Krisenbank Experten empfehlen Abwicklung der HRE

Eine unabhängige Expertenkommission empfiehlt Berichten zufolge die Abwicklung der verstaatlichten Krisenbank Hypo Real Estate. Pessimistisch sind die Experten offenbar auch für die Zukunft der WestLB.
Milliardengrab: Die HRE musste mit Steuermilliarden gerettet werden - doch die Zukunftschancen sind laut einem Gutachten weiterhin schlecht

Milliardengrab: Die HRE musste mit Steuermilliarden gerettet werden - doch die Zukunftschancen sind laut einem Gutachten weiterhin schlecht

Foto: dapd

Die sechs von der Bundesregierung beauftragten Fachleute kommen in dem Papier zu dem Schluss, dass der Bund eine Abwicklung sehr ernsthaft in Betracht ziehen sollte, wie "stern.de" und "Zeit" aus dem Gutachten zitieren. Der Vorsitzende der Expertengruppe, der Bonner Professor Daniel Zimmer, wollte sich am Mittwoch nicht zum Inhalt des Papiers äußern.

Die mit Steuermilliarden gerettete HRE soll nach den bisherigen Plänen des Bundes wieder auf Profit getrimmt und später verkauft werden. Über die Zukunft der Bank hatte es immer wieder Streit gegeben.

Auch für die WestLB sollte eine Abwicklung geprüft werden, berichteten die Magazine unter Berufung auf das dem Dienst vorliegende Gutachten. Das 135-seitige Papier werde noch vom Bundesfinanzministerium unter Verschluss gehalten. Ein Ministeriumssprecher lehnte eine Stellungnahme zu den Berichten ab, bevor der nicht offiziell übergeben worden sei.

Sowohl die HRE wie auch die WestLB erbrächten "keine volkswirtschaftlich unentbehrliche Leistung", wird aus dem Gutachten zitiert. Die Gutachter seien der Auffassung, dass "die Ausstiegsoption einer Abwicklung" der HRE-Gruppe unter Einschluss ihrer Tochter Deutsche Pfandbriefbank "sehr ernsthaft in Betracht" gezogen werden sollte.

Es sei unwahrscheinlich, dass der Bund durch Verkauf der HRE "substanziell mehr erlösen kann als bei einer geordneten Abwicklung". Bislang setzt der Bund noch darauf, über eine Restrukturierung das Institut auf längere Sicht wieder reprivatisieren, also an private Investoren verkaufen zu können.

Schlechtes Zeugnis auch für die WestLB

Eher pessimistisch sehen die Experten offenbar auch die Zukunft der WestLB, über die derzeit noch fieberhaft verhandelt wird. Die Gutachter empfehlen "zeitnah Vorbereitungen für eine eventuell erforderlich werdende Abwicklung" zu treffen. Andererseits sehen die Experten für den Verkauf einzelner Teile der WestLB am Markt "durchaus gute Chancen".

Der Commerzbank, der der Staat ebenfalls in der Krise half, gestehen die Fachleute der "Zeit" zufolge grundsätzlich eine profitable Geschäftstätigkeit zu. Aus eigenen Mitteln könne die Bank aber nur einen Bruchteil der stillen Einlagen ablösen, mit denen sich der Bund bei ihr engagiert hatte. Daher empfehlen die Gutachter eine Kapitalerhöhung, und zwar so bald wie möglich.

Auch eine zweite Variante brachten die Fachleute der Wochenzeitung zufolge ins Spiel: der Bund könne die Einlage in Aktien wandeln und diese weiterverkaufen. So würde sein Anteil vorübergehend auf 79 Prozent steigen. In diesem Falle könnte auch geprüft werden, das gesamte Aktienpaket "an einen strategischen Investor" abzugeben.

la/reuters/dpa
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