Machtübergabe bei Axel Springer Friede Springer macht Mathias Döpfner zum Milliardär

Die Verlegerin schenkt ihrem Vorstandschef einen großen Teil ihrer Aktien – und überlasst ihm ihre verbliebenen Stimmrechte. Döpfner ist damit der neue starke Mann im Mutterkonzern von "Bild" und "Welt".
"Ich bin 78 Jahre alt. Jetzt ist für diesen Schritt genau der richtige Zeitpunkt." – Friede Springer und ihr Vorstandschef Mathias Döpfner (2,02 Meter).

 "Ich bin 78 Jahre alt. Jetzt ist für diesen Schritt genau der richtige Zeitpunkt." – Friede Springer und ihr Vorstandschef Mathias Döpfner (2,02 Meter).

Foto: Frederic Kern/Geisler-Fotopress / picture alliance / Geisler-Fotop

Der Medienmanager Mathias Döpfner (57) wird endgültig zum starken Mann im Axel-Springer-Konzern und de facto Nachfolger von Friede Springer (78). Die Großaktionärin schenkt ihrem langjährigen Vorstandsvorsitzenden einen großen Teil ihrer Anteile an dem Medienkonzern ("Bild", "Welt") und überträgt ihm darüber hinaus die Stimmrechte aus ihrem verbleibenden Aktienpaket. "Ich bin sehr glücklich, mit Mathias meinen Nachfolger gefunden zu haben", erklärte sie in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Döpfner steht seit 2002 an der Spitze des Konzerns. Er galt zwischenzeitlich als einer der bestbezahlten deutschen Manager. Bislang hält er gut 3 Prozent der Anteile. Nun kauft Döpfner zusätzlich 4,1 Prozent der Aktien aus Springers Besitz. Bei einem Preis von 62,42 Euro pro Aktie (die Dividende für 2019 wurde zugunsten des Managers bereits eingepreist) wird er also rund 276 Millionen Euro zahlen müssen. In Unternehmenskreisen heißt es, dass Döpfner die Transaktion über ein neues Bankdarlehen finanziere. "Axel Springer ist mein Leben. Ich wollte immer den unruhigen Schlaf des Unternehmers und nie nur Manager sein", sagte er selbst dazu. "Aus diesem Grund habe ich schon 2006 ein Aktienpaket gekauft und mich dafür hoch verschuldet. Jetzt ist es mein Wunsch, noch mehr zu investieren."

Rund 15 Prozent der Anteile wird er zusätzlich als Schenkung von Friede Springer erhalten. Hochgerechnet entspricht dieses Paket einem Wert von rund einer Milliarde Euro. Ein Geschenk in dieser Größenordnung an einen Begünstigten außerhalb der Familie ist gerade in einem Großkonzern äußerst ungewöhnlich. Döpfner steigt so in die Riege der deutschen Milliardäre auf.

Springer hält nach dem Deal 23,52 Prozent der Konzern-Anteile; Döpfner 21,92 Prozent. "Ich bleibe im Aufsichtsrat und im Aktionärsausschuss. Ich möchte nur sicher sein, dass, wenn mir etwas passiert, ich bei Mathias unser Verlagshaus in den richtigen Händen weiß", erklärte Springer. Mit dem Geld stattet sie zugleich die gemeinnützige Friede Springer Stiftung mit weiterem erheblichen Vermögen aus. Springer will das zusätzliche Kapital nutzen, um sich dort künftig verstärkt um die Themen Gesundheit und Wissenschaft zu kümmern, heißt es im Unternehmen.

Springer, einer der größten Medienkonzerne Europas, hat in der Vergangenheit massiv in Digitalangebote investiert. Im vergangenen Jahr ging der Konzern eine strategische Partnerschaft mit dem US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) ein. KKR ist Großaktionär, hält mit 47,6 Prozent der Anteile aber nicht die Mehrheit. Die übrigen Anteile halten die Enkel des Verlagsgründers. Friede Springer verfügt zudem über gesonderte Veto-Rechte.

Der Konzern peilt an, weltweit Marktführer im digitalen Journalismus und bei digitalen Rubrikengeschäften wie zum Beispiel Job- oder Immobilienportalen zu werden. Springer zog sich dazu in diesem Jahr auch nach 35 Jahren von der Börse zurück. Der Umsatz des Konzerns lag 2019 bei 3,11 Milliarden Euro und der bereinigte Konzernüberschuss bei 263,7 Millionen Euro.

lhy/phal/dpa
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