damit die Ansprüche nicht verfallen.

Ex-Vorstand Gribkowsky bereits in Untersuchungshaft

Die Klage bezieht sich der Bank zufolge auch auf die Fehlspekulationen mit verbrieften US-Immobilienkrediten (ABS-Papiere), die die BayernLB an den Rand der Pleite gebracht hatten. Im Vordergrund stehe aber der HGAA-Komplex, hieß es in Branchenkreisen.

Von den 200 Millionen Euro werden 105 Millionen Euro durch die Manager-Haftpflichtversicherung abgedeckt. Die restliche Summe sollen die früheren Vorstände selbst aufbringen.

Auf Schadenersatz verklagt wurde wegen des HGAA-Fehlkaufs bereits im Januar der frühere Risikovorstand Gerhard Gribkowsky, der wegen der Affäre um mutmaßliche Bestechungsgelder aus der Formel 1 in Untersuchungshaft sitzt. Hier hatte die Landesbank schon vorher gehandelt, um sich den Zugriff auf Gribkowskys Millionenvermögen zu sichern.

Die früheren BayernLB-Manager müssen sich wegen des HGAA-Debakels vermutlich auch in einem Strafprozess verantworten. Die Staatsanwaltschaft München hat kürzlich gegen alle acht damaligen Vorstände Anklage erhoben.

mg/dapd/dpa
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