Neue Strategie Lloyds-Bank verkauft 600 Filialen

Arbeitsantritt mit Aufmerksamkeitsgarantie: Der neue Lloyds-Bankchef Antonio Horta-Osorio hat an seinem ersten Arbeitstag die umfassende Überprüfung der Geschäftsstrategie des teilverstaatlichten britischen Geldhauses angekündigt - und den Verkauf von 600 inländischen Filialen.
Abstriche von der bisherigen Größe: Lloyds muss Filialen abgeben

Abstriche von der bisherigen Größe: Lloyds muss Filialen abgeben

Foto: ? David Moir / Reuters/ REUTERS

London - Die teilverstaatlichte Großbank Lloyds hat den von der Europäischen Union (EU) angeordneten Verkauf von 600 seiner britischen Filialen eingeläutet. Der neue Chef Antonio Horta-Osorio kündigte an seinem ersten Arbeitstag am Dienstag zudem die Veräußerung weiterer Geschäftsteile und eine umfassende Überprüfung der Unternehmensstrategie an. Branchenexperten beziffern den Wert der zum Verkauf stehenden Lloyds-Sparten auf umgerechnet mehr als 3,5 Milliarden Euro.

Der Erwerb des Gesamtpakets würde auf einen Schlag die siebtgrößte Bank oder Bausparkasse Großbritanniens schaffen. Das neugegründete Geldhaus NBNK Investments denkt bereits über einen Kauf der Filialen nach. Auch Virgin Money, die National Australia Bank oder die spanische BBVA gelten als mögliche Interessenten. Neben den 600 Filialen kommen das Immobilieninstitut Cheltenham & Gloucester, die Marke TSB sowie einige Lloyds TSB Filialen in England und Schottland unter den Hammer.

Die zum Verkauf stehenden Sparten trugen nach Schätzungen von Lloyds im Jahr 2008 knapp 600 Millionen Euro zum Vorsteuergewinn bei und erzielten Einnahmen von 1,6 Milliarden Euro. Die britische Lloyds hatte sich während der Finanzkrise an der Übernahme der maroden Konkurrentin HBOS verhoben und musste mit Steuergeldern gerettet werden.

Einer Auflage europäischer Wettbewerbsbehörden zufolge muss sie sich deshalb bis November 2013 von einem Teil ihrer Geschäfte trennen. Der vorzeitige Verkaufstermin könnte mit einer aktuellen Untersuchung einer britischen Behörde zum Wettbewerb unter Banken zusammenhängen. Das Unternehmen möchte den Behörden gegenüber möglicherweise Fortschritte bei der Umsetzung der europäischen Vorgaben anzeigen, so ein Analyst der Exane BNP Paribas.

kst/rtr
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