Autos, Kohle, Chemiegüter Bahnstreik verschärft Lieferprobleme der Industrie

43 Prozent des Güterverkehrs werden auf der Schiene transportiert. Der dritte Streik der Bahn setzt daher der Industrie zu. Angespannte Lieferketten werden zusätzlich belastet.
"Güter gehören auf die Schiene": Wegen des Streiks der GDL-Lokführer fahren ab 17 Uhr für die kommenden fünf Tage keine Güterzüge mehr der Deutschen Bahn

"Güter gehören auf die Schiene": Wegen des Streiks der GDL-Lokführer fahren ab 17 Uhr für die kommenden fünf Tage keine Güterzüge mehr der Deutschen Bahn

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Der dritte Streik im Güterverkehr der Deutschen Bahn stellt die chemische Industrie vor erhebliche Herausforderungen. "Erneut müssen die Unternehmen mit ihren Kunden und Logistikdienstleistern kurzfristig flexible Lösungen entwickeln", teilte der Verband der Chemischen Industrie mit. "Das zieht einen immensen Personalaufwand und erhebliche zusätzliche Kosten nach sich." Der Bundesverband der Deutschen Industrie erneuerte seine Kritik am Vorgehen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL).

Neben dem Streik im Personenverkehr hat die GDL zu einem mehr als fünftägigen Streik im Güterverkehr der Bahn aufgerufen. Der Arbeitskampf soll am heutigen Mittwoch um 17 Uhr beginnen. Ab dem frühen Donnerstagmorgen soll dann auch der Personenverkehr bestreikt werden. GDL-Chef Claus Weselsky verschärft damit sowohl das Corona-Ansteckungsrisiko für Bahnreisende wie auch den Materialmangel in Deutschland. Das Ende der Aktionen hat die Nischengewerkschaft für den kommenden Dienstagmorgen angekündigt. Insgesamt dürfte der Bahnverkehr damit mehr als fünf Tage lang erheblich eingeschränkt sein.

Angespannte Lieferketten werden zusätzlich belastet

Die erneute Unterbrechung der ohnehin äußerst angespannten Lieferketten gefährde die wirtschaftliche Erholung, warnte der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen. "Massenguttransporte, etwa die Rohstoffversorgung der Stahlindustrie, müssen jetzt so weit wie möglich auf die Binnenschifffahrt verlagert werden. Zeitkritische Güter werden trotz knapper Laderaumkapazitäten nur mittels Lkw zu transportieren sein", erklärte der Verkehrsexperte des Verbands, Carsten Taucke. Der Aufwand treibe die Transportkosten deutlich in die Höhe.

Während wegen Engpässen bei Vorprodukten schon jedes fünfte Unternehmen der Chemieindustrie die Produktion gedrosselt habe, verzögere der Streik nun auch die Auslieferung an Kunden der chemisch-pharmazeutischen Industrie, erläuterte der Verband der Chemischen Industrie. "Für viele Stoffe ist die Bahn das Transportmittel der Wahl, da für einige Chemikalien der Schienenweg üblicherweise vorgeschrieben ist."

DB hält 43 Prozent am Schienen-Güterverkehr

Das gilt etwa für viele Gefahrgüter, die wegen des geringeren Unfallrisikos in Zügen transportiert werden müssen. Zwar hält die Deutsche Bahn nur noch rund 43 Prozent am Güterverkehr auf der Schiene; das übrige Geschäft übernehmen Konkurrenten. Doch die Bahn dominiert den Einzelwagenverkehr, auf den etwa die Chemieindustrie in vielen Fällen angewiesen ist. Dabei werden Einzelwaggons in großen Rangierbahnhöfen zu langen Zügen zusammengestellt.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) nannte auch den mittlerweile dritten Streik GDL in der laufenden Tarifrunde unverhältnismäßig und unverantwortlich. Neben der Chemie seien auch die Stahl- und die Autoindustrie stark auf Güterzüge angewiesen. BDI-Präsident Siegfried Russwurm warnte vor Produktionsausfällen. Es sei auch möglich, dass Unternehmen Transporte dauerhaft vom Zug auf Lastwagen verlagern.

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