Mittwoch, 20. November 2019

Alessandro Profumo Libyen stürzt Unicredit in Führungskrise

Verzwickte Lage: Alessandro Profumo eckt immer wieder an, ist aber schwer zu ersetzen

Unicredit-Chef Alessandro Profumo ist angezählt. Doch die Krise ist nur der Höhepunkt eines lange schwelenden Machtkampfes. An dessen Ende muss nicht einmal Profumos Rücktritt stehen.

Mailand/München - Italiens größte Bank Unicredit Börsen-Chart zeigen steht vor einer ungewissen Zukunft. Nach rund 13 Jahren an der Spitze verliert Vorstandschef Alessandro Profumo offenbar seinen Machtkampf mit den Aktionären und wird die Bank verlassen, wie mehrere mit der Situation vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Profumos Nachfolge ist offen. Vorübergehend soll italienischen Regierungskreisen zufolge der frühere HypoVereinsbank-Chef Dieter Rampl auf den Posten aufrücken - fünf Jahre nach der Übernahme seines Instituts durch die Mailänder. Das Bankhaus wollte die Informationen nicht kommentieren und sich erst nach der entscheidenden, für Dienstagabend geplanten Sitzung des Verwaltungsrats äußern.

Die Suche nach einem Nachfolger dürfte auch externe Kandidaten umfassen. In den nächsten Wochen solle der Aufsichtsrat einen neuen Chef finden, hieß es. Italienische Zeitungen nannten als Aspiranten den früheren Goldman-Sachs-Manager Claudio Costamagna und den Ex-Chef der Römer Bank Capitalia, Matteo Arpe. Die vier Stellvertreter Profumos kämen eventuell auch in Frage.

Börsenaufsicht prüft Libyen-Geschäft

Bei der Unicredit - einer der größten Banken Europas - wird seit langem mit harten Bandagen gekämpft. Aufgeflammt ist der Konflikt nun, weil Libyen zuletzt seine in Italien heftig umstrittene Beteiligung an dem Haus ausgebaut hat. Anteilseigner und Politiker kritisierten, Profumo habe dies zugelassen, ohne die Führungsgremien der Bank zu informieren. Das habe auch Rampl als Vorsitzendem des Verwaltungsrats nicht gefallen.

Der höhere Anteil Libyens hat auch die italienische Börsenaufsicht Consob auf den Plan gerufen. Das nordafrikanische Land ist über die Zentralbank und einen Staatsfonds mit insgesamt 7,6 Prozent beteiligt. Die Consob-Experten wollen prüfen, ob die beiden Investoren tatsächlich voneinander unabhängig sind. Anteilseignern sind Stimmrechtsanteile von über fünf Prozent verboten.

Heftigen Streit gab es bereits im Frühjahr über Profumos Pläne zur Straffung des Italien-Geschäfts, die den Abbau von mehr als 4000 Arbeitsplätzen vorsahen. Der Zwist brachte die Aktionärsstiftungen, die zusammen etwa elf Prozent der Unicredit-Anteile halten und eng mit italienischen Regionalregierungen verbunden sind, gegen den Branchenveteranen auf. Sie haben Profumo im Verdacht, dass er systematisch ihren Einfluss zurückdrängen will. Damals hatte der 53-Jährige, der als arrogant und autoritär gilt, Finanzkreisen zufolge mit Rücktritt gedroht. Profumo selbst hat diese Darstellung zurückgewiesen.

Probleme vor allem in Osteuropa

Finanzkreisen zufolge wollte Profumo nun erneut einen Rückzug anbieten. Es sei aber unklar, ob dieser angenommen werde, hieß es. Profumo ist auch wegen der wirtschaftlichen Lage der Bank geschwächt. Die Unicredit hat die Finanzkrise zwar relativ gut überstanden, kämpft aber weiter mit Problemen in Osteuropa, erholt sich insgesamt nur langsam und weist derzeit eine überaus magere Rendite aus. Manche Investoren hofften, ein neuer Chef könne frische Ideen mitbringen, so ein Aktienhändler in Mailand.

An der Börse überwog dennoch die Unsicherheit: Unicredit-Aktien verloren rund ein Prozent auf 1,92 Euro. Profumo hat aus einem regional tätigen Geldhaus einen europäischen Branchenriesen geformt - vor allen durch Übernahmen wie die der HypoVereinsbank und der italienischen Capitalia. "Es stimmt, dass nicht alle seiner Transaktionen toll waren, zum Beispiel in Osteuropa hat er zu viel Geld ausgegeben", sagte ein Aktienhändler in London. "Aber da ist eine große Lücke, bis wir jemanden finden, der ähnlich kompetent ist wie er."

mak/reuters

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