Bankenduell Deutsche Bank vs. J. P. Morgan Chase

Als erste der großen US-Banken hat J. P. Morgan Chase heute bekannt gegeben, wie das Geschäft läuft. An dem Vorzeigeinstitut der Wall Street nimmt sich auch die Deutsche Bank gern ein Beispiel. Doch es ist fraglich, wie lange die Amerikaner noch als Vorbild für Deutschlands Branchenprimus taugen.
Bank gegen Bank: Die Deutsche Bank orientiert sich international an J. P. Morgan Chase

Bank gegen Bank: Die Deutsche Bank orientiert sich international an J. P. Morgan Chase

Foto: Getty Images; Reuters

Hamburg - Deutsche Bank und J. P. Morgan Chase - der Vergleich fällt nicht leicht. Doch er scheint angebracht. Denn das Institut von der Wall Street gilt auf dem internationalen Parkett als erklärtes Vorbild des hiesigen Branchenprimus.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: J. P. Morgan Chase (JPM)  ist auf ihrem Heimatmarkt wohl die große Gewinnerin der Finanzkrise. Die Bank hatte kaum Probleme mit faulen Wertpapieren. Gleich zum Auftakt der Turbulenzen übernahm sie die strauchelnde Investmentbank Bear Stearns zum Schnäppchenpreis von 1,3 Milliarden Dollar. Später schlug JPM-Chef James "Jamie" Dimon noch einmal zu, als die Großsparkasse Washington Mutual kurz vor der Pleite stand. Für lediglich 1,9 Milliarden Dollar erwarb er im September 2008 Vermögenswerte von mehr als 300 Milliarden Dollar. Der Abschreibungsbedarf von geschätzten 31 Milliarden Dollar ließ sich da wohl gut verschmerzen.

Spätestens seitdem gehört JPM mit mehr als 5000 Filialen zu den Großen im US-amerikanischen Retailgeschäft. Und gleichzeitig spielt das Institut eine führende Rolle im internationalen Investmentbanking. "Von allen Banken ist JP Morgan weltweit derzeit wohl am besten aufgestellt", urteilt Analyst Stefan Bongardt von Independant Research. Am Freitag gab das Unternehmen dann bekannt, im abgelaufenen Quartal den Quartalsgewinn verdoppelt zu haben.

Bankenduell in Zahlen


Deutsche Bank J.P. Morgan Chase
Bilanzsumme 1,926 Milliarden Euro (30.6.2010) 2,142 Milliarden Dollar (30.9.2010)
Nettogewinn 2009 5 Milliarden Euro* 11,7 Milliarden Dollar
Nettogewinn im 3. Quartal 2010 1,1 Milliarden Euro* 4,4 Milliarden Dollar
Erträge im 3. Quartal 2010 7,3 Milliarden Euro* 23,8 Milliarden Dollar
Eigenkapitalrendite** 18,3 Prozent* /
11,1 Prozent***
14 Prozent
Mitarbeiterzahl etwa 82.000 etwa 222.000
Entwicklung der Aktie 2010 Minus 24 Prozent Plus 1,8 Prozent
Aktienbewertung
(Kurs-Buchwert-Verhältnis;
13. Januar 2011)
1,03 1,1
* ohne die Belastungen aus dem Postbank-Anteil der Deutschen Bank
** Return on Equity für die ersten neun Monate 2010, vor Steuern
*** inklusive der Belastungen aus dem Postbank-Anteil der Deutschen Bank
Quelle: eigene Recherchen, Unternehmensangaben

Eine gute Benchmark also im globalen Wettbewerb. Aber ist sie für die Deutsche Bank  auch erreichbar? Auch die Frankfurter haben zuletzt einiges erreicht. Mit der Übernahme von Sal. Oppenheim und der Postbank  wächst die Power im Schaltergeschäft zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen. Die Zahl der Filialen etwa steigt auf mehr als 2000, gemessen an der Zahl der Privatkunden rangiert die Deutsche Bank künftig hinter den Sparkassen und den Volks- und Raiffeisenbanken hierzulande auf Platz drei.

Und auch international mischen die Frankfurter längst ganz vorne mit. So stark ist die Deutsche Bank inzwischen ins weltweite Finanzgeschehen verstrickt, dass die japanische Finanzaufsicht sie jüngst als Institut mit der höchsten Systemrelevanz einstufte - noch vor US-Größen wie JPM oder Goldman Sachs . Das Investmentbanking bildet seit langem die wichtigste Stütze der Bank. Mehr als 80 Prozent ihres Ergebnisses bezog sie zuletzt aus diesem Bereich - zu viel, wie Kritiker meinen, denn in turbulenten Zeiten können sich die Schwankungen an den Kapitalmärkten sehr stark in den Resultaten der Bank niederschlagen. Den Anteil zu senken ist daher das erklärte Ziel der Bank für die Zukunft. Zum Vergleich: Bei JPM hat das Investmentbanking lediglich einen Anteil von zwei Dritteln am Ergebnis.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt auch, dass die Amerikaner derzeit ohnehin noch in einer anderen Gewichtsklasse boxen. Mit weltweit mehr als 200.000 Mitarbeitern erzielten sie im dritten Quartal 2010 Erträge von 23,8 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 4,4 Milliarden Dollar. In Frankfurt tritt man dagegen eher im Mittelgewicht an: Gut 80.000 Mitarbeiter weltweit kamen von Juli bis September 2010 auf Erträge von 7,3 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 1,1 Milliarden Euro.

Relationen können sich verschieben

Doch die Relationen können sich künftig durchaus verschieben. JPM hat in den USA gleich auf mehreren Feldern zu kämpfen. Die schleppende Konjunktur und der allgemein hohe Verschuldungsgrad drücken auf das Kreditgeschäft. Umsatzsteigerungen fallen da schwer. Schon im dritten Quartal 2010 resultierte die Gewinnsteigerung um 23 Prozent lediglich aus einer Reduzierung der Risikovorsorge. Das Kerngeschäft dagegen schwächelte.

Auch die nach wie vor prekäre Lage am Häusermarkt bereitet Sorgen. Die Bank muss damit rechnen, dass die Käufer hypothekenbesicherter Anleihen, die im Zuge der Finanzkrise heftige Wertverluste erlitten haben, mit Forderungen auf sie zukommen.

Zudem muss sich JPM wie alle US-Institute mit der Finanzmarktregulierung in den Vereinigten Staaten arrangieren. Die neu eingeführte Volcker-Regel etwa, benannt nach dem ehemaligen Notenbankchef und heutigen Präsidentenberater Paul Volcker, verlangt den Abschied vom Eigenhandel. Der Kauf und Verkauf von Wertpapieren auf eigene Rechnung sorgte bislang für einen beträchtlichen Anteil an den Erträgen.

J. P. Morgan stößt an Grenzen

Wie stark sich diese Einschränkung künftig auf die Ergebnisse auswirken wird, ist noch unklar. JPM selbst brachte jüngst eine Branchenstudie zu dem Thema heraus. Die eigenen Belange sind darin zwar nicht erwähnt, wohl aber jene der Konkurrenz von Goldman Sachs und Morgan Stanley. Die unmittelbare Auswirkung der Volcker-Regel auf den Gewinn pro Aktie in einem normalen Jahr beziffern die Analysten von JPM in dem Papier auf "im Durchschnitt -14 Prozent". Diverse Folgebeeinträchtigungen würden das Minus noch vergrößern, so JPM.

Auch international stößt die Wall-Street-Größe offenbar an Grenzen. Daten von Thomson Reuters zufolge nahm sie im Investmentbanking mit 3,7 Milliarden Dollar in den ersten neun Monaten 2010 zwar weltweit die meisten Gebühren ein. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete das jedoch einen Rückgang um 18,2 Prozent. Die Deutsche Bank dagegen legte bei den Investmentbanking-Gebühren Thomson Reuters zufolge im gleichen Zeitraum um 1,4 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar zu.

Vor allem im wichtigen Wachstumsmarkt Chinas sind die Frankfurter bereits gut im Geschäft. Über drei Kooperationen mit örtlichen Instituten, an denen die Deutsche Bank auch beteiligt ist, wird im dortigen Wertpapiermarkt, im Asset-Management sowie im klassischen Bankgeschäft mitgemischt. Nicht zuletzt Star-Investmentbanker Anshu Jain soll dafür sorgen, dass die Deutsche Bank in Fernost künftig weiter zügig voran kommt.

JPM dagegen erhielt ebenso wie Morgan Stanley erst kürzlich die Erlaubnis, die seit langem angestrebten Joint Ventures mit chinesischen Partnern zu realisieren. Nun können beide zum Sprung auf den boomenden chinesischen Wertpapierhandelsmarkt ansetzen.

Deutsche-Bank-Aktien günstig bewertet

"Die Deutsche Bank ist international auf sehr gutem Wege", resümiert Michael Seufert, Analyst bei der Nord LB. "Wenn sich die Entwicklung so fortsetzt, kann sie sich künftig mit Konkurrenten wie JP Morgan messen."

Bis dahin ist es allerdings noch ein Stück. Und auch auf dem Heimatmarkt haben Vorstandschef Josef Ackermann und Kollegen noch einiges zu tun. "Die Postbank muss nun in die Deutsche Bank integriert werden", sagt Bankenanalyst Konrad Becker von Merck Finck. "Das ist ein enormes Vorhaben und wird sicher zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen." Auch bei Sal. Oppenheim gibt es einiges zu tun, so Becker. "Die Vermögensverwaltung der Bank muss endlich wieder profitabel werden", sagt er.

Bankenduell in Zahlen


Deutsche Bank J.P. Morgan Chase
Bilanzsumme 1,926 Milliarden Euro (30.6.2010) 2,142 Milliarden Dollar (30.9.2010)
Nettogewinn 2009 5 Milliarden Euro* 11,7 Milliarden Dollar
Nettogewinn im 3. Quartal 2010 1,1 Milliarden Euro* 4,4 Milliarden Dollar
Erträge im 3. Quartal 2010 7,3 Milliarden Euro* 23,8 Milliarden Dollar
Eigenkapitalrendite** 18,3 Prozent* /
11,1 Prozent***
14 Prozent
Mitarbeiterzahl etwa 82.000 etwa 222.000
Entwicklung der Aktie 2010 Minus 24 Prozent Plus 1,8 Prozent
Aktienbewertung
(Kurs-Buchwert-Verhältnis;
13. Januar 2011)
1,03 1,1
* ohne die Belastungen aus dem Postbank-Anteil der Deutschen Bank
** Return on Equity für die ersten neun Monate 2010, vor Steuern
*** inklusive der Belastungen aus dem Postbank-Anteil der Deutschen Bank
Quelle: eigene Recherchen, Unternehmensangaben

Ob dies alles reibungslos gelingt? Schließlich schwebt über allem nach wie vor die dräuende Schuldenkrise der Euro-Zone sowie die Finanzmarktregulierung, die auch den europäischen Instituten einiges abverlangt. Die Bankenabgabe etwa ist hierzulande bereits beschlossene Sache, diskutiert wird derzeit noch die Ausgestaltung. Zudem sollen die Banken möglicherweise mit Milliardenbeträgen am Euro-Rettungsschirm beteiligt werden. Auf einen Platzhirschen wie die Deutsche Bank entfiele in einem solchen Fall sicher keine geringe Last.

Die Aktionäre jedenfalls sind offenbar skeptisch. Auf ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von kaum mehr als 1 kommt das Papier der Deutschen Bank derzeit. Einige europäische Häuser wie die Société Générale  oder die Unicredit  werden zwar noch niedriger bewertet. Die Aktien von Europas Nummer eins HSBC  sowie der großen US-Banken sind aber zumeist teurer. Goldman Sachs etwa kommt auf eine Kurs-Buchwert-Relation von 1,36. Bei Morgan Stanley sind es 1,14. Und JPM bewerten die Aktionäre derzeit mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,1.

Sollte Bankchef Dimon die Dividende anheben, dürfte sich das allerdings ändern. Angedeutet hat er diesen Schritt bereits.

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