Northern Rock Britische Regierung plant Pleitebank-Verkauf

Schlussstrich unter einer Bankenrettung: Großbritannien will offenbar die verstaatlichte Krisenbank Northern Rock privatisieren. Die Zukunft des Instituts könnte dann ausgerechnet mit dem Geldhaus Lloyds verknüpft sein, das nach Medienberichten 15.000 Angestellte zusätzlich entlassen muss.
Britischer Schatzkanzler George Osborne: Will Bankhaus Northern Rock verkaufen

Britischer Schatzkanzler George Osborne: Will Bankhaus Northern Rock verkaufen

Foto: AFP

London - Die britische Regierung will einem Zeitungsbericht zufolge noch in dieser Woche Pläne für den Verkauf der Krisenbank Northern Rock bekannt geben. Schatzkanzler George Osborne wolle sein Vorhaben an diesem Mittwoch bekanntgeben, berichtete die "Sunday Times" unter Berufung auf Regierungskreise. Als wahrscheinlich gilt ein Verkauf des abgetrennten Einlagengeschäfts mit rund 70 Filialen. Die Bad Bank mit den Giftkrediten soll weiter beim Staat bleiben.

Die Deutsche Bank begleitet die Privatisierung der in der Finanzkrise verstaatlichten Bank. Pläne für einen Börsengang oder für eine Aktienvergabe an die Steuerzahler seien verworfen worden. Der zügige Verkauf sei die kostengünstigtse Option.

Northern Rock hatte im vergangenen Jahr einen Vorsteuerverlust von 232,4 Millionen Pfund (262,9 Millionen Euro) eingefahren, mit einer allerdings deutlich verbesserten Tendenz im zweiten Halbjahr. Die abgespaltene Bad Bank konnte überraschend ein Plus von 237 Millionen Pfund erwirtschaften.

Als Käufer für das Einlagengeschäft kommen mehrere Interessenten infrage. Virgin Money werden Pläne nachgesagt, Northern Rock mit zum Verkauf stehenden Lloyds-Filialen zu verschmelzen und eine neue Bank zu gründen. Die ebenfalls teilverstaatlichte Londoner Großbank Lloyds ist mittlerweile in die Gewinnzone zurückgekehrt.

Die Lloyds Banking Group muss einem Bericht der "Sunday Times" zufolge dennoch 15.000 weitere Stellen streichen. Die Jobkürzungen seien Teil eines Eine-Milliarde-Pfund-Sparplanes des neuen Vorstandschefs Antonio Horta-Osorio, schreibt die Zeitung. Er wolle seine Pläne am 30. Juni vorstellen.

Neben Hunderten Stellen im Londoner Hauptquartier sollen tausende Jobs in den Filialen in Großbritannien und im Ausland gestrichen werden. Lloyds hatte seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 und nach einem missglückten Übernahmemanöver der angeschlagenen HBOS bereits 28.000 Stellen abgebaut. Lloyds muss sich auf Direktive der Europäischen Kommission von mehr als 600 seiner Filialen trennen.

kst/dpa/dpa-afx
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