Samstag, 21. September 2019

Deutsche Banken 20 Milliarden Euro in griechischen Papieren

Milliarden im Feuer: Was deutsche Banken in Griechenland investiert haben
AFP

Die deutschen Banken haben nach Angaben ihres Verbands etwa 20 Milliarden Euro in griechische Anleihen investiert. Die Institute sind auch bereit, sich an der Rettung der Hellenen zu beteiligen, so Verbandschef Michael Kemmer - dafür soll ihnen allerdings der Staat den Rücken decken.   

Hamburg - Die deutschen Banken halten nach Verbandsangaben griechische Schuldenpapiere in einem Volumen von bis zu 20 Milliarden Euro. Nach jüngsten Zahlen der Bundesbank seien 18 Milliarden Euro von deutschen Banken an Griechenland ausgeliehen worden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer, am Dienstag im Deutschlandfunk.

Darin enthalten seien allerdings auch Hilfen der staatlichen KfW-Bank über acht Milliarden Euro, die man eigentlich nicht mitzählen könne. Dafür fehlten in der Statistik wiederum die Griechenland-Papiere, die in die sogenannte Bad Bank der Hypo Real Estate ausgelagert worden seien. "Also sagen wir mal: Es ist eine Größenordnung, die sich irgendwo zwischen zehn und 20 Milliarden Euro bewegen wird", erklärte Kemmer.

Der Verband bekräftigte die grundsätzliche Bereitschaft der Finanzinstitute, sich auf freiwilliger Basis an einem zweiten Rettungspaket für Griechenland zu beteiligen. "Wenn die Bedingungen stimmen, stehen die privaten Gläubiger sicher zur Verfügung", sagte Kemmer. Eine "denkbare Möglichkeit" wäre beispielsweise, wenn die Politik staatliche Garantien zur Absicherung eines weiteren Engagements der Banken in Griechenland gewährleisten würde. Alle Beteiligten müssten sich daher nun an einen Tisch setzen, um über die Rahmenbedingungen zu verhandeln.

Bafin ermahnt sechs Banken

Nach dem Beschluss der Euro-Finanzminister sollen sich private Gläubiger auf freiwilliger Basis an zusätzlichen Milliardenhilfen für Athen beteiligen. Die Investoren sollen demnach neue Anleihen des Schuldenstaates kaufen, wenn die alten Papiere auslaufen. Da die neuen Bonds eine längere Laufzeit hätten als die im Umlauf befindlichen Papiere, käme dies einem Zahlungsaufschub für Griechenland gleich - ohne den Schuldenstand zu reduzieren.

Die Finanzaufsicht Bafin hat indes offenbar sechs große Banken hinsichtlich ihrer gruppenweiten Risikosteuerung gemahnt. Die Finanzinstitute hätten eine "Vier" erhalten, die schlechteste Note, bevor die Bafin Sanktionen wie etwa Geldstrafen verhängt, berichtet die "Financial Times Deutschland". Nach Informationen der Zeitung verlangt die Bafin mindestens von einer Bank mehr Eigenkapital, falls die Mängel nicht innerhalb von drei Monaten behoben sind. Die Namen der Banken wurden nicht genannt.

Die Aufseher beklagen der Zeitung zufolge, dass die Institute ihre gruppenweiten Risiken nicht unter Kontrolle hätten. Moniert werde unter anderem, dass die Geldhäuser von zu positiven Annahmen ausgingen, die in konjunkturellen Abschwungphasen oder bei ungünstiger Marktentwicklung möglicherweise keinen Bestand hätten. Seit Dezember müssen Banken regelmäßig eine Art Inventur machen, um zu prüfen, ob neue Risiken hinzugekommen sind.

cr/rtr/dpa-afx

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