Axel Weber Gerüchte um Zukunft des Bundesbankchefs

Spekulationen, dass Bundesbankchef Axel Weber offenbar nicht mehr für den Posten des EZB-Chefs kandidieren wolle, sorgen für Unruhe an den Finanzmärkten. Angeblich will sich Weber 2012 aus der Bundesbank zurückziehen. Kreisen zufolge will er zur Deutschen Bank wechseln.
Bundesbankpräsident Axel Weber: Wechsel zur Deutschen Bank?

Bundesbankpräsident Axel Weber: Wechsel zur Deutschen Bank?

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Frankfurt am Main - Bundesbank-Präsident Axel Weber will sich möglicherweise 2012 aus der Notenbank verabschieden. Weber habe in einer vertraulichen Runde am Dienstagabend angedeutet, dass er "nicht unbedingt eine zweite Amtszeit" bei der Deutschen Bundesbank anstrebe, erfuhr die Nachrichtenagentur dpa aus Bundesbankkreisen. Der 53 Jahre alte Wirtschaftsprofessor führt die Notenbank seit dem 30. April 2004, die Amtszeit beträgt acht Jahre.

In Finanzkreisen verdichteten sich am Mittwoch Spekulationen, Weber könnte zur Deutschen Bank wechseln, um dort Konzernchef Josef Ackermann zu beerben. Ackermann hört spätestens zur Hauptversammlung 2013 auf. Dass Weber als möglicher Nachfolger von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gehandelt wird, darüber hatte manager magazin bereits im Januar berichtet.

Zu einem möglichen Wechsel Webers zur größten deutschen Bank wollten sich weder die Bundesbank noch die Deutsche Bank äußern. Weber selbst verzichtete auf eine persönliche Erklärung zu seiner beruflichen Zukunft.

Bundesregierung arbeitet an Lösung der EZB-Personalie

Die Bundesbank bestätigt bislang lediglich, Weber erwäge, eine zweite Amtszeit nicht anzustreben. Der Bundesbankchef nehme seine Termine jedoch weiterhin wie geplant wahr, sagte ein Sprecher der Bundesbank gegenüber manager magazin.

Die Bundesregierung nimmt die Gerüchte um einen Wechsel Webers jedoch ernst. Wie manager magazin aus Regierungskreisen erfuhr, arbeitet die Bundesregierung an einer Lösung der Personalie. In die Gespräche involviert sind Kanzlerin Angela Merkel, Finanzminister Wolfgang Schäuble, Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen sowie Jens Weidmann, Abteilungsleiter Wirtschaft im Kanzleramt.

Am späten Mittwochvormittag telefonierten die Kanzlerin und Weber miteinander: Es habe sich um ein vertrauliches Gespräch gehandelt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Zu Inhalten wollte er sich nicht äußern. Gerüchte über einen Rückzug Webers von der Bundesbank-Spitze werde die Regierung nicht kommentieren. Wer Nachfolger von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet werde, sei derzeit kein Thema.

Weber bislang als Nachfolger von EZB-Chef Trichet hoch gehandelt

Weber wurde neben seinem italienischen Amtskollegen Mario Draghi immer wieder als einer der heißesten Anwärter für den Chefsessel der Europäischen Zentralbank (EZB) gehandelt. Der Nachfolger von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet soll am 1. November sein Amt antreten. Offiziell als Kandidaten für die Nachfolge nominiert hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Weber jedoch noch nicht.

Gegen eine mögliche Berufung Webers auf den europäischen Spitzenposten gibt es auch Vorbehalte. Der gebürtige Pfälzer tritt als geldpolitischer Hardliner auf und hatte sich im vergangenen Jahr mehrfach kritisch zum Kurs der EZB in der Schuldenkrise geäußert. So fing er sich beispielsweise mit seiner harschen öffentlichen Kritik an dem auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise beschlossenen Ankaufprogramm für Staatsanleihen eine öffentliche Rüge von EZB-Chef Trichet ein.

Webers berufliche Zukunft - zweite Amtszeit bei der Bundesbank, Kandidatur für den EZB-Chefposten oder Wechsel zur Deutschen Bank - bleibt damit unklar.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters zudem am Mittwoch aus mehreren europäischen Finanzzentren erfuhr, bereitet die Bundesbank eine Mitteilung vor, dass Weber nicht als Kandidat für die Nachfolge Trichets als EZB-Chef zur Verfügung stehe. "Die Deutsche Bundesbank dementiert Gerüchte über eine bevorstehende Mitteilung zur beruflichen Zukunft von Bundesbankpräsident Axel Weber", teilte die deutsche Notenbank daraufhin am Mittwoch in Frankfurt mit.

Weitere Details und Hintergründe wurden zunächst nicht bekannt. An den Finanzmärkten sorgte die Nachricht für einen deutlichen Rückgang des Euro-Kurses. Die europäische Gemeinschaftswährung gab auf 1,3614 Dollar nach.

la/dpa/reuters