Strategie des Geldhauses Aufsichtsrat stellt Weichen für Deutsche Bank - die Szenarien

Deutsche Bank: Der Abschied von der Postbank gilt als wahrscheinlich

Deutsche Bank: Der Abschied von der Postbank gilt als wahrscheinlich

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Nach monatelangen halböffentlichen Diskussionen dürfte der Aufsichtsrat bei seiner Sondersitzung an diesem Freitag (24.4.) die Weichen für den künftigen Kurs der Deutschen Bank stellen. Offiziell äußert sich das Institut nach wie vor nicht zum Stand der Strategiediskussion, doch es ist bereits viel durchgesickert.

Das Ziel ist klar: Die Bank will schrumpfen, um den immer strengeren Kapitalanforderungen der Aufseher weltweit gerecht zu werden. So sollen auch die Gewinne der Deutschen Bank  Bank wieder dauerhaft gesteigert werden. Diskutiert wurden dem Vernehmen nach in den vergangenen Monaten vor allem drei Konzepte.

Szenario 1, Abschied von der Postbank: Vieles deutet darauf hin, dass sich die Deutsche Bank sieben Jahre nach dem bejubelten Einstieg bei der Postbank und fünf Jahre nach der Übernahme der Mehrheit an dem Bonner Institut wieder von der Postbank trennen wird. Das würde die Bilanzsumme von zuletzt rund 1,7 Billionen Euro erheblich verkleinern und die Deutsche Bank zum Beispiel bei der drohenden "Leverage Ratio" entlasten. Bei dieser Verschuldungsobergrenze wollen die Regulatoren die Geschäfte einer Bank unabhängig vom Risikogehalt pauschal ins Verhältnis zum Eigenkapital setzen. Der Baufinanzierungsschwerpunkt der Postbank wäre in dieser Berechnung eher eine Belastung.

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Führungskrise bei der Deutschen Bank: Die wichtigsten Deutschbanker

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Möglich wäre ein Verkauf der Postbank als Ganzes an einen neuen Eigentümer. Experten halten es jedoch angesichts des schwierigen Umfelds für Finanzinstitute für wahrscheinlicher, dass die Deutsche Bank große Teile ihres 94-Prozent-Aktienpakets über die Börse wieder an den Markt bringt.

An den eigenen Filialen wird der Sparkurs mit ziemlicher Sicherheit nicht vorbeigehen. Deutsche-Bank-Manager Christian Ricken hatte kürzlich gesagt, der Filialabbau werde sich in ähnlicher Geschwindigkeit wie zuletzt fortsetzen. In den vergangenen 15 Jahren war die Zahl der Deutsche-Bank-Standorte im Inland bereits von 1200 auf gut 700 zurückgegangen. Spekuliert wird über die Schließung von bis zu 250 weitere Filialen.

Auch im Investmentbanking müsste bei dieser Lösung kräftig gespart werden. Die Vermögenswerte sollen um eine neunstellige Summe schrumpfen.

Szenario 2, die Radikallösung

Szenario 2, die Radikallösung: Diskutiert wurde auch die komplette Abspaltung des Privatkundengeschäfts. Die Postbank und das Privatkundengeschäft des Mutterkonzerns Deutsche Bank könnten in einer neuen Gesellschaft gebündelt und an die Börse gebracht werden.

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Die Deutsche Bank würde sich fortan auf das Kapitalmarktgeschäft, den Zahlungsverkehr und die Vermögensverwaltung für reiche Kunden konzentrieren. Die Universalbank Deutsche Bank würde sich somit selbst auftrennen und dem Beispiel der zuletzt wieder sehr erfolgreichen US-Investmentbank Goldman Sachs nacheifern.

Allerdings wäre diese Option riskant: Zwar würden beide Teile der Deutschen Bank mit kleineren Bilanzsummen daherkommen und wären vergleichsweise gut mit Eigenkapital ausgestattet. Allerdings würde dem Gesamtkonzern mit den Einlagen der Privatkunden eine als besonders stabil geltende Säule fehlen. Deshalb sah es so aus, dass ein solches Szenario in der Führung der Bank keine Mehrheit findet.

Szenario 3, ein "Weiter so"

Szenario 3, ein "Weiter so": In diesem sehr unwahrscheinlichen Szenario bliebe die Grundstruktur als Universalbank erhalten, Deutschland hätte weiterhin eine große Bank, die international Schritt hält und praktisch alle Geschäfte vom Sparkonto für Privatkunden über die Baufinanzierung bis zu Zinsswap und Währungsderivat anbietet. Notwendig wäre jedoch in diesem Fall wohl ein weiteres umfassendes Sparprogramm und ein weiterer Abbau von Geschäften, um die Bilanz zu verkleinern. Unter anderem dürften etliche Filialen geschlossen werden - diesen Trend gibt allein schon die fortschreitende Digitalisierung der Branche vor.

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Die Postbank müsste komplett integriert werden, um Doppelstrukturen abzubauen. Alles das würde jedoch Jahre dauern und bei Anlegern nicht gut ankommen, die einen großen Wurf erwarten. Deshalb galt diese Variante zuletzt als vom Tisch.

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