US-Klage Super-Obama und die Deutsche Bank

Erst Goldman Sachs, jetzt die Deutsche Bank und Barack Obama im Superman-Kostüm: Die US-Medien berichten eingehend über die Milliardenklage der Regierung gegen Deutschlands größtes Geldhaus - und spekulieren, wie teuer das Verfahren für die Deutsche Bank wirklich werden könnte.
Von Markus Gärtner
US-Präsident Barack Obama: Klage gegen die Deutsche Bank zu seinen Gunsten bewertet

US-Präsident Barack Obama: Klage gegen die Deutsche Bank zu seinen Gunsten bewertet

Foto: AP

Vancouver - Auch in den USA schlug die Meldung am Dienstag wie eine Bombe ein. Die Klage der US-Regierung gegen die Deutsche Bank eroberte fast durchweg prominente Plätze auf den Nachrichtenseiten, selbst in den Flaggschiffen der amerikanischen Medienlandschaft.

Auch Amerikas größte Online-Zeitung, die Huffington Post, berichtete über die auf mehr als eine Milliarde Dollar dotierte Klage wegen "rücksichtsloser" Geschäftspraktiken. Die HuffPost platzierte den Bericht ganz oben auf ihrer ersten Business-Seite, direkt neben einer Ikone, die zum jüngsten Artikel über Osama bin Laden führte.

Bei Fox Business schaffte es die Klage, die bei einem US-Bezirksgericht in Manhattan eingereicht wurde, zügig bis auf die Homepage, vorübergehend sogar an die Spitze der Topmeldungen, neben einer Bilanz des zweiten Handelstages an der Wall Street in dieser Woche. Die Business Week würdigte die Klage als eine der Topmeldungen auf der ersten Seite, unterhalb einer goldgelb gebratenen Pommes, die für den US-Agrarkonzern Cargill - den zweitgrößten Rindfleisch-Verarbeiter des Landes - animierte Streckübungen auf einer Yoga-Matte machte.

Selbst im fernen Kanada nahm sich der Toronto Star, eine der drei führenden landesweiten Zeitungen, der Milliardenklage an. Und das auf der ersten Business-Seite, obwohl es der Tag nach der Parlamentswahl war, die der wirtschaftsfreundlichen Konservativen Partei eine absolute Mehrheit der Sitze bescherte und die politische Landschaft im Ahornland umpflügte. Der Zero Hedge-Blog, einer der Shooting-Stars in der Finanz-Berichterstattung der US-Online-Szene, berichtete aus der Klageschrift, derzufolge die Deutsche Bank bewusst und wiederholt falsche Angaben über Hypothekenkunden gemacht haben soll, um staatliche Garantien zu erschleichen und beim Weiterverkauf gut zu verdienen.

Reuters USA: Warnschuss an die Bankenbranche

"Hey, Goldman Sachs, geh mal zur Seite, hier kommt die Deutsche Bank", spielt Zero Hedge auf jene 550 Millionen Dollar an, die die amerikanische Investmentbank im vergangenen Jahr bei einem Vergleich mit ähnlichen Vorwürfen hinblättern musste. Dies war in der Berichterstattung der US-Medien am Dienstag der vielleicht konkreteste Hinweis, wie die anstehende rechtliche Auseinandersetzung für die Deutsche Bank in den USA ausgehen könnte. Zivilklagen werden in Amerika oft mit teuren Vergleichen außergerichtlich beigelegt.

"Das ist ein Warnschuss an die Bankenbranche, dass die USA sie ebenso gründlich durchleuchten will, wie ihre privaten Auftragsfirmen im Verteidigungs- und Gesundheitsbereich", zitierte Reuters USA den geschäftsführenden Partner der Kanzlei Stone & Magnanini in New Jersey, David Stone. Zu dieser Betrachtung passt die gestern in vielen Berichten geschilderte Vorgeschichte der Klage gegen die Deutsche Bank. Demnach geht sie auf jenen Bericht zurück, den der permanente Untersuchungs-Ausschuss des Senats Mitte April über die Rolle der Banken beim Kollaps des Immobilienmarktes vorlegte.

Die Rolle der Deutsche Bank wurde in dem Papier ausführlich in einem eigenen Kapitel gewürdigt. Der Ausschuss reichte den Bericht an das US-Justizministerium und die Börsenaufsicht weiter, damit rechtliche Schritte geprüft werden. Zero Hedge zitierte in diesem Zusammenhang den Ausschussvorsitzenden, Senator Carl Levin, vielsagend mit dessen Spitznamen "Shitty Deal Levin". Der Senator aus dem siechenden Auto-Staat Michigan ist von Beruf Jurist - und er hat bei den Recherchen für den Bericht viele zwielichtige Deals gesehen.

Die Berichte in der US-Presse waren ganz überwiegend sachlich, sie stellten die Position des deutschen Kreditinstituts meist mit Zitaten und der Begründung der Bank für ihre Absicht, sich juristisch zu wehren, dar. Das gilt bis hin zu dem Hinweis, 90 Prozent der Kredite, um die es in der Klage geht, seien ausgereicht worden, bevor die Deutsche Bank 2007 die ebenfalls verklagte US-Tochter MortgageIT - einen Hypothekenspezialisten - gekauft hat. Doch Zero Hedge berichtet unter Hinweis auf die Klage, ein Teil der beanstandeten Kredite sei bis zum Jahr 2009 vergeben worden.

Topthema Deutsche Bank trotzt Osama-bin-Laden-Berichte

Beachtlich bleibt, wie oft es die Klage trotz massiver Konkurrenz mit anderen wichtigen Themen auf derart prominente Nachrichtenplätze schaffte: Eskalierende Benzinpreise, die näheren Umstände des Todes von Osama bin Laden, Streit um den angeblichen Klassenkampf des Weißen Hauses gegen die Geld-Elite Amerikas sowie die anhaltende Schlammschlacht um ein Sparprogramm vor Erreichen der brisanten Schuldengrenze.

Die große Aufmerksamkeit hat natürlich damit zu tun, dass es diesmal nicht gegen eine US-Bank geht, sondern um ein europäisches Institut. Manche Meinungsäußerungen in US-Online-Foren werfen gar die Frage auf, ob die USA hier politisch motiviert gegen ein ausländisches Unternehmen vorgehen, wie vermeintlich im Falle Toyotas. Japans Autoprimus musste Anfang 2010 fast 9 Millionen Pkw zurückrufen, weil sich Fälle mehrten, in denen Fahrzeuge "überraschend beschleunigten". US-Medien peinigten den Autohersteller monatelang mit offenen und verdeckten Vorwürfen, während die USA mit Japans Regierung die Verlängerung des Leasing-Vertrages für die Militärbasis in Okinawa verhandelten.

Barack Obama im Superman-Kostüm

In den etablierten amerikanischen Medien wurden derartige Vermutungen nicht geäußert. Hier herrscht offenbar der Eindruck vor, dass es sich um eine Kampagne der Obama-Administration gegen die gesamte Bankenbranche handelt, die nichts mit dem Herkunftsland der Beschuldigten Geldhäuser zu tun hat. In der Tat erklärte US-Generalstaatsanwalt Eric Holder in einer Anhörung vor dem Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses am Dienstag, das Justizministerium habe "noch ein sehr aktives Programm laufen".

Für viele Blogs war die Klage ein gefundenes Fressen, auch für die optische Seiten-Aufbereitung. Die Webseite Godlike Productions, die sich auch mit Themen wie UFOs und Sex im Weltraum beschäftigt, zeigte Barack Obama in ihrem Bericht zu der Klage im Superman-Kostüm. Obama räkelte sich in Schwarzenegger-Pose und mit einem großen roten "O" statt dem Superman-"S" auf der Brust.

Beim Wirtschafts-Sender CNBC, der seit Sonntag intensiv rätselt, welchen Einfluss der Tod Osama bin Ladens auf die Kapitalmärkte hat, lief die Milliardenklage gegen die Deutsche Bank erst in der zweiten Reihe der Topnachrichten, hinter einem Bericht über "das nächste Google", einer Liste mit den meistgestohlenen Autos und Gerüchten, wie Hollywood wohl die Jagd auf Osama verfilmen wird.