Rekorddeal Axel Springer kauft Portale Politico und Protocol

Mit dem bislang größten Zukauf der Firmengeschichte sichert sich Verlagschef Mathias Döpfner die US-Politplattform Politico. In Amerika sieht er das größte publizistische Wachstumspotenzial.
Auf Einkaufstour: Axel Springer-Chef Mathias Döpfner schlägt mal wieder in den USA zu

Auf Einkaufstour: Axel Springer-Chef Mathias Döpfner schlägt mal wieder in den USA zu

Foto: Frank Rumpenhorst / DPA

Die Gerüchte haben sich bestätigt. Mit dem größten Zukauf der Firmengeschichte übernimmt der Konzern Axel Springer das Nachrichtenunternehmen Politico. Das teilte der Berliner Verlag, der unter anderem auch die Zeitungen "Bild" und "Welt" herausgibt, am Donnerstag mit. Gleichzeitig verleiben sich die Deutschen die den Technologiesektor spezialisierte Nachrichtenseite "Protocol" ein sowie die noch ausstehenden 50 Prozent an Politico Europe, nachdem die Firmen bislang ein Joint Venture gebildet hatten.

Damit dringt Vorstandschef Mathias Döpfner (58), dem selbst ein gutes Fünftel der Unternehmensanteile gehören, weiter auf den US-Medienmarkt vor. Unter anderem hatte er 2015 schon das US-Portal "Business Insider" und 2020 die Mehrheit an der Plattform "Morning Brew" übernommen. Zuletzt gab es auch Gerüchte über eine Übernahme der Plattform "Axios". "Die USA sind künftig der größte Wachstumsmotor für das publizistische Geschäft Axel Springers", sagte Döpfner in einem Interview mit dem "Handelsblatt".

Der Gründer und Verleger von Politico, Robert Allbritton (52), soll weiter an Bord bleiben. Er freue sich darauf, mit Axel Springer und Döpfner zusammenzuarbeiten und das Geschäft "gemeinsam noch weiter nach vorne zu bringen", erklärte er. Die Transaktion soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein und steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen.

Springer-Chef Döpfer: 30 Prozent Marge

Über den Kaufpreis vereinbarten die beiden Seiten Stillschweigen. In US-Medien wurde über rund eine Milliarde Dollar (850 Millionen Euro) spekuliert. Döpfner selbst sprach im "Handelsblatt" von einer "Rekordsumme". Damit muss der Kaufpreis mindestens 630 Millionen Euro betragen, so viel soll Springer einst für die bislang teuerste Übernahme, das Immobilienportal SeLoger, bezahlt haben. "Das Potenzial ist generell riesig", sagte Döpfner dem "Handelsblatt". "Wir sind überzeugt, das Unternehmen zu einem attraktiven Preis erworben zu haben." Politico sei "hochprofitabel mit einer Marge von 30 Prozent".

Mit KKR-Einstieg kommt frisches Geld für Zukäufe

Politico wurde 2007 von dem Texaner Allbritton gegründet und liefert Politiknachrichten aus aller Welt. Das Unternehmen hat rund 700 Beschäftigte. Seit 2014 betreiben Politico und der Springer Verlag als Joint Venture gemeinsam das Medienunternehmen Politico Europe mit rund 200 Beschäftigten in Brüssel. Als eine Art Schwesterportal berichtet "Protocol" seit 2020 vor allem über Themen aus der Technologiebranche.

Döpfners Angaben zufolge kann Springer den Deal aus eigenen Mitteln finanzieren. Für die Expansion kann der Konzern dabei auch auf die Finanzkraft des amerikanischen Private-Equity-Investors KKR zurückgreifen, der inzwischen größter Anteilseigner Springers ist. Zwar betont Döpfner immer wieder die Bedeutung gerade des digitalen Journalismus – aber die Rolle der deutschsprachigen Zeitungen und journalistischen Inhalte ist im Springer-Geschäftsmodell seit Jahren gesunken.

Für den Großteil des Gewinns sorgen nicht "Bild" oder "Welt", sondern digitale Rubriken-Portale wie SeLoger, StepStone oder Immowelt. Im vergangenen Jahr setzte Springer rund 2,9 Milliarden Euro um, sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Der bereinigte Gewinn war um ein Fünftel auf rund 500 Millionen Euro abgesackt.

la/afp
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