Ergebnisse verkündet 25 Banken fallen durch EZB-Stresstest - eine deutsche, neun italienische

Die Münchener Hyp ist als einziges deutsches Geldhaus beim EZB-Stresstest durchgefallen. Unter den insgesamt 25 Instituten, die nicht durchkamen, waren gleich neun italienische.
Frankfurter Bankentürme: 23 deutsche Institute haben den Test bestanden

Frankfurter Bankentürme: 23 deutsche Institute haben den Test bestanden

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Frankfurt am Main - Die allermeisten Großbanken in der Euro-Zone sind für eine neue Finanzkrise gerüstet. Zu diesem Ergebnis kommt die Europäische Zentralbank (EZB), die in den vergangenen zwölf Monaten die 130 wichtigsten Geldhäuser der Region auf Herz und Nieren geprüft hat. Es war der umfassendste Stresstest des Bankensystems aller Zeiten.

Nur 25 Institute patzten, bei ihnen ergab sich ein Kapitalloch von insgesamt 25 Milliarden Euro. Doch dieses ist zum größten Teil schon gestopft. Krisenfälle gab es vor allem in den südlichen Euro-Staaten: Allein in Italien fielen neun Institute durch, in Griechenland und Zypern je drei.

In Deutschland riss wie erwartet nur die Immobilienbank Münchener Hyp die Latte, sie hat die Kapitallücke aber schon geschlossen. Die anderen 23 deutschen Teilnehmer kamen durch, darunter Deutsche Bank (Kurswerte anzeigen), Commerzbank (Kurswerte anzeigen) und die Landesbanken.

Exakt um 12.00 Uhr mittags veröffentlichte die EZB am Sonntag die mit Spannung erwarteten Ergebnisse. Die Notenbank wollte mit dem Gesundheitscheck sicherstellen, dass keine Altlasten mehr zum Vorschein kommen, wenn sie am 4. November die Aufsicht über die wichtigsten Banken in der Euro-Zone übernimmt.

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EZB-Stresstest: So stehen die deutschen Banken da

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Vizepräsident Vitor Constancio zog eine positive Bilanz: "Diese bislang nicht dagewesene tiefgehende Prüfung der Bilanzen der Großbanken wird das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Bankensektor stärken." Er hofft, dass die Institute jetzt auch wieder mehr Geld in die schwächelnde Wirtschaft im Euro-Raum pumpen.

Ob diese Rechnung aufgeht, ist allerdings ungewiss. Experten weisen darauf hin, dass Unternehmen schlichtweg zu wenig Kredite nachfragen. Es sei daher "extrem unwahrscheinlich", dass hier mehr Bewegung reinkomme, sagte etwa Erik Nielsen, Chefvolkswirt der Großbank Unicredit.

Außerdem zeigte sich bei der Prüfung, dass in den Büchern der Institute noch 136 Milliarden Euro mehr faule Kredite schlummern als angenommen. Die Aufräumarbeiten sind also längst nicht vorbei, wie auch der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Michael Kemmer, einräumte. Es liege noch "eine Menge Arbeit vor den europäischen Banken, um ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken", erklärte er.

Auch die Chefin der deutschen Finanzaufsicht Bafin, Elke König, sieht noch keinen Grund zur Entspannung für die hiesigen Institute: "Alle Teilnehmer stehen solide da - auch wenn sie sich auf ihren Lorbeeren nicht ausruhen dürfen." Weitere Finanzexperten und Politiker reagierten ähnlich.

Mehr faule Kredite in den Bilanzen als gedacht

Der Gesundheitscheck bestand aus einer intensiven Prüfung riskanter Positionen in den Bilanzen und einem Stresstest. Bei diesem mussten die Institute beweisen, dass sie auch einen schweren Einbruch der Konjunktur überstehen könnten, ohne mit Steuergeld aufgefangen zu werden.

Beim Stresstest zeigte sich nach Angaben der EZB, dass das Eigenkapital aller geprüften Banken zusammen im schlimmsten simulierten Krisenfall um 263 Milliarden Euro abschmelzen würde. Dies entspricht einem Rückgang der Eigenkapitalquote von 12,4 Prozent auf 8,3 Prozent. Beim Bilanzcheck (Asset Quality Review) zeigte sich laut EZB, dass in den Büchern der Banken faule Kredite im Volumen von insgesamt 879 Milliarden Euro schlummern.

Das größte Loch in der Bilanz hätte in der simulierten Wirtschaftskrise die traditionsreiche Banca Monte dei Paschi di Siena  aus Italien mit allein 2,1 Milliarden Euro. Dahinter folgen die griechische Eurobank (1,76 Milliarden Euro) und die portugiesische Millennium BCP (1,15 Milliarden Euro).

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Reaktionen: "Nach dem Stresstest ist vor dem Stresstest"

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Durchgefallen sind zudem jeweils drei Geldhäuser aus Griechenland und aus Zypern, Dexia und Axa Bank Europe aus Belgien sowie zwei Banken aus Slowenien. In Österreich fiel die Krisenbank ÖVAG durch. Das Institut hatte das bereits erwartet und vor drei Wochen seine Abwicklung angekündigt.

Die deutschen Banken kamen im Krisen-Szenario im Schnitt auf eine harte Kernkapitalquote von 9,1 Prozent, wie BaFin und Bundesbank mitteilten. Mindestens nötig waren 5,5 Prozent.

Die Latte gerissen hat hierzulande wie erwartet nur die Münchener Hyp. Sie hatte schon Ende 2013 nicht genügend Kapital, um die zu diesem Zeitpunkt geforderten acht Prozent Quote zu erreichen. Nach einer rund 400 Millionen Euro schweren Kapitalerhöhung 2014 ist das Kapitalloch aber bereits gestopft.

"Die Ergebnisse bestätigen meinen Eindruck, dass die deutschen Banken gut vorgesorgt haben", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Auch viele andere Durchfaller haben ihre Kapitaldecke in der Zwischenzeit aufgebessert: Europaweit müssen noch 13 Geldhäuser eine Kapitallücke von insgesamt zehn Milliarden Euro schließen. Sie haben nun zwei Wochen Zeit, der EZB einen Plan vorzulegen, wie sie das tun wollen.

Von den Landesbanken galt zuletzt vor allem die HSH Nordbank als Wackelkandidatin. Sie wurde im Stresstest zwar kräftig durchgeschüttelt, kam am Ende aber knapp durch. Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon zeigte sich angesichts der Ergebnisse aller Landesbanken erleichtert. Die Ergebnisse zeigten, dass die Institute seit der Finanzkrise kräftig umgebaut hätten und heute deutlich stabiler seien als auf dem Höhepunkt der Krise 2008.

An der größten Bankenprüfung in Europa aller Zeiten waren tausende Bankaufseher, Wirtschaftsprüfer und Juristen in ganz Europa beteiligt. Laut EZB analysierten sie alleine beim Stresstest etwa 40 Millionen Daten, die ihnen von den Banken geliefert wurden. Die Prüfung der Bilanzen erstreckte sich auf 82 Prozent der Posten in den Bilanzen aller Banken in der Euro-Zone sowie dem ab Januar zur Währungsunion gehörenden Litauen.

Finanzpolitiker warnen vor Selbstzufriedenheit

Finanzpolitiker warnten die deutschen Banken nach dem überwiegend positiven Abschneiden vor Selbstzufriedenheit. "Das ist nur eine Etappe und kein Grund für eine voreilige Entwarnung", sagte der Obmann der Unionsfraktion im Bundestags-Finanzausschuss, Hans Michelbach.

Auch Unionsfraktionsvize Ralph Brinkhaus betonte, die Kapitalausstattung und die Liquidität der Institute müssten weiter verbessert werde. "Es besteht kein Anlass zur Beruhigung." Dabei verwies er insbesondere auf schwächelnde Banken in Südeuropa. Sein Kollege Carsten Schneider von der SPD forderte: "Jetzt sind die Banken aufgefordert, dieses neue Vertrauen zu nutzen". Das gelte etwa für die Kreditvergabe zur Ankurbelung des Wachstums.

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Michelbach verwies auf die rund 880 Milliarden Euro an faulen Krediten, die bei der Prüfung festgestellt wurden. Dies ist laut Aufsicht deutlich mehr als bislang angenommen. "Das ist das Damoklesschwert über den Bankenbilanzen", sagte der Finanzpolitiker. SPD-Fraktionsvize Schneider forderte vor allem mehr Anstrengungen zur Stärkung des Bankensystems in den Ländern, in denen Institute den Stresstest nicht bestanden haben. Kapitalhilfen durch öffentliche Mittel müssten dabei aber dringend vermieden werden. Die EU-Kommission müsse die Beihilferegelungen strikt anwenden.

Der Grünen-Finanzpolitiker Gerhard Schick nannte den EZB-Stresstest einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des europäischen Bankensystems. Es sei aber nur ein Zwischenschritt. Der Test zeige, dass bei vielen Banken in Europa das Eigenkapital noch nicht ausreiche. Er beklagte, generell sei die Eigenkapitalausstattung von Europa Banken zu niedrig. Die Branche müsse weiter saniert werden. Bei dem Stresstest hat die EZB für 25 Banken eine Kapitallücke von 25 Milliarden Euro festgestellt. Zwölf Institute haben diese aber inzwischen schon geschlossen.

ts/dpa-afx/rtr
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