Renditevorgabe Ex-IWF-Chefökonom hält Ackermann für gefährlich

Scharfe Kritik am Deutsche-Bank-Chef: Der frühere IWF-Chefökonom Simon Johnson hält Josef Ackermann für "einen der gefährlichsten Bankmanager der Welt". Seine hohen Renditeziel ermögliche allein der deutsche Steuerzahler - weil er notfalls für eine Pleite des Riesengeldhauses hafte.
Deutsche-Bank-Chef Ackermann: "Das klassische Rezept für eine neue Krise"

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: "Das klassische Rezept für eine neue Krise"

Foto: Arne Dedert/ picture alliance / dpa

Berlin - Keine Zahl verbindet sich so mit Josef Ackermann wie die 25: So hoch, predigte der Deutsche-Bank-Chef jahrelang, sollte die Eigenkapitalrendite seines Instituts sein. Der Schweizer erklärte das umstrittene Ziel zwar zuletzt selbst für unerreichbar, aber nur weil strengere Regulierungen den Gewinn der Banken schmälerten. Grundsätzlich hält Ackermann an der Vorgabe fest.

Für diese Einstellung wird der Banker nun auch aus den USA kritisiert: Der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), Simon Johnson, bezeichnete den Deutsche-Bank-Chef als "einen der gefährlichsten Bankmanager der Welt". Die von Ackermann angepeilte Rendite sei nur möglich, "weil er genau weiß, dass die Deutsche Bank ein Systemrisiko darstellt und daher von den Steuerzahlern gerettet würde, falls ein Konkurs droht", sagte Johnson der "Tageszeitung" ("taz").

Johnson, der anderthalb Jahre Chefökonom des IWF war und heute am renommierten MIT-Institut lehrt, gilt als Experte für Finanzkrisen. Eine neue Krise droht seiner Ansicht nach, falls die Eigenkapitalregeln für Banken nicht deutlich verschärft werden. Das internationale Abkommen Basel III reiche dafür nicht aus: "Wenn das Finanzsystem sicher sein soll, muss das Eigenkapital bei 20 bis 45 Prozent der Bilanzsumme liegen", sagte er der "taz". Die Deutsche Bank komme derzeit nur auf vier Prozent.

Von strengeren Regeln sehen die Bankenaufseher laut Johnson jedoch ab, weil sie glaubten, dass große Wirtschaftsnationen große Banken benötigten, die nicht zu sehr reguliert werden dürften. Für die Banken sei das ein Freibrief. Sie gingen "waghalsige Risiken ein, indem sie enorme Kredite aufnehmen, denen kaum Eigenkapital entgegensteht". Die Absicherung übernehme der Steuerzahler - laut Johnson "das klassische Rezept für eine neue Krise".

Auch unter Branchenkollegen und Politikern ist Ackermanns Vorgabe seit langem umstritten - nicht zuletzt, weil sie weit entfernt ist von den Gewinnspannen in anderen Wirtschaftszweigen. "Dass Banken und Kapitalanleger eine Rendite von 25 Prozent erwarten, während Kunden und Firmen keine zehn Prozent erwirtschaften, muss schiefgehen", sagte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier bereits 2008.

Die Eigenkapitalrendite berechnet sich, indem der Gewinn durch das eingesetzte Kapital geteilt wird.

dab/afp
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