Anforderung an Lebensversicherung steigen Allianz will deutsche Lebensversicherte nicht vor die Tür setzen

Die Allianz fällt operativ zurück. Zu ihrem Glück polieren ausbleibende Naturkatastrophen das Schaden- und Unfallgeschäft auf. Lebensversicherungen werfen dagegen immer weniger ab - auch für den Konzern. Was nicht profitabel genug ist, wird verkauft. Deutsche Lebensversicherte müssten sich aber keine Sorgen machen, heißt es.
Das freundliche Lächeln sollte nicht täuschen: Allianz-Chef Oliver Bäte verlangt vom Lebensversicherungsgeschäft in jedem Land künftig mindestens 10 Prozent Eigenkapitalrendite. Sonst hätte es im Konzern künftig keinen Platz mehr

Das freundliche Lächeln sollte nicht täuschen: Allianz-Chef Oliver Bäte verlangt vom Lebensversicherungsgeschäft in jedem Land künftig mindestens 10 Prozent Eigenkapitalrendite. Sonst hätte es im Konzern künftig keinen Platz mehr

Foto: Matthias Schrader/ AP

Europas größter Versicherer Allianz muss der Natur dankbar sein. Denn sie schonte im ersten Quartal Menschen, Material und damit auch die Konzernbilanz: Deutlich weniger Naturkatastrophen polierten das operative Ergebnis im Schaden- und Unfallgeschäft um 12 Prozent auf 1,4 Milliarden auf. Positiv wirkte auch, dass die Allianz in der Sparte weniger Geld für Restrukturierung ausgeben musste.

Die Schaden- und Unfallversicherung trug damit - wohlgemerkt bei rückläufigen Einnahmen - mehr als die Hälfte zum gesamten Ergebnis des Konzerns bei.

In der Lebens- und Krankenversicherung fiel das operative Ergebnis um 16 Prozent, in der Vermögensverwaltung gar um 16,5 Prozent. Dadurch fiel der gesamte operative Gewinn des Konzerns mit knapp 2,8 Milliarden Euro um 3,5 Prozent niedriger aus als ein Jahr zuvor. Operativ lief es also deutlich schlechter für den Konzern im abgelaufenen Quartal.

Unter dem Strich verdiente die Allianz wie zuvor berichtet 2,2 Milliarden Euro und damit 20,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zu den Gründen für den Anstieg erklärte der Konzern erneut sehr vage, es handle sich um realisierte Gewinne außerhalb des operativen Geschäfts sowie eine niedrigere Steuerquote.

Geschäft mit deutschen Lebensversicherten hochprofitabel

In der Lebens- und Krankenversicherung sank nicht nur das Ergebnis zweistellig, auch die Beitragseinnahmen rauschten um 11,4 Prozent auf 16,7 Milliarden nach unten. Im Vorjahresquartal waren es noch 18,8 Milliarden Euro.

Die Allianz macht dafür in erster Linie den Einbruch mit traditionellen Produkten vor allem in Deutschland verantwortlich. Die bei den Kunden im Grunde beliebten Produkte mit festen Garantiezusagen bewirbt die Allianz ganz bewusst nicht mehr, weil sie dafür hohe Deckungsrückstellungen in der Bilanz bilden muss.

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Stattdessen setzt der Konzern alle Vertriebsanstrengungen in stark am Kapitalmarkt orientierte Produkte ohne Garantiezusagen, die für den Kunden mehr Rendite abwerfen können, mit denen er aber zugleich mehr Risiken eingeht.

In die strategisch gleiche Richtung - nämlich die Bilanz auf mittlere Sicht stärker zu entlasten - zielt der Verkauf von hochprozentigen Lebensversicherungsverträgen im Ausland. Dabei kalkuliert die Allianz beim Verkauf sogar kurzfristig dreistellige Millionenverluste ein - so zuletzt in Taiwan und Südkorea.

Glaubt man den Worten von Allianz-Chef Oliver Bäte, muss das Geschäft mit Lebensversicherungen in jedem Land künftig eine Eigenkapitalrendite von mindestens 10 Prozent abwerfen. Sonst hätten es im Konzern keine große Zukunft mehr. Tatsächlich aber schafft das bislang nur die Hälfte. Mittlerweile schließt Bäte in diesem Segment auch größere Verkäufe nicht mehr aus: "Ob Verkäufe - klein oder groß - nötig sind, wird sich zeigen."

Wird die Allianz diese profitorientierte Strategie ausweiten und auch deutsche hochverzinste Policen-Bestände veräußern? Schließlich sind dafür erhebliche Deckungsrückstellungen zu leisten, was mit ein Grund für den Verkauf des Bestands zum Beispiel in Taiwan war. Der Konzern weist derlei Erwägungen als Spekulation zurück:

"Das wird definitiv nicht passieren", sagte eine Allianz-Sprecherin auf Anfrage von manager magagzin online. Das Geschäft mit Lebensversicherungen in Deutschland sei hochprofitabel. Die Eigenkapitalrendite nach IFRS der Allianz Leben habe im vergangenen Jahr mit 25,7 Prozent (2014: 24,3 Prozent) deutlich oberhalb der Renditeanforderungen gelegen. Das habe Finanzvorstand Dieter Wemmer in einer Telefonkonferenz am 11. Mai gegenüber Analysten versichert.

Allianz fordert rasche Trendwende bei Pimco

Die Allianz  fordert von ihrem US-Vermögensverwalter Pimco eine rasche Trendwende. "Obwohl das Umfeld für die Asset-Management-Branche anspruchsvoll sein dürfte, erwarten wir bei Pimco positive Nettomittelflüsse in der zweiten Jahreshälfte", sagte Finanzvorstand Dieter Wemmer .

Im ersten Quartal hätten externe Kunden nur noch neun Milliarden Euro aus den Fonds abgezogen, ein Jahr zuvor waren es noch 62 Milliarden Euro. Das Minus geht auf das Konto von Pimco, die kleinere Schwester Allianz Global Investors (AGI) verzeichnet seit mehr als drei Jahren Nettomittelzuflüsse.

Der operative Gewinn der Asset-Management-Sparte schrumpfte im ersten Quartal um 16,5 Prozent auf 463 Millionen Euro. Wie die Allianz erklärte, konnten schwindende Erträge nur zum Teil durch Kostensenkungen aufgefangen werden.

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mit Nachrichtenagenturen