Prozess gegen Deutsche Bank Kirch sagt gegen Breuer aus

Erstmals seit fast zehn Jahren sind der ehemalige Medienzar Leo Kirch und Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer, den Kirch für den Zusammenbruch seines Imperiums verantwortlich macht, wieder aufeinandergetroffen. Ein Vergleich in dem erbittert geführten Rechtsstreit ist weiterhin nicht in Sicht.
Showdown vor Gericht: Leo Kirch (l.) und der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Rolf-Ernst Breuer (r.)

Showdown vor Gericht: Leo Kirch (l.) und der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Rolf-Ernst Breuer (r.)

Foto: dapd

München - Kirch und Breuer würdigen sich im Gerichtssaal keines Blickes, obwohl sie nur knapp zwei Meter voneinander entfernt saßen. Keiner ging auf den anderen zu - ein Vergleich in dem erbittert geführten Rechtsstreit zwischen Deutschlands größter Bank und Kirch ist damit weiterhin nicht in Sicht.

Der 84-jährige Kirch, der seit Jahrzehnten zuckerkrank ist, kaum noch sehen kann und dessen Stimmbänder in Mitleidenschaft gezogen sind, wurde in einem Rollstuhl in das Oberlandesgericht München geschoben.

Kirch wirkte angeschlagen. Er habe Probleme zu sprechen. Daher habe er eine Vertraute mitgebracht, die ihm helfe, erklärte der Unternehmer, der lange mit Spielfilmrechten, frei empfangbaren TV-Sendern wie ProSieben sowie dem Pay-Sender Premiere - heute Sky Deutschland - Geschäfte gemacht hat.

Kirch wirft dem Frankfurter Geldhaus vor, 2002 durch ein TV-Interview die Insolvenz seiner Gruppe herbeigeführt zu haben. Darin hatte Breuer über die Kreditwürdigkeit Kirchs gesagt: "Was man alles lesen und hören kann ist, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder Eigenmittel zur Verfügung zu stellen."

Danach haben aus Kirch-Sicht die Banken den Geldhahn zugedreht. Seither überzieht er die Deutsche Bank mit Klagen und fordert Schadenersatz in Milliardenhöhe. Im aktuellen Verfahrensstrang geht es um rund zwei Milliarden Euro. Breuer bedauerte zuletzt seine Aussagen, bezeichnete sie als "Unfall". Die Kirch-Gruppe sei aber wegen unternehmerischer Fehlentscheidungen und ihrer hohen Schulden kollabiert. Durch das Interview ist Kirch aus Sicht der Bank keinerlei Schaden entstanden.

Kirch: Über engere Zusammenarbeit gesprochen

Kirch ließ vor Gericht eine Erklärung verlesen. Demnach sei mit Breuer vor dem besagten Interview über eine intensivere Geschäftsbeziehung gesprochen worden. Dabei sei es um die Möglichkeit gegangen, dass die Deutsche Bank zur Hausbank Kirchs werde. Die Initiative sei von der Bank ausgegangen.

Die Frage, wie intensiv die Geschäftsbeziehung beider Unternehmen war, ist einer der Knackpunkte in dem Prozess. Sollte eine Art Vorvertrag bestanden haben, lässt sich daraus eine Loyalitätspflicht ableiten. Nach über einer Stunde wurde die Befragung Kirchs aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen, soll aber fortgesetzt werden. Die Deutsche Bank hatte keine Möglichkeit für Fragen.

Auch der Kirch-Vertraute Dieter Hahn sagte aus, Breuer und Michael Cohrs, damals einer der wichtigsten Investmentbanker des Hauses, hätten im Frühjahr 2001 deutlich gemacht, umfassender ins Geschäft kommen zu wollen. Allerdings sei dies innerhalb der Bank umstritten gewesen, beide wollten das aber ändern. Bei Kapitalmarkttransaktionen wie Börsengängen von Kirch-Firmen habe die Bank mitmischen wollen. Breuer und Cohrs hätten für solche Deals jedoch mehr Transparenz angemahnt.

Aus Kirch-Sicht hätte es dann aber auch Kreditzusagen geben müssen. Bisher hat sich der Dax-Konzern mit seiner Sichtweise meist vor Gericht durchgesetzt. Allerdings hat der Bundesgerichtshof (BGH) eine allgemeine Pflichtverletzung Breuers festgestellt und den Fall wieder an niedrigere Gerichte zurückverwiesen, um die Details zu klären.

la/reuters