US-Klage Deutsche Bank am Pranger

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind kein geeignetes Opfer für einen miesen Deal. Wer dort Geschäfte machen will, tut gut daran, sich mit der amerikanischen Regierung gut zu stellen.
Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Die USA haben Deutschlands größtes Geldhaus verklagt

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Die USA haben Deutschlands größtes Geldhaus verklagt

Foto: DDP

Hamburg - Denn kaum etwas oder jemand wird in deutschen Vorstandsetagen so sehr gefürchtet wie US-Staatsanwälte und die US-Börsenaufsicht SEC. Großkonzerne wie Siemens oder Daimler haben bereits schmerzhafte Erfahrungen mit der Härte der US-Justiz gemacht.

Sehr misslich für die Deutsche Bank  ist es daher, dass die US-Regierung am 3. Mai beim Bezirksgericht in Manhattan eine Zivilklage gegen den Dax-Konzern einreichte. US-Staatsanwalt Preet Bharara wirft der Bank vor, sich Regierungsbürgschaften für Hypotheken erschlichen zu haben.

Dabei geht es um Immobilienkredite aus den Jahren 1999 bis 2009 der Tochter MortgageIT, die der deutsche Konzern erst 2007 gekauft hat. Die Deutsche Bank habe am Weiterverkauf der Hypotheken verdient "und kaum finanzielle Anreize gehabt, um die Qualität der abgesicherten Kredite zu sichern", heißt es in der Klageschrift. Die Klage entbehre jeder Grundlage, teilte die Deutsche Bank mit und kündigte an, sch mit allen rechtlichen Mitteln dagegen zur Wehr zu setzen.

Die USA dagegen sprechen angesichts zahlreicher fauler Kredite von Betrug und fordern Schadenersatz sowie eine abschreckende Geldstrafe. Die Regierung möchte die Bank für Kreditausfälle von bislang 386 Millionen Euro verantwortlich machen. Einschließlich der Strafe droht der Bank eine Belastung von mehr als einer Milliarde Euro. Solch ein Rückschlag würde es Bankchef Josef Ackermann deutlich erschweren, das selbst gesteckte Ziel von zehn Milliarden Euro Jahresgewinn 2011 zu erreichen. Schon eine viel geringere Strafe von einigen hundert Millionen Euro wäre schmerzhaft.

Deutsche Bank in der Dauerkritik

Doch es geht um mehr als um eine rechtliche Auseinandersetzung. Denn niemand kann beziffern, wie hoch die indirekten Kosten wären, falls die Deutsche Bank bei der US-Regierung dauerhaft in Ungnade fallen sollte. Es steht viel auf dem Spiel: Die Deutsche Bank hat längst den Aufstieg zu einem der wenigen großen Akteure an der Wall Street geschafft und erzielt dort einen erheblichen Teil ihres Konzerngewinns.

Bedrohlich ist die Klage auch, weil sie nur ein Teil der Bemühungen des US-Staates ist, die Deutsche Bank und andere Investmentbanken für ihre Rolle als Mitverursacher der Finanzkrise an den Pranger zu stellen. Für ihre Rolle bei der Entstehung der Krise wurde die von Ackermann geführte Bank erst im April in einem Bericht des US-Senats harsch kritisiert. Dieser Senatsbericht und die Klage der Staatsanwaltschaft zerstören das gern präsentierte Image der Bank als Gewinner der Finanzkrise und beschädigen ihr Ansehen auf einem der wichtigsten Märkte.

In der Tat: Der Dax-Konzern hat erheblich von Geschäften profitiert, die zu den Hauptverursachern der Finanzkrise zählen. Die Deutsche Bank gab hochriskante Immobilienkredit-Pakete noch kurz vor dem Crash an Geschäftspartner und Kunden ab.

Ebenfalls gut belegt ist, dass die Bank zur gleichen Zeit bereits auf einen Kollaps des US-Immobilienmarkts wettete. Durch diese Wetten reduzierte die Bank ihre Verluste aus anderen Immobilienkreditgeschäften auf 4,5 Milliarden Dollar, als der Crash am Häusermarkt kam.

Seltsame Doppelrolle

Kein Wunder also, das US-Senat und US-Staatsanwälte verärgert sind: Während die Deutsche-Bank-Tochter MortgageIT Immobilienkredite an den US-Staat weiterreichte, um sie gegen Verluste zu versichern, tourte ein leitender Angestellter der Deutschen Bank durch die USA und erklärte jedem, der es hören wollte, mit Hilfe einer fast 40-seitigen Power-Point-Präsentation, warum der Immobilienkredit-Boom bald in einem Crash enden werde. Bei Dutzenden Hedgefonds hielt Deutsche-Bank-Wertpapierhändler Greg Lippmann seine Präsentation, um sie zu Wetten auf einen Crash zu animieren.

Die Hedgefonds hatten vor allem eine Frage: "Wer ist der Idiot, wer steht auf der anderen Seite?" Wer konnte derart ahnungslos sein, eine solche Wette einzugehen? Deutsche-Bank-Manager Lippmanns Antwort auf die Frage, wer dieser Idiot sei: "Düsseldorf. Dumme Deutsche. Die nehmen die Ratingagenturen ernst. Die glauben an die Regeln." In Düsseldorf sitzt die Bank IKB, die wegen ihrer Fehlspekulationen mit Immobilienkrediten vor dem Ruin stand und mit Steuergeldern gerettet wurde. Diese Dialoge zwischen Lippmann und Hedgefonds-Kunden überliefert der Finanzbuch-Autor Michael Lewis in seinem Buch "The Big Short", lange bevor der US-Senat seinen Bericht oder die Staatsanwaltschaft ihre Klage präsentierten.

Offenbar aber saßen nicht alle Idioten in Düsseldorf. Und anscheinend ist nicht jeder bereit, die Wall-Street-Weisheit zu akzeptieren, dass zu jedem Deal nun einmal ein smarter Gewinner gehört und eben auch ein Idiot, der Geld verliert. Besonders nicht die US-Staatsanwaltschaft und der US-Senat, wenn es um amerikanische Steuergelder geht - und falls tatsächlich Vorschriften verletzt wurden.

Die immer lautere Kritik aus Übersee dürfte in der Frankfurter Taunusanlage höchste Alarmbereitschaft auslösen. Denn wer in den USA weiter gute Geschäfte machen will, darf die Regierung nicht zum Feind haben.

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