WestLB-Einigung Die Verschwundbank-Lösung

Nach monatelangem Hin und Her präsentieren die WestLB-Eigner nun endlich eine Lösung für ihr marodes Geldinstitut. Es soll zur Verbundbank schrumpfen. Was zukunftsträchtig klingt, kommt einer Abwicklung gleich - und wird noch monatelang für Streit sorgen.
Container-Lösung: Die WestLB-Eigentümer wollen die marode Landesbank zur Verbundbank zurechtstutzen, Teile verkaufen und den Rest in ihre Bad Bank auslagern. Das dürfte teuer werden.

Container-Lösung: Die WestLB-Eigentümer wollen die marode Landesbank zur Verbundbank zurechtstutzen, Teile verkaufen und den Rest in ihre Bad Bank auslagern. Das dürfte teuer werden.

Foto: Martin Gerten/ dpa

Hamburg - Die Zukunft der WestLB liegt in drei Containern - und diese haben nichts mit der verschachtelten Bauweise der Landesbank-Zentrale in Düsseldorf zu tun. Wenige Stunden vor Ablauf der Frist, die EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia den Anteilseignern der angeschlagenen Landesbank gesetzt hat, legte sich Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans öffentlich fest. "Wir wollen das Verbundbankmodell vorantreiben", sagte er dem "Handelsblatt".

Im Klartext heißt dies: die WestLB wird in drei Teile aufgeteilt, die von Sanierern auch als "Container" bezeichnet werden. Der kleinste Teil, die Verbundbank, wird den Sparkassen gehören. Sie soll den Zahlungsverkehr zwischen den öffentlich-rechtlichen Instituten sicherstellen und Mittelstandskredite vergeben. Rund 45 Milliarden Euro der Bilanzsumme soll dieser Rest aufweisen, ein Fünftel der heutigen Bank. Die Servicebank soll mit 600 bis 1000 Mitarbeitern auskommen.

Abgestoßen werden jene Teilbereiche der WestLB, die sich vergleichsweise leicht aus der Landesbank herauslösen lassen. "Die Projektfinanzierung ist ein Bestandteil, der sich gut verkaufen lässt", sagte ein mit dem Verkaufsprozess vertrauter Insider gegenüber manager magazin. Andere Teile sollen dann "wie im Bauchladen" möglichen Investoren angedient werden.

Bad Bank bläht sich kräftig auf

Der Großteil des früheren Geschäfts wird voraussichtlich in die Abwicklungsanstalt der WestLB, die sogenannte Bad Bank, wandern. Deren bisherige Bilanzsumme beträgt 77 Milliarden Euro. Experten gehen davon aus, dass dort weitere 100 Milliarden Euro an Volumen hinzukommen. Dazu dürfte ein Großteil des bisherigen Kapitalmarktgeschäfts zählen und vermutlich auch die Immobilientochter Westimmo. Die Landesbanker hatten auf Druck der EU bereits versucht, die Immobiliensparte der WestLB loszuwerden. Doch die Angebote waren zu niedrig und unter Buchwert, der Verkauf scheiterte - und die Westimmo wird wohl auch im großen WestLB-Teilebasar nicht leicht verkäuflich sein.

Die alte WestLB bleibt dabei als dritter Container bestehen. Das hat juristische Gründe: Insidern zufolge hat die WestLB vereinzelt Verträge mit ausländischen Investoren abgeschlossen, die es nicht erlauben, dass die Bank rechtlich verändert wird. Sie soll aber als reine Serviceeinheit fungieren und Back-Office-Aufgaben für die Abwicklungsanstalt übernehmen.

Vollkommen sicher ist das alles noch nicht. Denn nun ist die EU-Kommission am Zug: Sie muss entscheiden, ob sie das Verbundbank-Modell billigt. "Wenn der Plan für eine Verbundbank unseren Vorstellungen entspricht, wird es eine positive Entscheidung geben", sagte ein europäischer Wettbewerbshüter heute. Eine Ablehnung der Pläne durch EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia ist aber unwahrscheinlich. Denn Almunia hatte hinter den Kulissen immer wieder kritisiert, dass die beiden anderen Vorschläge der WestLB-Eigentümer - eine weitere Verkleinerung der Bank oder der Komplettverkauf - nicht tragfähig seien.

"Das ist eine Form der Abwicklung"

Die Probleme der Landesbank sind mit dieser angeblichen Lösung aber nicht beseitigt. "Das Wort Verbundlösung ist ein Euphemismus, wenn man eine Bank von 12.000 auf 1000 Mitarbeiter zurückstutzt", meint ein weiterer Brancheninsider gegenüber manager magazin. "Das ist eine Form der Abwicklung".

Für die Verbundbank sieht er gute Überlebenschancen. Da sie gänzlich den Sparkassen gehören wird, werden sie auch Kapital in den kümmerlichen WestLB-Rest hineinstecken. Doch für die Verkaufspläne der Teilsparten sieht er schwarz: "Keiner sollte die Illusion haben, dass da großartige Erträge herauskommen", warnt der Insider. So werde kaum möglich sein, das Zertifikategeschäft allein zu verkaufen. Denn dieses Geschäftsfeld benötige eine aufwendige Infrastruktur, die sich nur sehr schwer vom bisherigen IT-Abwicklungssystem der WestLB trennen lässt.

Das Abschieben in die Bad Bank gibt es auch nicht zum Nulltarif. Bei einer Ausweitung benötigt die Abwicklungsanstalt neue Garantien, die über die bisher gesicherten 14 Milliarden Euro hinausgehen werden.

Am besten kommt der Bund weg, der seine bisherige stille WestLB-Einlage über drei Milliarden Euro in die Abwicklungsbank überträgt. Für die bereits bestehende Haftung über 4,5 Milliarden Euro an der Bad Bank bilden die beteiligten Sparkassen, der Rheinische Sparkassenverband und der Sparkassenverband Westfalen-Lippe, in den kommenden Jahren Rücklagen. Weitere Rückstellungen, hört man aus dem Umfeld der Verbände, werden kaum notwendig sein, weil der Buchwert der WestLB sehr weit abgeschrieben ist.

Kosten für Restrukturierung wurden bisher vernachlässigt

Teuer wird das WestLB-Debakel für das Land Nordrhein-Westfalen (NRW). Bislang musste NRW 33,5 Milliarden Euro abschreiben für alte Verpflichtungen der WestLB, dazu kommen weitere zwei Milliarden für freigestellte WestLB-Mitarbeiter, die in den Landesdienst zurückkehren. Über die neuen Belastungen, die durch den Teilverkauf und Verbundbank hinzukommen, hat sich das Land NRW noch nicht geäußert.

Wer nun die Restrukturierung zahlt, werde für die WestLB in den kommenden Monaten das Hauptthema werden, meint der Branchenkenner. Die Frage der Pensionszahlungen für die einst 10.000 Mitarbeiter sei noch völlig ungeklärt. Da gehe es um Beträge in Milliardenhöhe, für die der Bund nicht in die Bresche springen werde. Dafür werden die Eigentümer, das Land NRW und die beteiligten Sparkassen, geradestehen müssen. Dazu gibt es noch hohe Abschreibungen auf IT-Systeme, die nun von den Anforderungen einer Universalbank auf Verbundbank-Niveau geschrumpft werden müssen.

Diese Gemengelage wird das Land NRW und die Medien noch über Monate hinweg beschäftigen. Auch die Sparkassen werden die Entwicklungen in der Düsseldorfer WestLB-Zentrale mit Argusaugen betrachten. Denn die EU entscheidet am Ende darüber, ob noch weitere deutsche Landesinstitute verkauft werden müssen.

Und so ist das Schicksal, das die WestLB nun ereilt, möglicherweise eine Blaupause. Denkbar wäre es, dass sich die an der Verbundbank beteiligten Sparkassenverbände zu einer größeren Einheit zusammenschließen. Und das könnte in einem nächsten Schritt zur oft geforderten Neuordnung im Sparkassen- und Landesbankensektor führen. Jene Sparkassenverbände, die nicht zur NRW-Verbundbank gehören, sollten genau hinsehen: "Das kann ein Menetekel sein, was passieren kann", warnt der Brancheninsider.

Verbundbankmodell: WestLB soll zerschlagen werden

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