Verhandlungen mit LGT Deutsche Bank scheitert mit BHF-Verkauf

Die Deutsche Bank bleibt überraschend auf der BHF-Bank sitzen. Die Schuld an dem Platzen des Verkaufs an die Liechtensteiner LGT-Bank gibt Deutschlands größtes Geldhaus den Aufsichtsbehörden. Nun will der Konzern die BHF-Bank selbst behalten.
BHF-Bank in Frankfurt: Gehört seit 2009 zur Deutschen Bank

BHF-Bank in Frankfurt: Gehört seit 2009 zur Deutschen Bank

Foto: BHF-BANK

Frankfurt am Main - Der Verkauf der mit Sal. Oppenheim übernommenen Tochter BHF an die liechtensteinische Fürstenbank LGT sei geplatzt, obwohl ein unterschriftsreifer Vertrag vorgelegen habe, teilte die Deutsche Bank mit. Als Grund führt das größte deutsche Bankhaus den Widerstand der Aufsichtsbehörden an. "Beide Institute hatten bereits Einigkeit über die Veräußerung der BHF-Bank erzielt", erklärte die Bank.

Einen neuen Anlauf zum Verkauf will die Deutsche Bank nicht nehmen. Stattdessen soll die 1500 Mitarbeiter zählende BHF-Bank enger in den Konzern eingebunden und - wie das auch die LGT geplant hätte - noch stärker auf das Geschäft mit wohlhabenden Kunden und mittelständischen Firmen ausgerichtet werden.

Die BHF verwaltet Vermögen von mehr als 40 Milliarden Euro. Der Eigenhandel, das Investmentbanking und das große internationale Kreditgeschäft dürften damit wohl keine Zukunft haben. Das Institut war der Deutschen Bank zugefallen, als sie 2009 die in Schwierigkeiten geratene Kölner Privatbank Sal. Oppenheim übernommen hatte, zu der die BHF-Bank gehörte. Früher galt das Geldhaus als Kaderschmiede des deutschen Bankier-Nachwuchses.

Der Verkaufsprozess hatte sich schon länger hingezogen als erwartet. Eigentlich wollte die Deutsche Bank die BHF-Bank schon im vergangenen Jahr komplett verkauft haben und damit einen Großteil des Kaufpreises von rund einer Milliarde Euro für die angeschlagene Kölner Privatbank Sal. Oppenheim finanzieren. Über Eckpunkte hatte man sich kurz vor Weihnachten noch verständigt.

LGT hatte offenbar nur noch 400 Millionen Euro geboten

Doch der Poker um die Übernahme der Kosten und Risiken, die weder Käufer noch Verkäufer tragen wollten, dauerte länger als geplant. "Der Teufel steckt im Detail", hatte es vor zwei Wochen in Verhandlungskreisen geheißen.

Vom Ziel eines Erlöses in Höhe des Buchwerts der BHF-Bank von rund 650 Millionen Euro hatte sich die Deutsche Bank längst verabschieden müssen. Zuletzt hatte die Fürstenbank LGT Kreisen zufolge knapp 400 Millionen Euro geboten. Sie wollte sich mit der BHF-Bank in Deutschland etablieren, nachdem es schwieriger geworden war, deutsche Millionäre nach Liechtenstein zu locken. Sie wollte auch die Marke BHF erhalten, nachdem der eigene Name in Deutschland mit dem Steuerskandal um den früheren Post-Chef Klaus Zumwinkel in Misskredit geraten war.

Für die Belegschaft der BHF-Bank hält die Unsicherheit an. Vor zwei Monaten hatte die Deutsche Bank noch allen Mitarbeitern des Frankfurter Instituts eine Beschäftigungsgarantie gegeben, wenn sie nicht mit zu LGT wechseln könnten: "Es ist vorgesehen, Mitarbeitern der BHF-Bank, die gegebenenfalls von der laufenden Transformation betroffen sind, ein Angebot zur Weiterbeschäftigung bei der Deutschen Bank zu unterbreiten." Ob dies auch unter den neuen Umständen so sein wird, ließ die Bank am Montag offen. Gewerkschafter hatten nach der Übernahme einen Kahlschlag befürchtet. Vor allem die Informationstechnik der BHF gilt als veraltet.

mg/dpa-afx/rtr/dapd
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