Hypo Real Estate Better gar nicht kleinlaut

Die skandalumwobene Hypo Real Estate ist zwar nur noch ein Schatten ihrer selbst. Doch HRE-Chefin Manuela Better glaubt gute Chancen zu haben, der Zerschlagung zu entkommen. Die Gespräche mit dem EU-Wettbewerbskommissar werden als "äußerst konstruktiv" bezeichnet.
Von Cornelia Knust
Teilt vorsichtig Hoffnung aus: HRE-Vorstandschefin Manuela Better

Teilt vorsichtig Hoffnung aus: HRE-Vorstandschefin Manuela Better

Foto: Andreas Gebert/ dpa

München - Manuela Better spricht von acht Milliarden Euro Neugeschäft in diesem Jahr, von Kapitalmarktfähigkeit, von der Privatisierung der Bank als wertmaximierender Option mit Blick auf den Eigentümer, also der Bundesrepublik Deutschland. Die Vorstandsvorsitzende der im Herbst 2009 verstaatlichten Bank wirkt stets äußerst kontrolliert und sehr zurückhaltend. Doch bei der Vorlage erster Jahreszahlen scheint doch ein wenig Stolz durch, dass sie mit der ihr anvertrauten Problembank überhaupt so weit gekommen ist.

Von der Bilanzsumme der einstigen HRE (420 Milliarden Euro) ist - nach Restrukturierung und Übertragung aller unerwünschten Aktiva an eine Bad Bank - zwar gerade ein Viertel übrig geblieben. Und in die Zone operativer Gewinne ist die HRE erst im letzten Quartal 2010 zurückgekehrt (268 Millionen Euro).

Dennoch wagt Better für das Gesamtjahr 2011 die Prognose eines "positiven Ergebnisses", zumindest für die Kernbank, die als Deutsche Pfandbriefbank (PBB) firmiert, und die als einzige der Gesellschaften noch mehr macht als "Abwickeln". Hier dürfte es sich aber nur um einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag handeln, wie Finanzvorstand Alexander von Uslar andeutete.

Keine Überraschungen beim Beihilfeverfahren?

Die Bad Bank, die als FMS Wertmanagement in München firmiert und im Oktober 2010 Vermögensgegenstände im Wert von 173 Milliarden Euro von der HRE erhalten hat, ist derzeit noch mit der Bewertung dieser Aktiva beschäftigt. Diese Bewertung vollzieht sich nicht mehr unter dem Druck des aktuellen Marktgeschehens, sondern unter der Annahme, dass die Aktiva zehn Jahre gehalten werden. Fraglich bleibt, inwieweit bei der Verwertung dieser Aktiva unter dem Strich ein Gewinn oder Verlust erzielt wird.

Besonders kritisch ist der Punkt, inwieweit die Übertragung der unbrauchbaren Aktiva von der EU-Wettbewerbskommission als staatliche Beihilfe gewertet werden wird und, wenn ja, in welcher Höhe. Dazu hatte es im Februar heftige Spekulationen gegeben. Frau Better sagte, sie habe keine Erkenntnisse zur Festlegung des Beihilfewertes, fügte aber hinzu: "Wir erwarten keine großen Überraschungen".

Selbstbewusst erklärte sie zudem, ihr Haus habe die zu erwartenden Auflagen der EU schon größtenteils umgesetzt, "anders als Wettbewerber". Sie bestätigte allerdings, dass es in den Gesprächen mit Kommissar Joaquin Almunia derzeit um den künftigen Zuschnitt des Geschäftsfelds "Staatsfinanzierung" geht.

Dieser Bereich sei bei der PBB mit 59 Milliarden Euro im Bestand viel größer als das zweite Standbein Immobilienfinanzierung (26 Milliarden Euro), erläuterte Better am Rande der Pressekonferenz in München. Gemessen am Ertrag sei die Immobilienfinanzierung bedeutender. Better sagte, für die Zukunft der Bank sei es wichtig, zwei Produktstandbeine zu haben. Man konnte sie so verstehen, als sei sie zuversichtlich, dass Brüssel nicht die komplette Aufgabe der Staatsfinanzierung zur Auflage macht, sondern nur eine gewisse Eingrenzung.

7,4 Milliarden Euro Staatshilfe geflossen

Etwas weniger dramatisch ist auch die aktuelle Rechnung dazu, welche Summen die Rettung der HRE bisher an Steuergeldern verschlungen hat. Die staatlichen Garantien über 124 Milliarden Euro sind mit den Auslagerungen in die Bad Bank hinfällig geworden, da sich die FMS als staatliche Behörde problemlos am Geldmarkt, also bei der Europäischen Zentralbank refinanzieren kann. Weil sie keine Bank ist, läuft das allerdings noch über die HRE und damit durch deren Bücher.

Die 10 Milliarden Euro an Kapital, die der Bank vom Bankenrettungsfonds Soffin zugesprochen wurde, seien bislang 7,4 Milliarden Euro an die HRE geflossen. Eine halbe Milliarde steht noch aus. Der Rest geht direkt an die FMS. Umgekehrt habe die HRE für die Garantien Gebühren von 1,2 Milliarden Euro an die Bundesrepublik Deutschland gezahlt, berichtete der Vorstand.

Depfa muss bei der Bad Bank nachzahlen

Außerdem werde der Soffin vermutlich eine Überweisung von 1,6 Milliarden Euro Überweisung von der irischen Tochter Depfa plc. an die FMS anordnen, weil deren Eigenkapital durch die Übertragung von Schrottpapieren auf die Bad Bank besonders stark entlastet worden ist, wie von Uslar erläuterte (ihre Assets haben sich von 102 auf unter 10 Milliarden Euro reduziert). Nach dieser Überweisung hätte die Depfa noch 2,4 Milliarden Euro Eigenkapital in den Büchern, die HRE als Holding rund 1 Milliarde und die PBB 3 Milliarden.

Falls die Reprivatisierung von Seiten der EU mit einer zeitlichen Auflage versehen sein sollte, scheint es fraglich, ob aus dem Verkauf der HRE und ihrer Töchter ein Erlös erzielt werden kann. Zum Wert der Bank wollte sich der Vorstand nicht äußern. Von Uslar sagte, das Neugeschäft der PBB solle ab 2012 schneller wachsen und eine Rendite von mindestens 8 Prozent nach Steuern müsse mittelfristig das Ziel sein.

Auf dem Weg dahin habe sie drei gleichberechtigte Prioritäten, sagte Frau Better: die eigene Platzierungskraft auf dem Pfandbriefmarkt sichern, Kunden gewinnen und die Mannschaft stärken. "Die Mitarbeiter sind psychisch und physisch über Monate an ihre Grenze gegangen", sagte Frau Better und sprach ihnen ihre Anerkennung aus. "Jetzt müssen wir uns stärker anstrengen, sie für uns zu gewinnen."

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