Montag, 16. September 2019

Gier an der Wall Street Banker-Boni höher als je zuvor

Schulden verstaatlichen, Gewinne privatisieren: Die Fed druckt Geld - und das Geschäftsmodell der Finanzbranche kommt für viele Investmentbanker einer Lizenz zum Gelddrucken gleich

Nur zwei Jahre nach dem Beinahekollaps des Finanzsystems schwimmen die Banker an der Wall Street wieder im Geld. Die 25 größten US-Finanzfirmen haben laut "Wall Street Journal" im  Vorjahr 135 Milliarden Dollar an ihre Mitarbeiter gezahlt. Das ist rund ein Drittel der gesamten Erlöse - und die Bezüge könnten bald noch weiter steigen.

New York - Die 25 größten Finanzfirmen am Platze haben nach einer Erhebung des "Wall Street Journal" vom Mittwoch die Rekordsumme von 135 Milliarden Dollar an ihre Mitarbeiter gezahlt. Das sind knapp 6 Prozent mehr als die 128 Milliarden Dollar des Jahres 2009. Im Krisenjahr 2008 war die Summe kurzzeitig auf 112 Milliarden Dollar geschrumpft.

Der einzelne Banker verdiente demnach im Schnitt 141 000 Dollar, 3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Wall-Street-Häuser hatten, nachdem das Geschäft wieder angesprungen war, ihre ausgedünnten Mannschaften nach und nach aufgestockt.

Vor allem in Manhattan macht sich die Welle an Neueinstellungen bemerkbar: Der Wohnungsleerstand geht zurück, die Mieten steigen.

Goldman zahlt im Schnitt 431.000 Dollar an jeden Mitarbeiter

Die Gehaltsschere zwischen den einzelnen Finanzfirmen klafft weit auseinander. Erfahrene Wertpapierhändler oder Spezialisten für Firmenzusammenschlüsse kratzen an der Millionenmarke, einfache Mitarbeiter von Geschäftsbanken müssen mit fünfstelligen Gehältern auskommen. Selbst innerhalb der Investmentbanken-Gemeinde gibt es große Unterschiede: Geldmaschine Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen hat jedem Mitarbeiter im vergangenen Jahr im Schnitt 431.000 Dollar gezahlt, der schlechter verdienende Rivale Morgan Stanley 257.000 Dollar.

Die Finanzfirmen stecken ein knappes Drittel ihrer gesamten Erlöse in die Lohntüten ihrer Mitarbeiter. In Reaktion auf die harsche Kritik von Politikern und der Öffentlichkeit an der ausufernden Bonusmentalität bekommen die Banker nun aber einen größeren Teil ihres Gehalts fest oder in Aktien, die sie erst in einigen Jahren zu Geld machen dürfen.

Das soll, so das Kalkül, die Jagd nach kurzfristigen Gewinnen eindämmen und die Risikobereitschaft senken. Bei einer weiteren Erholung der Finanzmärkte könnte dieses System aber auch dazu führen, dass die Topbanker dank üppiger Aktienoptionsprogramme in einigen Jahren noch höhere Boni einstreichen als derzeit.

Gefährlicher Konzentrationsprozess in der Branche

Die Glücksspielmentalität im Bankensektor hatte in die schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte geführt. Im September 2008 war die New Yorker Investmentbank Lehman Brothers zusammengebrochen, nachdem sie sich mit US-Hypothekenpapieren verzockt hatte. Eine Schockwelle ging durch die Finanzwelt. Nur das Eingreifen der Staaten auf der ganzen Welt hielt die Märkte am Laufen und sicherte den Bankern ihre Einkommen. Die Zeche zahlten die Steuerzahler.

Bereits 2009 war das Geschäft, gestützt durch billiges Geld der Notenbanken, wieder deutlich angesprungen. 2010 setzte sich der gute Lauf fort. Die Erträge der 25 größten US-Finanzfirmen stiegen nach der Erhebung um 1 Prozent auf 417 Milliarden Dollar. 2007, im Jahr vor dem großen Knall, waren es noch 351 Milliarden Dollar. Durch die Übernahme schwächelnder Konkurrenten sind die Großen der Branche noch größer geworden

la/dpa-afx

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