BayernLB Anklage gegen acht Ex-Vorstände

Der milliardenteure Fehlkauf der österreichischen Hypo Group Alpe Adria durch die bayerische Landesbank hat ein juristisches Nachspiel. Die Münchener Staatsanwaltschaft stellte in dieser Woche acht ehemaligen Vorständen der BayernLB Anklagen wegen Untreue und Korruption zu.
Nachwirkungen des HGGA-Debakels: Acht ehemalige Manager der BayernLB angeklagt

Nachwirkungen des HGGA-Debakels: Acht ehemalige Manager der BayernLB angeklagt

Foto: MICHAEL DALDER/ REUTERS

München - Ex-Bankchef Werner Schmidt und seine Kollegen sollen aus Profilierungssucht gehandelt haben, als sie die österreichische Bank 2007 für viel zu viel Geld kauften. Den Schaden für die BayernLB beziffert die Anklagebehörde auf 624 Millionen Euro.

Schmidts Verteidiger Klaus Volk bestätigte am Freitag der Nachrichtenagentur dpa den Eingang der Anklageschrift. Der Anwalt, der bereits Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Mannesmann-Prozess herauspaukte, wollte sich aber zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern.

Der Bundesverband deutscher Banken (BDB) stellte sich demonstrativ hinter Schmidts Nachfolger als Vorstandschef der BayernLB, den heutigen BDB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer: "Michael Kemmer hat die volle Unterstützung des Vorstandes und der Mitarbeiter des Bankenverbandes", betonte BDB-Präsident Andreas Schmidtz.

Kemmer ist der einzige der acht ehemaligen BayernLB-Vorstände, der noch ein öffentliches Amt hat. Aus dem Umfeld der Beschuldigten hieß es, die Anklageschrift habe "etwas Absurdes". So sieht die Staatsanwaltschaft ein Motiv für den überteuerten Kauf darin, dass der Vorstand der BayernLB nach der gescheiterten Übernahme der österreichischen Gewerkschaftsbank Bawag im Dezember 2006 eine Scharte auswetzen wollte.

Die Hypo Alpe Adria machte 3,7 Milliarden Euro Verlust, ehe die BayernLB sie 2009 für nur einen Euro an Österreich verkaufte. Die BayernLB, die zivilrechtliche Schadenersatzansprüche gegen die Ex-Vorstände prüft, wollte die Anklageerhebung zunächst nicht kommentieren.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" haben die Verteidiger nun sechs Wochen Zeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern und mögliche Einwände vorzubringen. Erst dann wird die sechste Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht München entscheiden, ob sie die Klage zulässt. Ein Prozess könnte im Herbst beginnen

mg/dpa-afx/dapd
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