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Was macht eigentlich Axel Nawrocki?

Was macht eigentlich Axel Nawrocki?
aus manager magazin 1/2003

Axel Nawrocki ist untergetaucht. Schier unauffindbar. Sein letzter bekannter Arbeit- geber, die Bahn, ist überfragt, wo er steckt. Keine Spur im Internet. Kein Eintrag im Telefonbuch. Die Auskunft kennt zwar einen Axel Nawrocki, der aber entpuppt sich als Namensvetter in Berlin, sitzt auf einem Packen Post für sein Double und hofft, "dass der Herr sich einmal bei mir meldet".

Axel Nawrocki hat sich in seine Heimatstadt, nach Aachen, zurückgezogen. Seine Handy-Nummer gibt er nur ausgewählten Vertrauten und Kunden preis. Er genießt das Leben im Verborgenen. "Rummel", sagt er, "hatte ich genug."

Jahrelang stand er in der Öffentlichkeit - eine Reizfigur erster Klasse. Er zog Kritik und Häme auf sich, die für mehrere Managerleben gereicht hätte, ob als Olympia-Werber oder als Bahn-Manager.

Zu Herzen genommen hat sich Nawrocki von all dem nichts. "Ich habe das immer locker gesehen", sagt er ohne einen Anflug von Verstellung, "man hat Erfolge, und man hat auch mal Misserfolge." Nawrocki hat reichlich rheinischen Gleichmut inhaliert.

Allein die Zählebigkeit mancher Nachrede ärgert ihn. Etwa die Unterstellung, nach der erfolglosen Bewerbung Berlins um die Olympischen Spiele habe Chef-Werber Nawrocki anrüchige Akten heimlich schreddern lassen. Der Verdacht wurde nie erhärtet. Trotzdem: "Den Reißwolf", seufzt Nawrocki, "werde ich nicht mehr los." Ebenso wenig den Ruf, er sei eine Art Wahlverwandter des vormaligen Bahn-Chefs Johannes Ludewig. "Einer hat mal behauptet, Ludewig sei der Patenonkel meines Sohnes", erinnert er sich. "Ich schätze Herrn Ludewig sehr", versichert Nawrocki, "aber er ist es nicht."

Auch egal. Zerknirschung ist einem Nawrocki fremd. "Ich wusste immer, dass ich noch woanders mein Geld verdienen kann." Schon einen Tag nach seinem Abgang bei der Bahn habe er einen neuen Job gehabt. Da sei eine "große deutsche Bank" an ihn herangetreten, habe um Rat und Vermittlung im Umgang mit einem klammen Kunden gebeten.

Seither reihe sich Auftrag an Auftrag. Wer genau ihn beschäftigt, mag Nawrocki ungern verraten. Meist gibt er nur Konturen preis. Er sei "locker mit einer Kölner Anwaltssozietät liiert", berichtet er, die habe immer wieder mal was für ihn. Für zwei US-Unternehmen "im Bereich Luftfahrt, Raumfahrt, Militärtechnik" sei er beratend tätig, ebenso für eine "indische Industriegruppe".

Auch die Bahn hatte wieder einen Job für ihn, allerdings nicht die deutsche, sondern die niederländische: die staatliche Nahverkehrsgesellschaft Connexxion. Für die sondierte Nawrocki die Chancen für eine Expansion am deutschen Markt.

Seiner brisantesten Mission geht der Berater derzeit auf Geheiß einer "internationalen Anwaltskanzlei" nach. Er vermittelt bei dem heiklen Unterfangen, die Grenze zwischen Saudi-Arabien und Jemen neu vermessen zu lassen. Nawrocki muss dafür sorgen, dass sich beide Seiten über das Verfahren einig sind.

Alles in allem arbeite er eigentlich "viel zu viel", meint Nawrocki. Den Kauf eines Pferdes - oft geplant - hat der passionierte Military-Reiter erst mal wieder aufgeschoben. Er fühle sich wohl und gut versorgt mit seinen Mandaten auf Zeit. Dennoch, die Rückkehr in eine Festanstellung will er nicht ausschließen, "wenn die Umstände passen". Und die Interessenten Axel Nawrocki finden.

Michael Machatschke

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Axel Nawrocki (58) war einer der umstrittensten Manager der 90er Jahre. Höchst zwiespältige Kritiken erntete er besonders 1992/93 als Berliner Olympia-Werber: Die von ihm organisierte Kandidatur der Hauptstadt für die Spiele des Jahres 2000 scheiterte kläglich. Bei der Bahn brachte es Nawrocki bis zum Fernverkehrs-Vorstand, musste das Unternehmen aber 1999 zusammen mit dem glücklosen Konzernchef Johannes Ludewig verlassen. Nawrocki, gelernter Jurist, begann seine Karriere in den 70er Jahren in der Parteizentrale der CDU. Kurt Biedenkopf, damals Generalsekretär, machte ihn zu seinem Büroleiter. 1990 ging er zur Treuhandanstalt nach Berlin. Axel Nawrocki, Oberstleutnant der Reserve, ist verheiratet und hat zwei studierende Kinder.

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