Aufsichtsrat Deutsche Bank holt britische "Superwoman"

Katherine Garrett-Cox, designierte Aufsichtsrätin der Deutschen Bank, wurde in ihrer Heimat schon mal als "Superwoman" bejubelt. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben wird die Suche nach einem Nachfolger für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sein.
Von Ulric Papendick
Künftige Aufsichtsrätin der Deutschen Bank: Katherine Garrett-Cox, Chefin der britischen Fondsgesellschaft Alliance Trust, soll bei der Suche nach einem Ackermann-Nachfolger helfen

Künftige Aufsichtsrätin der Deutschen Bank: Katherine Garrett-Cox, Chefin der britischen Fondsgesellschaft Alliance Trust, soll bei der Suche nach einem Ackermann-Nachfolger helfen

Hamburg - Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank spiegelt von jeher die enge Vernetzung des größten deutschen Geldinstituts mit seiner industriellen Kundschaft wider. So auch in seiner heutigen Zusammensetzung: Zu den Kontrolleuren der Bank gehören Eon-Lenker Johannes Teyssen (51), der frühere SAP-Chef Henning Kagermann (63) und Werner Wenning (64), bis vor wenigen Monaten Frontmann des Pharmariesen Bayer.

Alles gestandene Manager fortgeschrittenen Alters. Alle männlich. Vor diesem Hintergrund kommt es schon einer kleinen Revolution gleich, dass die Deutsche Bank ihren Aktionären auf der diesjährigen Hauptversammlung ein neues Mitglied für das Kontrollgremium vorschlagen will: Katherine Garrett-Cox, Britin, 43 Jahre jung. Die Chefin der börsennotierten Investmentfirma Alliance Trust aus Dundee im Norden Großbritanniens ist einer der wenigen weiblichen Firmenchefs im Mutterland des Kapitalismus und gilt dort als Vorzeigemanagerin.

Das Kontrollmandat bei der Deutschen Bank ist Garrett-Cox' erster Aufsichtsratsposten - augenscheinlich ein guter Fang für Deutsche-Bank- Oberaufseher Clemens Börsig (62), der angesichts der Debatte um die mangelnde Vertretung weiblicher Topmanager in deutschen Chefetagen seit Monaten auf der Suche nach einer passenden Kandidatin war.

Immerhin leitete Garrett-Cox bereits im Alter von 26 ein Aktienhandelsteam einer Londoner Privatbank; in der britischen Presse wurde sie auch schon mal als "Superwoman" und "Katherine the Great" bejubelt. Die Mutter von vier kleinen Kindern, die ursprünglich Schauspielerin werden wollte, war bereits bei mehreren Investmentfirmen in führender Position tätig.

Im Aufsichtsrat der Deutschen Bank soll Garrett-Cox ihren Landsmann Sir Peter Job (69) ersetzen. Die 43-Jährige soll auf der Hauptversammlung am 26. Mai gewählt werden, wie das Institut am Freitag mitteilte. Job, der frühere Chef der Nachrichtenagentur Reuters, scheidet nach einem Jahrzehnt als Kontrolleur der Deutschen Bank altersbedingt aus dem Gremium aus.

Neben dem Franzosen Maurice Lévy (69) und der Kanadierin Suzanne Labarge (64) wird die Britin Garrett-Cox die einzige Ausländerin in der 20-köpfigen Aufseherrunde des Instituts sein. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben der nächsten Monate wird die Suche nach einem Nachfolger für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (63) sein. Garrett-Cox' intime Kenntnisse der internationalen Hochfinanz dürften dabei hilfreich sein. Immerhin tut sich keines der großen Geldhäuser mit der Suche nach einem neuen Frontmann derart schwer wie die Deutsche Bank.

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