Freitag, 18. Oktober 2019

Profumo-Nachfolge Federico Ghizzoni soll Unicredit leiten

Internationale Mailand: Norditalienische Großbank Unicredit hat neuen Chef bestimmt

Italiens größte Bank Unicredit hat ihren neuen Spitzenmann in den eigenen Reihen gefunden. Das Institut beförderte den bisher für Osteuropa zuständigen Italiener Federico Ghizzoni zum neuen Vorstandschef. Der deutsche Unicredit-Übergangschef Dieter Rampl tritt in das Kontrollgremium der Bank zurück.

Mailand - Die Entscheidung wurde von den Führungsgremien, die in Warschau tagten, abgesegnet. Der 54-jährige Ghizzoni, der seit 1980 für die Unicredit arbeitet, hat seit mehreren Jahren Verantwortung für das wichtige Osteuropa-Geschäft, das in der Wirtschaftskrise große Probleme hatte. Mittlerweile entspannt sich die Lage in der Region aber wieder, was auch die Unicredit in der Bilanz spürt.

Ghizzoni ist einer von vier Stellvertretern des vergangene Woche zurückgetretenen Unicredit-Chefs Alessandro Profumo. Erst am Mittwoch habe sich die Situation zu seinen Gunsten verändert, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person zu Reuters. Zunächst sei der 45-jährige Privatkundenvorstand Roberto Nicastro Favorit gewesen. Ein neuer Geschäftsführer wurde nicht ernannt.

Finanzkreisen zufolge wurde Ghizzoni von deutschen Anteilseignern der Unicredit unterstützt. An der Bank ist unter anderem die Allianz mit zwei Prozent beteiligt. Zudem führt seit dem Profumo-Rücktritt vorübergehend der deutsche Verwaltungsratschef Dieter Rampl die Geschäfte. Ghizzoni sei sein Wunschkandidat, hieß es.

Rampl war früher Chef bei der HypoVereinsbank, die die Unicredit vor fünf Jahren übernommen hat und bei der heute das Investmentbanking der Gruppe gebündelt ist. Er kann mit der Personalie rasch Ergebnisse vorweisen und sich damit wieder auf die Kontrolle der Bank konzentrieren. Viele Unicredit-Aktionäre und die italienische Zentralbank hatten zuletzt Druck gemacht, schnell einen Nachfolger für Profumo zu finden. Teilweise wurde ein zu starker deutscher Einfluss befürchtet.

Profumo war zuvor 13 Jahre an der Spitze der Unicredit und hat mit zahlreichen Übernahmen aus einem regionalen Institut eine der größten Banken Europas geformt - mit Schwerpunkten in Italien, Deutschland und Osteuropa. Zum Verhängnis wurden ihm der starke Einfluss Libyens bei der UniCredit sowie die zuletzt vergleichsweise schwachen Ergebnisse der Bank. Im Konzern hieß es, Ghizzoni stehe für die internationale Aufstellung der Gruppe. "Er ist ein Unicredit-Gewächs, hat aber viel Erfahrung im Ausland gesammelt und passt daher gut", sagte eine Person, die ihn seit Jahren kennt. Er habe sich in vielen Ländern, in denen er tätig war, schnell und gut angepasst, sei ein bescheidener, zugleich aber durchsetzungsstarker Manager. Nicastro habe dagegen stärker den Heimatmarkt Italien verkörpert.

An der Börse spielte die Berufung so gut wie keine Rolle: UniCredit-Aktien notierten in Mailand kaum verändert bei 1,8720 Euro.

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